«O Freunde, nicht diese Töne! Sondern lasst uns angenehmere anstimmen», singt der Bassbariton – und schon laufen den Hörern von Beethovens 9. Sinfonie Schauer über den Rücken. Daran knüpfen Maria Magdalena Kaufmann, Ursula und Urs Koller an der Badenfahrt 2017 an, indem sie den Dezibelstärken leisere Töne entgegensetzen wollen – in der Unteren Halde 12. Dort befindet sich im Parterre die Theaterwerkstatt «Boschettli» ein Raum mit 30 Sitzplätzen, wo Kleinkunst stattfindet und «sofort Stimmung aufkommt».

Klein, aber fein, lautet das Motto des Boschettli-Teams – und dieses will es auch während der Badenfahrt hochhalten. «Wir alle lieben dieses Fest, das für alle da ist», sagt Maria Magdalena Kaufmann, die Besitzerin der Liegenschaft, «aber», fügt Urs Koller hinzu, «Jüngere und Ältere haben eben unterschiedliche Bedürfnisse. Wir haben in der Vergangenheit immer wieder festgestellt, dass insbesondere auch gedämpftere Töne von vielen Besuchern der Badenfahrt sehr geschätzt werden.» Diese soll man nun in der intimen Altstadt hören können.

Ein Ort für leise Kleinkunst

In Anlehnung an die KulTour Baden, in der sich Kunstschaffende im Halbstundentakt präsentieren, will das Boschettli-Team nun seinen familiären Theaterraum Künstlern oder Gruppen der Region gratis zur Verfügung stellen – und das von Montag bis Donnerstag (eventuell kommt noch der Freitag hinzu) von 18 bis 22.30 Uhr. Zu jeder vollen Stunde wechselt das Programm; nach dem halbstündigen Auftritt eines Künstlers oder einer maximal 10-köpfigen Gruppe gibts 30 Minuten Pause; danach gehts weiter mit leiser Kleinkunst.

Maria Magdalena Kaufmann denkt aber auch an die Jüngsten: An den Mittwoch- und Samstagnachmittagen wird sie um 15 und 16 Uhr Märchen für Kinder erzählen; «bei grosser Nachfrage auch um 17 Uhr.» Anders als gewohnt wird das Boschettli während der Badenfahrt nur in der ersten Reihe einige Stühle anbieten; ansonsten gibt es Stehplätze. «Der Eintritt zu den Veranstaltungen ist frei», betonen Maria Magdalena Kaufmann, Ursula und Urs Koller und erhoffen sich dadurch einen regen Publikumszuspruch.

Hat das Boschettli-Team bestimmte Vorstellungen im Hinblick auf die Programme? «Überhaupt nicht», sagt es unisono, «wir sind offen für alles.» Das heisst: Es darf Neues ausprobiert werden; es können aber auch altbewährte Projekte in neuer Umgebung präsentiert werden.

Ein Honorar für die Darbietungen gibts nicht, dafür «ein kleines Dankeschön». Mehr als einmal können die Künstlerinnen und Künstler nicht auftreten, denn «Abwechslung muss sein», betont das Trio. Könnte es sich auch eine Beteiligung weiterer Interessierter vorstellen? «Natürlich. Denkbar wäre, dass die Künstlerinnen und Künstler in der Altstadt – nach dem Vorbild der KulTour – von Lokal zu Lokal ziehen» und diese damit zu Oasen innerhalb der quirligen Badenfahrt würden, getreu dem eingangs erwähnten, jetzt aber abgewandelten Motto: «O Freunde, diese leisen Töne!»

Anmeldungen bei urs.koller@bluewin.ch und kaufmann@eswareinmal.ch