Wettingen
Eine Wrestling-Legende kämpft im Tägi Wettingen

Der amerikanische Wrestler Tatanka will am «War Showdown II» in Wettingen den Schweizern Wrestling schmackhaft machen. Hört man Wrestling, so drängt sich stets eine Frage auf: Ist das alles nur Show? Der Wrestling-Star gibt die Antwort im Training.

Pirmin Kramer
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Zu seinen fittesten Zeiten wog Tatanka 0,117 Tonnen, inzwischen sind viele Kilos dazugekommen. Sonst sieht der Kämpfer noch immer aus wie in den 90er-Jahren, als er sich in die Ruhmeshalle des Wrestlings prügelte. Seine Haare trägt der 40-Jährige vorne kurz und hinten lang, seine Waden sind so breit wie ein Handball, sein Nacken fast so kräftig wie der eines Ochsen.

Und wenn der «Indianer im Ring» seine Stimme beben lässt, erstarren viele in Ehrfurcht. So auch die Schweizer Nachwuchswrestler in Rorbas ZH, die er zwei Tage vor seinem Kampf im Tägerhard in Wettingen trainiert.

«Geld, Geld Geld»

Beim Wrestling sei alles nur Show, glauben viele Zuschauer, jeder Schlag geplant, jeder Schrei einstudiert. «Dieses Klischee stimmt», sagt Tatanka, jetzt ganz freundlich. «Aber es trifft nur auf schlechte Kämpfer zu.» Mutige Wrestler würden vor dem Kampf bloss abmachen, wer den guten und wer den bösen Charakter spielt. «Dann improvisieren wir, lassen uns vom Publikum inspirieren. Und machen damit Geld, Geld, Geld.»

Kein einziges Mal sagt Tatanka «Sport». «Geld» und «Industrie», darum geht es in diesem Business. «Wer in dieser Industrie Geld machen will, braucht Ausstrahlung und Körpersprache», trichtert der Hüne den Kämpfern ein, fast alle einen Kopf kleiner und eine Schulter schmaler. Einer von ihnen heisst Thomas Heri, im Ring nennt er sich Marshal T. Der Schweizer kämpfte in einer US-Liga. So knüpfte er Kontakte, dank denen er jetzt den War Showdown II in Wettingen auf die Beine stellen kann.

Schweizer Trainer im Schwitzkasten

Heri begann mit Wrestling im Alter von 28. «Die Atmosphäre kennt man hier in der Schweiz nicht», sagt er. «Man arbeitet mit dem Publikum zusammen, bezieht es in die Show mit ein.» Kämpfe schmerzten manchmal ziemlich, sagt er. «Wenn man von den Seilen abspringt und auf den Boden prallt, fühlt sich das nicht angenehm an. Man braucht eine ausgefeilte Technik für einen attraktiven Kampf.»

Das beweist Tatanka während des Trainings. Wuchtig prallt er in die Seile, ohne das Gleichgewicht zu verlieren, kräftig nimmt er den Schweizer Trainer in den Schwitzkasten, ohne dass dieser sich bewegen kann. Wer dem wilden Kämpfer Tatanka zusieht, mag kaum glauben, dass er am Samstag der liebe und nicht der böse Kämpfer sein wird.

War Showdown II, Samstag, 3. März, Tägerhard Wettingen, 19.30 Uhr