Ennetbaden

Eine temperamentvolle Malerin schwankt zwischen Lachen, Weinen und Zorn

Senka Wassmer-Bajlo ist nicht nur Malerin, sondern auch Buchautorin.

Senka Wassmer-Bajlo ist nicht nur Malerin, sondern auch Buchautorin.

Senka Wassmer-Bajlo war einst Lehrerin in Kroatien, dann Serviceangestellte in Interlaken und später Bioenergie-Therapeutin. Als Künstlerin stellt sie jetzt ihre Werke im Gemeindehaus Ennetbaden aus.

Ihr Haus hat Senka Wassmer-Bajlo selber entworfen. Es ist umgeben von einem wilden Garten. Hier stehen ein Apfel- und ein Kirschbaum, es wachsen Erdbeeren, Himbeeren und zahlreiche Kräuter, die sie unter anderem für Teemischungen trocknet.

Sie serviert lauwarmen Apfel-Tee mit Minze, auf einem kleinen Tisch stehen Gläser mit einer roten Flüssigkeit: «Darin habe ich Johanniskraut-Öl angesetzt.» An den Wänden hängt ein Bild neben dem Anderen. «Ich habe schon als Kind ständig gezeichnet und später an der Akademie in Zadar auch Malen gelernt.»

Bunt sind ihre Bilder, einige konkret, die meisten abstrakt. Senka Wassmer-Bajolo arbeitet meist mit Gouache. Lachend präsentiert sie eine Collage, für die sie Verpackungsmaterial von Migrosprodukten verwendet hat.

Temperamentvolle Künstlerin

Lachen und Weinen sind bei ihr ganz nahe beisammen. Dazwischen glüht immer wieder Zorn auf, wenn die 66-Jährige von politischen Machenschaften in ihrer Heimat Kroatien spricht. In Zadar kam sie zur Welt. Dort arbeitete sie auch nach dem Studium von Logopädie und Sonderpädagogik als Lehrerin.

Als sie sich gegen eine aus Serbien stammende Kollegin stellte, weil diese «Kroatisch-Unterricht» erteilen wollte, geriet Senka Bajlo in die Mühlen der Politik. «Ich musste jede Woche beim Vorsitzenden der kommunistischen Partei zu einem Rapport antreten.»

Nachdem ein ehemaliger Schulkollege ihr eine Saisonstelle in der Schweiz samt den erforderlichen Papieren vermittelt hatte, arbeitete sie im Service eines Hotel in Interlaken. «Nach Feierabend ging ich jeweils in eine Disco. Dort lernte ich Franz Wassmer kennen.»

Der Industrielle aus Ennetbaden und sie heirateten Mitte der 70er-Jahre und wurden Eltern zweier Töchter und eines Sohns. Aber die Ehe hielt nicht lange, dennoch blieb Senka Wassmer-Bajlo Ennetbaden treu.

Bioenergie-Therapeutin

Lachend berichtet sie, dass sie im Garten einer ihrer Töchter gerade einen Barfussweg einrichte, und dass sie drei Enkel habe. Auf dem Sofa liegen bunte Kissen: «Ich nähe sehr viel – Bettwäsche, Kissenbezüge, Tischtücher.» Früher habe sie auch Marionetten und Kasperlifiguren geschaffen, viel mit der Laubsäge gearbeitet und ganze Puppenstuben gemacht. «Den hab’ ich übrigens auch selbst gewoben.» Sie zeigt auf einen blau-weiss karierten Teppich.

Unvermittelt kommt sie, auf Vukovar zu sprechen. Die Stadt war im Kroatienkrieg weitgehend zerstört worden. Schluchzend berichtet sie von Armut und Leid, die in ihrer Heimat noch immer herrschen, um sogleich wütend über den Politsumpf herzuziehen.

Senka Wassmer-Bajlo ist ein Energie- und Temperamentbündel. «Was auch immer ich tue – kochen, im Garten arbeiten, malen – ich schaue, dass ich es gut mache. Ich will immer zufrieden sein mit meiner Arbeit.» Spürbar viel Engagement, ja Leidenschaft, steckt besonders auch in ihrer therapeutischen Tätigkeit.

In Zürich hat sie sich in Bioenergie ausbilden lassen. Über ihre Heilungserfolge – selbst bei Krebspatienten – hat sie ein Buch geschrieben, das aber nur auf Kroatisch vorliegt.

Nein, Heimweh habe sie keines mehr. Sie sei glücklich hier in der Schweiz; den kroatischen Pass hat sie abgegeben. Stolz ist Senka Wassmer-Bajlo, denn sie hat als Malerin Eingang gefunden hat in das «Biografische Lexikon der Schweizer Kunst».

Und sie freut sich auf die Ausstellung im Ennetbadener Gemeindehaus und lädt die Bevölkerung herzlich zur Vernissage am Mittwoch von 18.30 bis 20.30 Uhr ein. «Ich möchte mich bedanken für all die liebenswerten Begegnungen, die ich immer wieder habe.»

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