«Wir sind Ihre Eskorte», melden sich zwei Legionäre bei Stephan Attiger und begleiten den Stadtammann auf dem Kurplatz zum «heissen Stein». Unter diesem sprudelt eine Thermalquelle – auf dem Stein hält der oberste Badener seine Ansprache.

«Hier ist der Ursprung von Baden», begrüsst Attiger Besucherinnen und Besucher. Dieser Ort habe der Stadt ihren Namen gegeben. Zur Zeit der Römer hiess Baden «Aquae Helveticae», also Wasser Helvetiens. «Es ist ein Kraftwerk», sagt der Stadtammann. Die europäischen «Tage des Denkmals» sollen genutzt werden, um zu zeigen, was in den letzten 1000 Jahren hier geschehen ist: «Das Ziel ist die Zeitlesung», sagt Attiger.

Wichtigster Heilkurort der Antike

«Die Römer brachten die Kenntnisse mit, wie man Bäder baut», erläutert Grabungsleiterin Andrea Schär von der Kantonsarchäologie Aargau. Baden sei auf dem Gebiet der heutigen Schweiz der wichtigste Heilkurort der Antike gewesen.

«Glück und Unglück liegen leider nahe beieinander», so Schär. Neben der Dokumentation der Ausgrabungen wird wenig von den Ausgrabungen erhalten bleiben. Aber: «Im Grunde wechselt nur die Kulisse, der Inhalt bleibt gleich.» Vielleicht werde in 2000 Jahren wieder jemand hier stehen und über das Bad sprechen, das nun erbaut werde.

Riesige Häuser, Heizungen

Nach den Ansprachen geht es dann unter der Führung von Regine Stapfer, ebenfalls eine Grabungsleiterin, zur «Baustelle». Die 40 Besucherinnen und Besucher der ersten Führung schlängeln sich langsam durch die engen Wege, die bei der Grabung erstellt worden sind.

Immer wieder bleibt jemand stehen und sieht über die Brüstung, um die jahrhundertealte Baukunst zu bestaunen. «Hier waren riesige Häuser mit grossen geheizten Räumen», sagt Stapfer. Auf einer Plattform über der Grabung erklärt die Archäologin die einzelnen Teile der Anlage und erläutert, wie und warum die Römer damals so gebaut haben.

Kameras werden gezückt

Nach der Besichtigung aus der Vogelperspektive steigt die ganze Gruppe in die eigentliche Grabung hinab. «Wir stehen jetzt auf 2000 Jahre altem römischen Boden», sagt die Grabungsleiterin.

Rings um die Besucher sind die Überreste der uralten Therme. Mauern und Stufen sind noch zu erkennen, die vergangenen Jahrhunderte konnten ihnen wenig anhaben. Viele der Interessierten halten ihre Eindrücke mit der Kamera fest, schliesslich bietet sich nicht jeden Tag die Möglichkeit, eine grosse römische Grabung selbst zu betreten.