Reportage
Eine Nacht in der Notaufnahme des Kantonsspitals Baden

Notfallärztin Anne Rospert untersucht, beruhigt und näht im Akkord im Kantonsspital Baden. Wir haben sie dabei eine Nacht lang in der Notaufnahme begleitet.

Adrian Hunziker
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 Notfallärztin Anne Rospert bei der Arbeit im Kantonsspital Baden
9 Bilder
Reportage im Kantonsspital Baden mit Notfallärztin Anne Rospert
 Die Notfallärztin tauscht sich mit anderen Mitarbeitern aus
 Büroarbeit gehört auch dazu
 Besprechung mit der Oberärztin
 Anne Rospert behandelt einen Feuerwehrmann
 Anne Rospert schaut sich mit der Radiologin das CT eines Patienten an
 Notfallärztin Anne Rospert mit Pfleger Benedikt Birnbacher
 Die Journalisten Yvonne Lichtsteiner und Adrian Hunziker

Notfallärztin Anne Rospert bei der Arbeit im Kantonsspital Baden

Adrian Hunziker

Um 4 Uhr morgens verabschieden sich die Journalisten von der Ärztin und dem Pflegerfachmann und machen sich – gezeichnet von der Müdigkeit – auf den Heimweg. Anne Rospert, Notärztin der Chirurgie, wirkt hingegen immer noch fit. Das muss sie auch, denn sie hat nach einer anstrengenden und ereignisreichen Nacht noch weitere vier Stunden Arbeit vor sich.

Bereits die Begrüssung vollzieht sich in einem horrenden Tempo und hält sich daher kurz. «Guten Tag, ich bin die Assistenzärztin. Mein Name ist Anne Rospert», sagt die junge Deutsche und nimmt den Journalisten mit zur ersten Patientin. Die Ärztin hat um 22.05 Uhr an einem Samstagabend gerade ihre Nachtschicht auf der Notfallstation im Kantonsspital Baden (KSB) begonnen. Rospert ist für die chirurgischen Notfälle zuständig. Ruhig befragt sie die erste Patientin. Da klingelt bereits ein erstes Mal das Notfalltelefon. Der Ärztin wird mitgeteilt, dass bereits der nächste Patient im Anmarsch sei. Das Telefon wird während der Nachtschicht häufiger klingeln.

Schon gehts weiter zum nächsten Fall: Ein junger Mann ist gestürzt und hat sich den Knöchel an mehreren Stellen gebrochen. Er ist offensichtlich durch Schmerzmittel sediert, denn er spricht wirr. Er meint, er könne nie mehr gehen. Rospert versucht, ihn zu beruhigen: «Alles ist gut.» Er erwidert: «Nein, nicht alles ist gut, mein Fuss ist gebrochen.» Doch diese Aussage bringt die Ärztin keineswegs aus dem Konzept. Sie lächelt höflich und bespricht sich mit der Oberärztin über das weitere Vorgehen. Auf dem Weg zum nächsten Patienten desinfiziert sie ihre Hände. Diesen Vorgang wiederholt sie unzählige Male.

In der Notfallaufnahme gehört eine gewisse Hektik ganz einfach dazu, damit muss man umgehen können. Tatsächlich kommen Ärzte und Pfleger problemlos aneinander vorbei, tauschen sich aus und kümmern sich um ihre Patienten. Man merkt sofort, dass ein eingespieltes Team am Werk ist. Niemand lässt sich eine mögliche Anspannung anmerken, auch Assistenzärztin Rospert nicht. Sie spult in dieser Nacht einige Kilometer ab, setzt sich nur selten hin. Immer wieder geht die junge Ärztin zur Radiologie und gibt Aufträge für Röntgenaufnahmen auf. Und schon wartet die nächste Patientin, die einen gebrochenen Knöchel hat. «Bei schönem Wetter gehen die Leute raus und viele fallen hin. Der Knöchel ist anfällig für eine Verletzung. Es ist eine ähnliche Situation wie bei Glatteis», erklärt Rospert.

Es ist kurz nach Mitternacht. Die Notfallärztin wundert sich: «Es sind noch keine Betrunkenen eingetroffen. Das erstaunt mich.» Die Überraschung wird noch grösser, als bis um 4 Uhr morgens immer noch keine da sind. Und schon geht sie zurück an die Arbeit: Sie muss einen Finger nähen. Eine Frau hatte sich beim Putzen des Grills tief in den Daumen geschnitten. «Was für ein Start in die Grillsaison!», sagt die Patientin sarkastisch. Rospert ist beim Nähen konzentriert, arbeitet seelenruhig und fragt die Patientin, ob es noch auszuhalten sei.

Von 2.45 bis 3 Uhr macht die 30-Jährige eine kurze Pause. Sie isst ein Stück Brot mit Konfitüre und trinkt einen Kaffee. Danach muss die nächste Wunde genäht werden. Dieses Mal am Hinterkopf einer älteren Dame, die hingefallen war. Eine Viertelstunde später behandelt die Notfallärztin einen Feuerwehrmann, der kleinere Verbrennungen hat.

Es folgt die ungeliebte, aber notwendige Büroarbeit – wie das gesprochene Protokoll, das belegt, was sie alles in dieser Nachtschicht zu tun hatte. Die Journalisten machen sich auf den Heimweg, die Notfallärztin verabschiedet sich mit einem Lächeln und arbeitet weiter.

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