Remetschwil

Eine IG für politisches Interesse: «Wir möchten wieder Leben ins Dorf bringen»

Die Kerngruppe der IG Aufbruch Remetschwil (v. l.): Bruno Reinhard, Felix Feller, Marion Stern, Peter Bachmann, Christof Merkli, Kai Pasquier. Es fehlt: Martin Reber.  zvg

Die Kerngruppe der IG Aufbruch Remetschwil (v. l.): Bruno Reinhard, Felix Feller, Marion Stern, Peter Bachmann, Christof Merkli, Kai Pasquier. Es fehlt: Martin Reber. zvg

Die neue Gruppe Aufbruch Remetschwil will Dorfthemen kritisch hinterfragen und den Austausch fördern.

Rund 1400 Stimmberechtigte gibt es in Remetschwil. Doch nur ein kleiner Teil davon besucht jeweils die Gemeindeversammlungen. Für Christof Merkli Grund genug, aktiv zu werden. «Im Dorf werden Demokratie und Politik kaum mehr gelebt», sagt Merkli, der im Weiler Sennhof wohnt. Remetschwil sei zu einer Schlafgemeinde verkommen. Gemeinsam mit weiteren Einwohnern hat er deshalb die Interessengemeinschaft Aufbruch Remetschwil gegründet.

«Wir möchten wieder Leben ins Dorf bringen und das politische Interesse bei den Einwohnern, insbesondere bei den jungen, wecken», sagt Merkli, der es mit der mittlerweile aufgelösten IG Pro Heitersberg geschafft hat, dass der Heitersberg windkraftwerkfrei bleibt. «Früher waren in Remetschwil verschiedene Parteien tätig, etwa die FDP und die SP», fährt er fort. Diese hätten jeweils vor den Gemeindeversammlungen die Sachgeschäfte studiert und den Austausch mit dem Gemeinderat gesucht. Heute hingegen fände dieser gar nicht mehr statt. «Der Gemeinderat entscheidet und verabschiedet die Vorlagen alleine im stillen Kämmerlein.» Das trage nicht zur Ausgewogenheit bei, sagt er.

Das möchte die IG Aufbruch Remetschwil nun ändern. Sie will die anstehenden Themen analysieren, von Experten begutachten lassen und kritisch hinterfragen. «Wenn nötig, wollen wir im Anschluss den Kontakt mit dem Gemeinderat suchen», sagt Merkli. Er betont, dass es sich dabei um positive Kritik handle und nicht um fundamentale Opposition. Der IG sei wichtig, das Gespräch, den Austausch sowie den Informationsfluss zwischen den Einwohnern und der Gemeinde anzuregen. «Auf diese Weise werden die Diskussionen sachlicher und die Abstimmungen an den Gemeindeversammlungen einfacher.»

Einwohner gezielt informieren

Um diesem Ziel näher zu kommen, organisiert die IG jeweils einige Wochen vor Gemeindeversammlungen und Wahlen eine Infoveranstaltung. Die erste Austragung mit 34 Teilnehmenden Mitte September, bei der unter anderem die Gruppe und die Gemeinderatskandidaten vorgestellt wurden, sei ein Erfolg gewesen.

Und was hält der Gemeindeammann zur Gründung der IG Aufbruch Remetschwil? Rolf Leimgruber (parteilos) findet es grundsätzlich bereichernd, wenn sich Gruppierungen für das politische Geschehen in einer Gemeinde interessieren. Vor allem, weil in Remetschwil keine aktiven Parteien für entsprechenden Wind oder Gegenwind sorgen würden. «Damit die Bevölkerung aber einen Nutzen ziehen kann, ist es nötig, dass fair, sachlich und unterstützend opponiert wird», sagt der Gemeindeammann.

Derzeit besteht die IG Aufbruch Remetschwil aus einem Kernteam sowie vier weiteren Interessierten. Mitmachen könne jeder, der an einer gelebten Dorfpolitik interessiert sei. «Wir sind politisch neutral, beziehen aber zu lokalen Themen klar Stellung und verfassen Parolen zu Sachgeschäften der Gemeindeversammlung», sagt Merkli. So geschehen beispielsweise beim Kredit für die Teilsanierung der Deponie Bachtobel, die an der letzten Sommergmeind gutgeheissen wurde. Die Gruppe ist mit dem Entscheid nicht einverstanden: Sie ist der Meinung, dass die Deponie bei der technischen Untersuchung nicht ausreichend auf mögliche Giftstoffe untersucht worden sei und deshalb nachträgliche Wasserproben genommen werden müssten. «Wir haben uns mit dem Gemeinderat in Verbindung gesetzt und wurden vor kurzem an einen Runden Tisch geladen», sagt Merkli. Zwar habe die IG Aufbruch Remetschwil das Ziel noch nicht erreicht, doch man sei froh, habe man die Diskussion rund um die Deponie wieder neu lancieren können.

In Zukunft will die Gruppe neue Mitglieder gewinnen und möglichst viele Einwohner an den Infoveranstaltungen begrüssen. Merkli: «Es wäre schön, wir könnten jeweils rund 100 Personen zählen.»

Nächste Infoveranstaltung: 23. Oktober, 20 Uhr, Feuerwehrlokal Busslingen.

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