Baden
Eine lange Kurzfilmnacht mit vielen Highlights

Hafen-Leichen, Lokalmatadoren und Missgeschicke im Gemischtwarenladen: Die Kurzfilmnacht im Kino Orient bot viel Abwechslung.

Philippe Neidhart (Text und Fotos)
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Ein Glacé versüsst die Pause zwischen den Filmen.

Ein Glacé versüsst die Pause zwischen den Filmen.

Der Regen prasselt ununterbrochen auf die Strasse, dicht an dicht drängen sich die Leute unter das kleine Dach des Kinos Orient. Auch drinnen herrscht bereits reges Treiben, als der Gong erschallt und die Zuschauer auffordert, ihre Plätze auf den Kinosesseln einzunehmen. Ein Blick auf das Programm lässt erahnen, dass die kommenden vier Stunden Kurzfilme einiges an Abwechslung bieten werden.

Fremde Welten

Ein erstes Highlight an diesem Abend ist die Aufführung des Science-Fiction-Kurzfilms «Alekto» vom Wettinger Michael Mehring und dem Badener Regisseur Thomas Kaufmann. Sie entführen das Publikum in eine Welt, in der Grossfirmen die Fäden in der Hand halten und das Schicksal der Menschen bestimmen. «Es ist schön, den Film hier nochmals zeigen zu dürfen», freut sich Mehring am anschliessenden Publikumsgespräch, denn bereits die Premiere feierte «Alekto» im Kino an der Grenze zwischen Baden und Wettingen. Mittlerweile konnte der Film auch international für Aufsehen sorgen: «Der Streifen wurde an 22 Festivals gezeigt – in den USA, Frankreich, Australien – und in Solothurn», sagt Regisseur Kaufmann lachend. Und auf die Frage, weshalb der Film in Hochdeutsch gedreht wurde, meint er trocken, dass man eben keine passenden Schweizer Darsteller finden konnte.

Derber Humor

Auch sonst haben die Organisatoren in diesem Jahr ein hochkarätiges Programm zusammengestellt – dabei wird die Kurzfilmnacht-Tour erstmals von den Internationalen Kurzfilmtagen Winterthur veranstaltet. In der Kategorie «Swiss Shorts» mag in erster Linie Christophe M. Sabers «Discipline» voll und ganz zu überzeugen. Der Film zeigt in amüsanter Art und Weise auf, wie ein kleines Missgeschick einen Gemischtwarenladen und dessen Kunden sowie Angestellte regelrecht auf den Kopf stellen kann. «Man könnte auch bei uns zu Hause eine Kamera aufstellen», flüstert ein Gast in den hinteren Reihen, «da artet es jeweils in ähnlicher Weise aus.»

Kaum hat man sich vom Lachen erholt, geht es bei den skandinavischen Kriminalfilmen im gleichen Stil weiter, auch wenn hier der Humor teilweise derb daherkommt. «Oh Gott», hört man es sodann aus dem Publikum aufstöhnen – gefolgt von einem herzhaften Lachen, als zwei unbeholfene Typen gerade eine Leiche am Hafen entsorgen. Und wer an diesem Punkt noch nicht genug hatte, konnte sich kurz vor Mitternacht in die filmische Welt der Musik und des Tanzes entführen lassen.