Leitartikel zum Baustart der Limmattalbahn
Eine halbe Bahn nützt nichts

Jetzt gibt es kein Zurück mehr: Der Spatenstich für die erste Etappe des Jahrhundertbaus Limmattalbahn ist gestern erfolgt. Um den historischen Moment gebührend zu feiern, nahm sogar Verkehrsministerin Doris Leuthard den Weg von Bern nach Schlieren auf sich. Daneben war viel regionale und kantonale Politprominenz aufgekreuzt, um dabei zu sein, wenn aus der rund 15 Jahre lang gehegten Idee und sechs Jahren Planung Realität wird.

Bettina Hamilton-Irvine
Bettina Hamilton-Irvine
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 Spatenstich für das 800-Millionen-Franken-Projekt Limmattalbahn auf dem Stadtplatz in Schlieren.
33 Bilder
 Die Limmattalbahn verbindet ab Ende 2022 die Gemeinden Zürich-Altstetten, Schlieren, Urdorf, Dietikon, Spreitenbach und Killwangen.
 Am Montag fand der Spatenstich für die 1. Etappe von Altstetten nach Schlieren mit Bundesrätin und Verkehrsministerin Doris Leuthard statt.
 Die Zürcher Regierungsrätin Carmen Walker-Späh beim Spatenstich.
 Der Aargauer Regierungsrat Stephan Attiger beim Spatenstich.
 Gesamtprojektleiter Daniel Issler beim Spatenstich.
 Bundesrätin Doris Leuthard beim Spatenstich, flankiert von der Zürcher Regierungsrätin Carmen Walker-Späh und dem Aargauer Regierungsrat Stephan Attiger
Die letzte Schaufel: Doris Leuthard beim Spatenstich, kurz bevor das Haltestellendomino fällt.
Der Startschuss für den Jahrhundertbau ist erfolgt.
Willy Haderer, sozusagen der Vater der Limmattalbahn, schaut Bundesrätin Doris Leuthard über die Schulter.
 Der Zürcher Stadtrat Filippo Leutenegger, der Aargauer Regierungsrat Stephan Attiger, Bundesrätin Doris Leuthard, der Limmattalbahn-Verwaltungsratspräsident Hans Egloff, die Zürcher Regierungsrätin Carmen Walker-Späh, der Limmattalbahn-Gesamtprojektleiter Daniel Issler, der Dietiker Stadtpräsident Otto Müller, die Urdorfer Gemeindepräsidentin Sandra Rottensteiner, der Schlieremer Stadtpräsident Toni Brühlmann-Jecklin und der Killwanger Gemeindeammann Werner Scherrer.
 Regierungsrätin Carmen Walker-Späh, Bundesrätin Doris Leuthard, der "Vater der Limmattalbahn" Willy Haderer und der Verwaltungsratspräsident der Limmattalbahn AG, Nationalrat Hans Egloff am Baustart der Limmattalbahn in Schlieren.
 Der Spreitenbacher Gesamtgemeinderat liess es sich nicht nehmen, ein Erinnerungsbild mit Bundesrätin Doris Leuthard zu machen. Links von ihr Gemeindepräsident Valentin Schmid.
 Bundesrätin Doris Leuthard im Interview.
 Willy Haderer aus Unterengstringen, der "Vater der Limmattalbahn", liess sich das Spektakel nicht entgehen.
Statt eines roten Teppichs gab es einen schwarzen Teppich, darauf eingezeichnet die Bahnlinie mit den Haltestellen.
 Im Bild: Dietiker Stadtpräsident Otto Müller, Urdorfer Gemeindepräsidentin Sandra Rottensteiner, Nationalrat und Limmattalbahn-Verwaltungsratspräsident Hans Egloff aus Aesch, und der Limmattalbahn-Vater Willy Haderer.
 Im Bild: Urdorfer Gemeindepräsidentin Sandra Rottensteiner, Nationalrat und Limmattalbahn-Verwaltungsratspräsident Hans Egloff aus Aesch, der Schlieremer Stadtpräsident Toni Brühlmann-Jecklin und der Dietiker Stadtpräsident Otto Müller.
Das Haltestellen-Domino, bevor es gefallen ist.
Der Zürcher Stadtrat Filippo Leutenegger.
Auch der Aargauer Regierungsrat und Baudirektor Stephan Attiger und sein Vorgänger Peter Beyeler liessen sich den Spatenstich nicht entgehen.
Der Gemeindeammann von Wettingen: Roland Kuster.
 Der Alt-Regierungsrat und Baudirektor des Aargaus, Peter C. Beyeler, filmt den Spatenstich. Links Jasmina Ritz, Geschäftsführerin Limmatstadt AG, ganz rechts im Bild Danilo Follador, im Urdorfer Gemeinderat zuständig für Bau und Planung.
Endhaltestelle Killwangen: Der Dominostein hat das Ziel erreicht.
 Die Limmattaler Politikerin Yvonne Apiyo Brändle-Amolo.
 Der Schlieremer Stadtpräsident Toni Brühlmann-Jecklin.
 Der Aargauer Alt-Regierungsrat und Alt-Baudirektor Peter Beyeler im Gespräch mit seinem Nachfolger Stephan Attiger (rechts).
Kopie von Impressionen vom Baustart der Limmattalbahn in Schlieren
Die Gemeindepräsidenten erhalten jeweils ihren Haltestellen-Dominostein. Hier nimmt der Schlieremer Stadtpräsident Toni Brühlmann-Jecklin einen solchen Stein entgegen.
 Regierungsrätin Carmen Walker Späh, der Zürcher Stadtrat Filippo Leutenegger und Bundespräsidentin Doris Leuthard beim offiziellen Spatenstich der Limmattalbahn in Schlieren.
Regierungsrätin Carmen Walker Späh, der Zürcher Stadtrat Filippo Leutenegger und Bundespräsidentin Doris Leuthard beim offiziellen Spatenstich der Limmattalbahn in Schlieren.
Bundespräsidentin Doris Leuthard.
 Regierungsrätin Carmen Walker Späh.

