Turgi
Eine linke Allianz will den Ammann-Sitz erobern

Nach dem angekündigten Rücktritt des Bürgerlichen Peter Heiniger planen SP und IG Turgi den Angriff. Sie wollen nun einen zweiten Gemeinderats- und wenn möglich auch den Gemeindeammansitz holen.

Pirmin Kramer
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Links: Martin Christen, Co-Präsident SP Rechts: Adrian Schoop, BV Turgi

Links: Martin Christen, Co-Präsident SP Rechts: Adrian Schoop, BV Turgi

AZ

Gemeindeammann Peter Heiniger (63) hat vor wenigen Tagen seinen Rücktritt per Ende Jahr angekündigt. Der Politiker der Bürgerlichen Vereinigung Turgi (BVT) hatte das Amt insgesamt 14 Jahre inne, von 1992 bis 2001 und nun erneut seit 2011. Auch wenn die Ersatzwahl erst am 25. September stattfindet, haben die Vorbereitungen der Parteien für die Nachfolgersuche bereits begonnen. Auch bei den linken Parteien, wie Martin Christen, Co-Präsident der SP Turgi, erklärt: «Wir würden gerne zusammen mit der Interessengemeinschaft Turgi einen Kandidaten oder eine Kandidatin für das Gemeindeammann-Amt aufstellen.»

«Uns steht ein Sitz zu»

Die SP hatte den Gemeindeammann-Sitz letztmals von 2002 bis 2011 mit Theo Wenger inne. Inzwischen ist die in Turgi traditionsreiche Partei nicht mehr im Gemeinderat vertreten. Eine andere Linksgruppierung hingegen, die vor vier Jahren gegründete IG Turgi, schaffte auf Anhieb den Sprung in den Gemeinderat. Diese Gruppierung stehe der SP nahe, erklärt Christen; ihr gehörten viele Wählerinnen und Wählern an, die ihre Stimme beispielsweise bei Grossratswahlen oder Nationalratswahlen den Grünen, Grünliberalen und zum Teil auch CVP geben würden, so Christen.

Die linke Allianz aus SP und IG soll nun einen zweiten Gemeinderatssitz holen, wenn möglich den Gemeindeammannsitz. «Die Situation ist aus unserer Sicht momentan nicht erfreulich.» Rein rechnerisch würden SP und IG zwei Sitze zustehen, «denn bei Grossrats- und Nationalratswahlen erzielen wir üblicherweise rund 40 Prozent Wähleranteil. Die SP hat eine starke Tradition in Turgi. Nun möchten wir wieder an alte Erfolge anknüpfen», erklärt Christen.

In den nächsten Wochen würden sich SP und IG auf die Suche nach einem geeigneten Kandidaten machen. Wer ins Rennen geschickt werden soll, sei aber noch ungewiss, einige mögliche Kandidaten hätten bereits abgesagt. Dafür glaubt Christen, bereits den Kandidaten zu kennen, der den Gemeindeammann-Sitz für die Bürgerliche Vereinigung verteidigen soll: Er rechne damit, dass für die BVT Adrian Schoop (31) ins Rennen steigen werde, sagt Christen weiter.

Schoop schliesst Kandidatur nicht aus

Adrian Schoop sagt auf Anfrage, er mache sich Gedanken – zum jetzigen Zeitpunkt könne er nur sagen, dass er eine Kandidatur nicht ausschliesse. «Es bleibt bis zum Anmeldeschluss im August noch viel Zeit, in der ich Gespräche mit meinem privaten und beruflichen Umfeld führen kann. Klar ist, dass das Gemeindeammannamt äusserst intensiv ist. Aus rein zeitlichen Gründen würde für mich nichts gegen eine Kandidatur sprechen, bereits jetzt habe ich mit dem Ressort Bau viel zu tun. Die Verantwortung als Gemeindeammann wäre aber sicher grösser.» Ausserhalb der Gemeinde Turgi politisiert Schoop für die FDP; im vergangenen Herbst kandidierte er für den Nationalrat. Er verpasste zwar die Wahl, mit 5657 Stimmen erreichte er auf der Liste der Jungen FDP Aargau jedoch das mit Abstand beste Resultat.

Barben steht nicht zur Verfügung

Kein Interesse am Posten hat Astrid Barben, die für die BVT als Vizeammann tätig ist. «Ich habe parteiintern bereits kommuniziert, dass ich nicht für das Gemeindeammannamt zur Verfügung stehe, ich habe kein Interesse. Dieses zeitintensive Amt wäre nicht mit meinem Beruf vereinbar. Ich übe das Amt als Vizeammann sehr gerne aus.»

Die Bürgerliche Vereinigung Turgi ist seit 70 Jahren eine starke politische Kraft. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, die Interessen sämtlicher bürgerlich gesinnter Stimmberechtigten zu vertreten. In den vergangenen rund 50 Jahren sei die Mehrheit der Gemeindeammänner, Schulpflege- und Kommissionspräsidenten aus den Reihen dieser Partei hervorgegangen, schreibt die Partei auf ihrer Website.

Bekanntester Vertreter war in den vergangenen zwanzig Jahren Peter Heiniger. Grund für seinen Rücktritt ist seine Pensionierung, die im kommenden Jahr bevorsteht. Heiniger wirkte beim Bau des neuen Bahnhofs mit. Kurz nach seinem freiwilligen Rücktritt 2001 gewann Turgi den Wakker-Preis des Schweizerischen Heimatschutzes.