Bezirk Baden
Einführung von Tempo 30 ist in vielen Gemeinden ein Thema

In Mägenwil wurde eine Einführung abgelehnt, in Untersiggenthal ist das Vorhaben derzeit blockiert. Nun befindet Künten über Tempo 30. Der Gemeindeammann erklärt, weshalb die Chancen für ein Ja gut stehen

Carla Stampfli
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Stimmen die Einwohner von Künten für Tempo 30?

Stimmen die Einwohner von Künten für Tempo 30?

Keystone/ENNIO LEANZA

Neben der Rechnung 2017 gibt es wohl kaum ein Thema, das die Sommer-Gemeinversammlungen im Bezirk Baden derzeit so verbindet wie Tempo 30: Anfang Juni lehnten die Mägenwiler Stimmberechtigten eine Bürgerinitiative zur Einführung einer Tempo-30-Zone südlich der Hauptstrasse ab.

In Spreitenbach befindet die Gmeind am Dienstag über die Aufhebung des Verpflichtungskredits von 78'000 Franken. Diesen hatte sie im Jahr 2014 für die Erweiterung von Tempo-30-Gebieten gesprochen. Eine Aufhebung wird beantragt, weil eine Erweiterung nur mit einem fünfstelligen Zusatzkredit realisierbar wäre. «Mangels einer breiten Unterstützung durch die politischen Parteien und die Initianten der Erweiterung der Tempo-30-Zonen sowie mangels der finanziellen Mittel ist das Projekt nicht weiterzuverfolgen», schreibt der Gemeinderat unter anderem in seinem Fazit.

Künten: Petition wurde ausgeweitet

Nun wird das Thema Tempo 30 auch in Künten aktuell: Am 29. Juni wird der Gmeind ein Verpflichtungskredit in Höhe von 125'000 Franken vorgelegt. Damit soll Tempo 30 auf dem gesamten Gemeindegebiet, mit Ausnahme der Kantonsstrasse, eingeführt werden. «Eine Geschwindigkeit von 30 km/h erhöht die Verkehrssicherheit, da sie die vorhandenen Streckenbedingungen, anliegende Nebenstrassen und andere Verkehrsteilnehmer mehr berücksichtigt», heisst es unter anderem in den Erläuterungen. Der Antrag des Gemeinderats basiert auf einer Petition, die vor längerer Zeit von Anwohnern der Bellikonerstrasse lanciert wurde. «Das Begehren verlangte jedoch nur die Einführung von Tempo 30 auf der besagten Ortsverbindungsstrasse», sagt Gemeindeammann Werner Fischer.

Aus verschiedenen Gründen habe man sich entschieden, die Einführung auf die Quartierstrassen des ganzen Gemeindegebiets auszuweiten. Unter anderem darum, weil es wenig Sinn machen würde, Tempo 30 einseitig auf einer Ortsverbindungsstrasse ohne Einbindung der Quartierstrassen zu realisieren. «Als wir das Vorhaben an einer Infoveranstaltung der Bevölkerung vorgestellt haben, waren die Rückmeldungen sehr positiv, die Zustimmung hoch», sagt Fischer. Im Anschluss wurde die Verkehrssituation in der Gemeinde analysiert und ein Verkehrgutachten erstellt. Letzteres wurde vom Kanton gutgeheissen und liegt seit Freitag auf der Gemeinde öffentlich auf.

«Wir sind überzeugt, dass die Einführung von Tempo 30 bei der Bevölkerung Gehör findet», sagt Fischer und fügt an: «Im Ortsteil Sulz, wo Tempo 30 seit einigen Jahren eingeführt wurde, hat sich die Temporeduktion bewährt.» Zudem würden sich die baulichen Massnahmen in überschaubarem Rahmen bewegen, was die Kosten tief halte, sagt Fischer. Überschaubar deshalb, weil die Quartierstrassen unübersichtlich sind und Verkehrsteilnehmende in der Regel kaum die erlaubte Geschwindigkeit von 50 km/h erreichen.

An Hot-Spots wie etwa der Bellikonerstrasse, auf der die aktuelle Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h gefahren werden könne, würden hingegen wenige bauliche Massnahmen nötig sein, sagt Fischer. «Mit einer Geschwindigkeitsreduktion wird nicht nur die Sicherheit auf Quartierstrassen erhöht, sondern auch die Wohnqualität verbessert.» Fischer würde eine Temporeduktion begrüssen. «Aber letztlich müssen die Stimmberechtigten entscheiden, ob sie Tempo 30 möchten.» Genehmigt die Gmeind den Verpflichtungskredit, wird der Gemeinderat die Umsetzung in die Wege leiten.

Untersiggenthal: Grosser Widerstand

Auch in Untersiggenthal ist die flächendeckende Einführung von Tempo 30 geplant. Die Gemeinde steht kurz vor der Realisierung: Bis Mitte Mai lagen die verkehrstechnischen Massnahmen öffentlich auf. Wie Frau Gemeindeammann Marlène Koller (SVP) sagt, seien aber einzelne Einwendungen aus verschiedenen Quartieren eingegangen und eine umfangreiche Einwendung der IG «Tempo 30 Nein». Letztere sammelte letzten Frühling knapp 1200 Unterschriften gegen eine Einführung.

Trotz Widerstand und mehrmaligem Austausch beschloss der Gemeinderat an seiner Sitzung Anfang Februar Tempo 30 im bewohnten und überbauten Gebiet von Untersiggenthal. «Die Einwendungen werden wir nun mit dem Ingenieurbüro, welches das Tempo-30-Konzept erarbeitet hat, bearbeiten», sagt Koller und fügt an: «Nach den Sommerferien werden wir das weitere Vorgehen bestimmen.» Dabei werde sich zeigen, ob und wann Tempo 30 in Untersiggenthal eingeführt wird.