Spatenstich für das 800-Millionen-Franken-Projekt Limmattalbahn auf dem Stadtplatz in Schlieren.

Sandra Ardizzone

Der grosse Moment wurde dann auch mit entsprechend grossen Worten gewürdigt. Von einem «Vorzeigeprojekt» sprach Leuthard, von einem «Generationenprojekt» die Zürcher Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh, von einem «geschichtsträchtigen Tag» die Urdorfer Gemeindepräsidentin Sandra Rottensteiner. Doch nebst viel Feierlichkeit und ein wenig Pathos ging nicht vergessen, dass der Baustart der Limmattalbahn längst nicht für alle ein Jubeltag ist. Doris Leuthard erwähnte das explizit in ihrer Rede. Das ist durchaus richtig:

Denn eine Mehrheit von 54 Prozent der Stimmenden im Bezirk Dietikon sagte Nein zur Limmattalbahn. Sie finden die Bahn unnötig, zu teuer, zu gefährlich. Sie machen sich Sorgen, dass die Bahn mehr Verkehr und mehr Menschen ins Limmattal bringt. Für die älteren Semester mag sie auch einfach generell das Symbol einer Urbanisierung sein, die ihnen Angst macht. Denn Schlieren oder Dietikon sind für sie noch immer Dörfer. Und wenn erst einmal ein Tram durch das Dorf fährt, ist das Dorf definitiv Stadt geworden.

Diese Ängste muss man durchaus ernst nehmen. Es gilt, weiterhin mit den Kritikern der Bahn im Dialog zu bleiben, sie mit einzubeziehen. Trotzdem darf die Bahn nicht von ihrem Weg abgebracht werden. Das wäre fatal. Seit gestern befindet sich die erste Etappe im Bau, sie wird nicht mehr infrage gestellt. Würde die zweite Etappe noch gestoppt, wie das die Gegner mit der Initiative «Stoppt die Limmattalbahn – ab Schlieren» wollen, wäre das ganze Projekt für die Katz.

