Ende 2022 soll die Limmattalbahn zwischen Altstetten ZH und Killwangen-Spreitenbach verkehren – vorausgesetzt, das Zürcher Stimmvolk bestätigt am 23. September den Kredit für den Abschnitt zwischen Schlieren und Dietikon. Geht es nach den Plänen des Aargauer Regierungsrates, soll die Bahn aber über Neuenhof und Wettingen bis zum Bahnhof Baden fahren.

Dieses Ansinnen stösst bei den betroffenen Ammännern auf Anklang. «Für uns war immer klar, dass wenn die Bahn nach Neuenhof und Wettingen weitergeführt wird, sie zwingend nach Baden verlängert werden muss», sagt der Badener Stadtammann Markus Schneider (CVP). Und ebenso klar sei, dass die Bahn zum Bahnhof Baden geführt werden müsse. «Die Herausforderung wird sein, wo die Bahn die Limmat queren soll.» Wie der Regierungsrat sieht auch Schneider eine Möglichkeit über die Hochbrücke, wenn der motorisierte Individualverkehr eine neue Brücke erhält. «Wichtig ist aber, dass diese beiden möglichen Projekte eng aufeinander abgestimmt sind, damit die Erschliessung der Stadt Baden jederzeit gewährleistet ist.»

Schneider: «Erst in 20 Jahren»

Auch eine mögliche Weiterführung durch den Schlossbergtunnel erachtet Schneider als realistisch. «Aber natürlich nur, wenn für den motorisierten Individualverkehr andere Lösungen gefunden werden», betont Schneider. Diese Aussage erstaunt insofern, als der Schlossbergtunnel erst gerade saniert wurde und ein wichtiges Puzzleteil bei der Neugestaltung des Schulhausplatzes spielt. «Wir dürfen den zeitlichen Horizont für eine mögliche Weiterführung der Limmattalbahn nicht ausser Acht lassen», betont Markus Schneider. Denn bis diese allenfalls realisiert würde, könnten gut und gerne nochmals 20 oder mehr Jahre ins Land streichen. «Bis dann stehen vielleicht bereits wieder erste Sanierungen beim Tunnel an.» Auch Schneider erachtet eine Weiterführung der Bahn über das Nationalbahntrassee als wenig sinnvoll. «Erstens müsste die Bahn dann zwingend über den Bahnhof Oberstadt führen.» Zweitens hätten Zahlen und Berechnungen des Kantons gezeigt, dass das Potenzial für eine solche Bahn im Raum Fislisbach, Mellingen und Rohrdorferberg schlicht zu klein sei. «Damit eine solche Bahn rentiert, braucht es eine wirklich grosse Agglomeration, wie sie im Limmattal gegeben ist.»

Kuster: «Kein eigenes Trassee»

Auch Wettingens Gemeindeammann Roland Kuster (CVP) ist voll des Lobes für den vorgeschlagenen Korridor: «Damit hat der Kanton die von der Gemeinde Wettingen bevorzugte Variante gewählt, was wir natürlich sehr begrüssen.» Die geplante Linienführung würde nicht nur das Gebiet Tägerhard, sondern auch das noch zu entwickelnde Gebiet Geisswies erschliessen. «Von besonderer Bedeutung wird die Haltestelle Tägerhard sein, wo man auf die S-Bahn umsteigen kann», so Kuster. Dass es trotz S-Bahn und dichtem Bus-Netz in Wettingen eine Bahn verträgt im Dorf, davon ist er überzeugt. «Mit der Limmatalbahn werden andere Gebiete in grösseren Abständen erschlossen. Zudem könne dank der Bahn die Strasse vom motorisierten Individualverkehr entlastet werden.»

Dank der Teiländerung des Nutzungsplans Siedlungsgebiet Landstrasse habe man auch dafür gesorgt, dass es für die Bahn genügend Platz haben wird. «Es wird kein eigenes Trassee geben. Viel eher wird es darauf hinauslaufen, dass sich der motorisierte Verkehr und die Bahn die Strasse teilen werden.» Kuster betont, dass es mit der Weiterführung der Limmattalbahn nach Baden nicht getan sei. «Die Bahn wird in der ganzen Region einen enormen Entwicklungsschub – ähnlich der Glattalbahn in Zürich – auslösen. Es wäre deshalb absolut wünschens- und prüfenswert, die Bahn weiter Richtung Siggenthal und allenfalls bis zum Park Innovaare in Villigen weiterzuführen.»

Voser: «Eine grosse Chance»

Auch Susanne Voser, Frau Gemeindeammann (CVP) von Neuenhof, begrüsst die Weiterführung der Limmattalbahn über Killwangen-Spreitenbach hinaus. «Die Limmattalbahn ist nicht nur für Neuenhof, sondern für das ganze Limmattal eine grosse Chance.» Platzproblem gebe es deswegen keines. «Wir haben das Trassee entlang der Zürcherstrasse quasi freigehalten, sodass man hier eine Bahn realisieren könnte.» Das Argument, Neuenhof brauche die Bahn gar nicht, da man schon über einen Bahnhof mit S-Bahn-Anschluss verfüge, lässt Voser nicht gelten: «Wir sprechen hier von einem Projekt für die Zukunft. Schon heute sind viele Strassen verstopft und viele Busse und auch die S-Bahn zu den Spitzenzeiten überfüllt. Zudem würde die Bahn eine sehr gute Erschliessung in Richtung «Tägi» ermöglichen.» Das Verkehrsaufkommen werde in den nächsten Jahren weiter zunehmen, weshalb die Diskussionen jetzt geführt und Lösungen gesucht werden müssten. Dabei denkt Voser etwa auch an die angedachte Velo-Schnellroute zwischen Baden und Zürich.