Baden/Ennetbaden
«Eine neue Klientel kommt jetzt ins Alter»

Die vom Alterszentrum Kehl geplanten Alterswohnbauten sind den heutigen Bedürfnissen angepasst. 60 Wohnungen sind vorgesehen in den beiden Baukörpern, die später durch einen dritten ergänzt werden sollen.

Roman Huber
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Das Ensemble mit den neuen Baukörpern und den Aussenräumen.zvg

Das Ensemble mit den neuen Baukörpern und den Aussenräumen.zvg

«Menschen wollen heute das Älterwerden nicht einfach geschehen lassen, sondern aktiv mitgestalten», schreiben die Alterszentrum Kehl Immobilien AG und Betriebs AG zum Wettbewerb für Alterswohnungen. Man möchte eigenständig wohnen und selbstbestimmend auf Serviceleistungen und die Notfallversorgung zurückgreifen, sagt Felix Bohn, Jurypräsident, Fachberater für alters- und demenzgerechtes Bauen und Wohnen im Alter.

«Es kommt eine neue Klientel ins Alter», stellt Andreas Voser, VR-Präsident der AZK Immobilien AG fest. Darum sei ein Alterszentrum in der Nähe von Alterswohnungen vorteilhaft. Dennoch müssen moderne Alterswohnformen der schwindenden physischen Leistungsfähigkeit im Alter Rechnung tragen, sagt Bohn. Er wies auf das Risiko und Unfallfolgen hin.

Separat und doch verbunden

60 Wohnungen sind vorgesehen in den beiden Baukörpern, die später durch einen dritten ergänzt werden sollen. Die Jury bezeichnet das Gesamtprojekt als ausgewogenes Ensemble. Architektursprache und die loftartigen Wohnungsgrundrisse drücken das moderne Wohnen aus. Zwei Geschosse werden zusammengefasst, die Treppenhäuser gewinnen an Helligkeit. Jede Wohnung hat einen Balkon, orientiert auf zwei Seiten.

Wie bei einer Hotellobby wird der Bewohner im Kehl empfangen. Trockenen Fusses erreicht er das Restaurant, wenn er nicht selber kochen will. Im medizinischen Notfall ist Tag und Nacht eine Pflegekraft erreichbar. Wer den Alltag nicht mehr selber bewältigen kann, wechselt in die Pflegestrukturen.

Eduardo Forgas, Geschäftsführer des Alterszentrum Kehl, weist auf die volkswirtschaftliche Bedeutung von Alterswohnungen hin. «Wir haben Bewohner im Pflegebereich, die in einer hindernisfreien Alterswohnung leben könnten, wenn sie sich auf Zusatzleistungen und den Notfalldienst abstützen können.» Das neue Pflegegesetz verpflichtet die Gemeinden, den Wohn- und Pflegebedarf der älteren Bevölkerung zu erfüllen. Dabei lässt sich viel sparen, wenn statt eines monatlich mindestens 4500 Franken teuren Pflegeplatzes eine 1500 Franken teure Alterswohnung seinen Zweck sogar besser erfüllen kann.

Den Spagat geschafft

Der Verein Alterszentrum Kehl als Auftraggeber hatte die Aufgabe gestellt, ein modernes, attraktives, hindernisfreies Wohnangebot ohne Heimcharakter an ein Pflegezentrum anzubinden. «Das Projekt ‹rendez-vous› des Zürcher Büros Bob Gysin und Partner AG hat diesen Spagat in einer vorbildlichen Lösung geschafft», heisst es Bericht der Jury.

Das Projekt sei an der öffentlichen Präsentation beim zahlreichen interessierten Publikum sehr gut angekommen. Die Bauherrschaft versuchte, die vielen Fragen zu beantworten. Das Interesse an den Wohnungen ist laut Voser jedenfalls gross. So habe man bereits nach dem möglichen Bezugstermin gefragt.