Baden

Eine kleine Pioniertat mit grosser Wirkung: Digitales Stadtarchiv ist ein internationales Erfolgsmodell

Eines von rund 600'000 Dokumenten: Foto vom Bahnhof Baden, während der Badenfahrt im Sommer 1972.

Eines von rund 600'000 Dokumenten: Foto vom Bahnhof Baden, während der Badenfahrt im Sommer 1972.

Seit zehn Jahren gibt es in Baden ein digitales Stadtarchiv – es ist ein internationales Erfolgsmodell, das in Dättwil entwickelt wurde.

Es war eine Pioniertat: Vor zwölf Jahren entschied der Badener Einwohnerrat, dass das Stadtarchiv fortan zu einem grossen Teil digital werden sollte. Das Parlament sprach einen Kredit von 180 000 Franken, die noch junge Dättwiler Firma Docu­team von Stadtarchivar Andreas Steigmeier bekam den Auftrag. 2010 war es soweit: Als erste Gemeinde der Schweiz bekam die Stadt Baden ein digitales Gedächtnis, sprich ein elektronisches Langzeitarchiv.

Das Unternehmen Docu­team ist in der breiten Öffentlichkeit bis heute kaum bekannt, aber in seinem Gebiet höchst erfolgreich. Zusammen mit dem Historiker Tobias Wildi gründete Steigmeier 2003 die GmbH für Informationsmanagement und Archivdienstleistungen. Das Amt als Stadtarchivar führt er schon seit 1998 im Mandat der Stadt.

Der städtische Auftrag zum Digitalarchiv war der Startschuss für die Erfolgsgeschichte. Die nötige Software wurde in Dättwil entwickelt, heute dient sie zahlreichen Archiven als Grundlage für ihr digitales Angebot. Baden ging mit seinem digitalen Archiv voran. Bis heute haben noch nicht einmal alle Kantone der Schweiz ein elektronisches Langzeitarchiv. Dazu zählt auch der Aargau. «Der Kanton hat unsere Lösung leider links liegen lassen», sagt Andreas Steigmeier. Zu den rund 50 Kunden seiner Firma mit einem digitalen Langzeitarchiv zählen aber etwa sieben kantonale Staatsarchive, die Universitäten Basel, Bern und Zürich, die ETH Zürich sowie Firmen und Gemeinden.

Auch der französische Staat nutzt Badener Software

Selbst der französische Staat nutzt Software von Docuteam und liess sie zu seinen Zwecken anpassen. Software-Werkzeuge aus Dättwil werden auch von Archiven in Schweden und Deutschland verwendet, etwa vom Bayerischen Rundfunk. Der weltweit grösste Anbieter für digitale Langzeitarchive sitzt in England. «Wir kommen bald danach», sagt Steigmeier. Alle Anbieter seien kleine Firmen, der Markt erlaube kein Massengeschäft.

Docuteam beschäftigt heute immerhin 37 Mitarbeiter. Darunter sind zum einen viele Historiker, aber unter anderem auch acht IT-Fachleute. Viele der Mitarbeiter haben eine Ausbildung in Informationswissenschaften. Seit 2010 gibt es eine Westschweizer Filiale, die ihren Sitz heute in Yverdon-les-Bains hat. Das Badener Büro zog 2010 von der Husmatt ins Beldona- Gebäude im Langacker.

Zehntausende Fotos frei zugänglich

Die digitale Archivierung sei für viele öffentliche Institutionen noch immer Neuland, das «digitale Potenzial» entsprechend gross, sagt Steigmeier. In Baden befinden sich derzeit rund 600 000 Objekte aus dem Stadtarchiv im digitalen «Archivmagazin». Viele davon sind als reale Dokumente im Archiv im Historischen Museum gelagert. Immer mehr Dokumente sind aber ausschliesslich elektronisch vorhanden. «Und die digitalen Daten werden stark zunehmen», erklärt er.

Im Badener Stadtarchiv sind von mittelalterlichen Urkunden über Ratsprotokolle und Verwaltungskorrespondenz bis hin zu gut 25000 Fotografien digital zugänglich. Allein die Bestände des Fotohauses Zipser und des Ennetbadener Fotografen Werner Nefflen machen zehntausende Dokumente aus. Sie sind noch nicht alle online verfügbar, aber ein grosser Teil kann frei benutzt werden. «Die freie Nutzung war uns von Anfang an wichtig», sagt Steigmeier. «Für uns bei Docu­team war das digitale Stadtarchiv eine Referenzanlage. Der Auftrag war ein grosser Glücksfall für uns – und für die Stadt Baden.»

Das digitale Stadtarchiv finden Sie unter baden.docuteam.ch.

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