Die Limmattalbahn ist weit mehr als ein Tram

Denn die Limmattalbahn ist viel mehr als ein Tram: Sie ist ein überkantonales Verkehrsprojekt, ein komplexes Konstrukt, das längst nicht nur den Bezirk einbezieht. Ein Projekt, das ein neues Buskonzept und ein neues – sich bereits im Bau befindliches – Strassenkonzept mit sich bringt, breitere Brücken, ausgebaute Kreuzungen, veränderte Verkehrsführungen. Ein Projekt, das Pendlerströme aus dem Limmattal, aber auch aus der Stadt und dem Kanton Zürich und dem Aargau neu organisiert. Ein Projekt, das über den Bezirk hinaus nützt, aber vor allem die Region selber vor einem Verkehrskollaps bewahren soll.

Denn die Dynamik, die sich in den letzten Jahren im Limmattal entwickelt hat, lässt sich nicht mehr aufhalten. Arbeitsplätze, neue Gebäude, neue Bewohner: All das ist in der Stadt Zürich nur noch begrenzt möglich, weshalb alles in deren natürliche Verlängerung drängt: das Limmattal. Das geschieht, ob die Limmattalbahn da ist oder nicht. Der Unterschied: Mit der Bahn kann die Region in den nächsten Jahrzehnten das Wachstum besser organisieren. Ohne Bahn wären die Menschen trotzdem da – aber sie sässen in den S-Bahnen und würden in ihren Autos zum Stau auf unseren Strassen beitragen.

Ohne die zweite Etappe der Limmattalbahn würde in Dietikon (im Bild der Bahnhof) kein Tram verkehren.
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Die zweite Etappe erstreckt sich von Schlieren bis zum Bahnhof Killwangen-Spreitenbach.
Weitere Visualisierungen der Limmattalbahn: Bahnhof Altstetten
Zürich Micafil.
Kesslerplatz in Schlieren.
Spitalstrasse Schlieren.
Bahnhofplatz Dietikon.
Bahnhof Dietikon.
Die Haltestelle Badenerstrasse in Dietikon.
Die Haltestelle Furttalstrasse in Spreitenbach.
Der Endbahnhof Killwangen-Spreitenbach.
So sieht der Plan der Linienführung aus.
Dieser Plan zeigt die Linienführung in Schlieren.
Dieser Plan zeigt die Linienführung in Dietikon.
Plan der gesamten Linienführung.

Ohne die zweite Etappe der Limmattalbahn würde in Dietikon (im Bild der Bahnhof) kein Tram verkehren.

Architron Gmbh, Zürich

Wird nur die Hälfte des Projekts realisiert, funktioniert das Ganze nicht. Und das wäre dann tatsächlich eine gigantische Geldverschwendung: Hunderte von Millionen auszugeben für ein nur halb fertig gebautes Projekt, das seine Wirkung nicht entfalten kann. Zumal es gut möglich ist, dass die erneute Volksabstimmung über die zweite Etappe der Bahn erst ein halbes Jahr nach deren Baustart erfolgt, womit wir mit bereits aufgerissenen Strassen und begonnenen Bauwerken zurückgelassen würden.

16 000 Personen im Limmattal sind noch nicht 18 Jahre alt

Trotzdem: Das Limmattal wolle die Bahn einfach nicht. Dieses Argument hört man seit der Abstimmung im November 2015 häufig. Doch Vorsicht: Das Limmattal sind nicht nur die gut 11 000 Personen, welche die Bahn damals ablehnten. Im ganzen Bezirk leben knapp 90 000 Personen. Von ihnen sind gut 16 000 unter 18 Jahre alt. Und obwohl ihre Stimme politisch noch nicht zählt, sollten sie nicht vergessen gehen. Denn sie sind es, die in den nächsten Jahrzehnten unterwegs sein werden. Für sie ganz besonders wird das Zukunftsprojekt Limmattalbahn gebaut.

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