Baden/Oberrohrdorf
«Eine Vermisstmeldung auf Facebook kann fast nicht gestoppt werden»

Im Dezember wurde ein Mädchen aus Oberrohrdorf kurzzeitig vermisst. Die Anzeige gelangte auf Facebook. Die Konsequenz: In Baden wurden selbstständig Handzettel aufgehängt, obwohl das Mädchen längst wieder zu Hause ist.

Dieter Minder
Merken
Drucken
Teilen
Diese veraltete Vermisstenanzeige geistert noch immer auf Facebook herum.

Diese veraltete Vermisstenanzeige geistert noch immer auf Facebook herum.

Quelle: Facebook

Flugblätter mit dem Schlagwort „Vermisst" und dem Bild eines zwölfjährigen Mädchens hängen in der Region Baden an Kandelabern und an Bushaltestellen. Die Folge: Immer wieder treffen bei der Polizei Meldungen von aufmerksamen Passanten sein, die das Mädchen gesehen haben.

Doch das Mädchen ist längst wieder zuhause. Vermisst wurde es lediglich am 26. Januar. Wie Max Suter, Mediensprecher der Kantonspolizei Aargau (Kapo) gegenüber dem Regionaljournal Aargau-Solothurn sagte, wurde das Mädchen bereits am selben Tag wieder gefunden.

Die jetzt auftauchenden Falschmeldungen basieren auf einem Aufruf auf Facebook. Die Kapo rät deshalb allen Personen, mit ihr und den Angehörigen Kontakt aufzunehmen, bevor sie selbstständig Suchaktionen starten. „Ist eine Vermisstmeldung einmal im Facebook, kann sie nicht mehr gestoppt werden", ergänzt Bernhard Graser, Mediensprecher der Kantonspolizei.

Ärgernis für Polizei

Die schnelle Kommunikation und Social Media wie Facebook entwickeln sich für die Kapo zunehmend zu Problemen. Immer öfter meldeten sich Personen bei der Kapo, die von einem Angehörigen oder eine befreundeten Person ein SMS erhalten haben, das auf eine Suiziddrohung schliessen lasse, teilt Graser mit. „In diesem Falle nehmen wir sofort mit dem Umfeld der Person Kontakt auf und versuchen wenn nötig das Handy zu orten."

Letzteres sei sehr aufwändig. „Bei der Kantonspolizei haben wir eine Fachstelle, die für solche sogenannten technischen Notsuchemassnahmen zuständig ist. Um sie durchführen zu können, ist die Einwilligung des Zwangsmassnahmengerichts notwendig. Der Dienst für Überwachung des Post- und Fernmeldeverkehrs (BÜPF) des Bundes veranlasst dann bei den jeweiligen Providern die technischen Massnahmen."

Über die Mobilfunkantennen kann das Handy ungefähr lokalisiert werden. „In diesem Umkreis wird dann die Suche intensiviert." Dazu zieht die Polizei soviel Leute wie möglich, Suchhunde und manchmal mit Helikopter mit Nachtsichtgeräten bei.

Oft tauche die gesuchte Person vorher wieder auf, ohne dass es zu einem gravierenden Fall gekommen sei ergänzt Graser. „Die Kosten für solche technischen Notsuchemassnahmen sind erheblich." Festgelegt sind sie in der „Verordnung über die Gebühren und Entschädigungen für die Überwachung des Post- und Fernmeldeverkehrs" (GebV-ÜPF) des Bundes. In der Regel werden sie nicht auf den Verursacher abgewälzt.

Polizei nutzt Facebook noch nicht

„Bei der Öffentlichkeitsfahndung veröffentlichen wir eine Medienmitteilung und publizieren die Vermisstmeldung auch auf unserer Homepage", erklärt Graser das übliche Verfahren. „Gleichzeitig schalten wir bei den angeschlossenen Verkehrsbetrieben eine Fahndungsmeldung." Diese wird während eines definierten Zeitraums auf den Informationsbildschirmen in den Bussen angezeigt.

Die Social Media, namentlich Kapo-App und Facebook, sind bei der Kantonspolizei Aargau ein Thema. „Diese Kanäle sind allerdings noch nicht aktiv, weshalb wir heute nicht davon Gebrauch machen", sagt Graser.