Da nimmt das kleine Museum Langmatt eine Pionierrolle ein: Zum ersten Mal wird in Europa der US-amerikanischen Künstlerin Margot Bergman eine Ausstellung gewidmet und dies ausgerechnet im beschaulichen Baden.
Museumsdirektor Markus Stegmann bezeichnet dies als eine «Riesenchance», um das Profil der «Langmatt» zu festigen als Haus für figurative Malerei mit der Sammlung impressionistischer Werke und mit Ausstellungen von zeitgenössischen internationalen Kunstschaffenden, die die Sammlung gewagt und überraschend erweitern. Es würden deshalb seit 2016 stets Werke von starken Persönlichkeiten ausgestellt, die unbeirrbar ihren eigenen Weg gehen, egal was andere sagen.

Künstlerin war selber an der Vernissage


Zu ihnen gesellt sich nun Margot Bergman. Entdeckt hat sie Markus Stegmann eher zufällig an der Kunstmesse Art Basel: An seiner Ansprache an der Vernissage letztes Wochenende erzählte er, wie ihn die Bilder, der ihm bis anhin unbekannten Künstlerin dort gefesselt hatten. «Zwei Stunden nachdem ich die Bilder gesehen hatte, ging ich zurück um nachzusehen, warum sie nicht aus meinem Kopf gingen.»
Der erste Eindruck überstand dann der zweiten, kritischen Prüfung: Weitere Bilder wurden nach Europa geholt, in Kooperation mit der Institution
Urbane Künste Ruhr und dem Museum Folkwang im deutschen Essen, wo die Werke ab Mai gezeigt werden. Dies auch um die Transportkosten aufzuteilen, habe die Langmatt doch derzeit ein begrenztes Budget, das es nicht einmal erlaube, gross Werbung zu machen oder gar Plakate in der Stadt aufhängen zu lassen, wie Markus Stegmann sagte. Dieser gab sich denn auch zutiefst geehrt darüber, dass sich die Künstlerin aus Chicago im Alter von 84 Jahren die lange Reise nach Baden auf sich genommen hat, um ihrer ersten Ausstellung in Europa beizuwohnen. Gemütlich sass sie in einem der Ausstellungsräume und plauderte locker mit den Besucherinnen, die sie ansprachen.


Das Gesicht in der Landschaft


21 Werke der letzten 15 Jahre werden nun in der oberen Etage der Langmatt ausgestellt. Lange hatte Margot Bergman an Flohmärkten Werke unbekannter Künstler gekauft – meistens Bilder von Landschaften, manchmal auch Stillleben – und diese später übermalt mit Gesichtern, die ihr aus den Bildern entsprangen. Man kennt das ja, wenn man etwa Wolken, Berggipfel oder Gegenstände anschaut und dabei Formen oder Gesichter erkennt.
In den Gemälden der Künstlerin werden etwa Verästelungen zu Haaren, Birnen zu Augenhöhlen oder eine Brücke mit mehreren Pflöcken zu einem breiten Grinsen. Manchmal blicken einem Augen aus einem dichten Wald oder einer farbenreichen Abenddämmerung entgegen. Manchmal füllt eine Landschaft ein Gesicht, oder ein Mund umrandet diese, als würde sie mit einem Bissen aufgegessen. Das Gesicht in der Landschaft oder die Landschaft im Gesicht; in einem Bild sind gar mehrere Gesichter in einem Gesicht zu sehen. Diese sind meisten grob gemalt, nur hie und da mit einem sehr detaillierten Auge oder einem Teil der Haare – eine Zwiespältigkeit, die von Margot Bergman klar gewollt ist. Es entstehen Gesichtsausdrücke mit einer oft gedrückten, leicht wahnsinnigen aber gleichzeitig humorvollen Stimmung. Wahn und Humor – die eh relativ nahen Verwandten – finden sich immer wieder in ihren Werken, etwa bei den ungleichen Gesichtern von «Claire» und «Monica», die kaum aus Zufall in der Langmatt im selben Raum einander gegenüber aufgehängt wurden.

"Was, wenn man sie früher entdeckt hätte?"


Margot Bergman lässt ihre Bilder sprechen und diese drücken Ruhe, Gelassenheit und zugleich Zerbrechlichkeit aus. In letzten Jahren verzichtete sie auf Übermalung von Gemälden anderer, malte aber weiterhin Gesichter und neu niedlich-kindliche, zugleich aber psychotisch-angsteinflössende Hasen. «Je länger man die Bilder anschaut, desto tiefer kommt man in die spannenden, inneren Landschaften der Künstlerin hinein», sagt Museumsdirektor Stegmann. Die Ausstellung in der Langmatt läuft bis zum 28. April. Am 22. März findet unter dem Titel «Lange Jahre bis zum Licht» ein Gespräch über die späte Würdigung gewisser Kunstschaffenden statt. Kunst macht Bergman seit den 50er-Jahren. «Was wäre nicht alles möglich gewesen, hätte man sie früher entdeckt», so Stegmann.