Trockenheit
Einige Gemeinden müssen wegen Trockenheit Trinkwasser einkaufen

Seit einigen Tagen regnet es, zwar nicht stark, aber fast ununterbrochen. Aber nur, wenn die nasse Phase noch 4 bis 6 Monate anhält, werden sich die Grundwasserströme erholen. Einige Gemeinden müssen bereits Trinkwasser einkaufen

Dieter Minder
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Trockenheit im Aargau: Immer weniger Wasser in den Flüssen
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Melligen
Rhein bei Bad Zurzach
Limmat
Wasserschloss bei Brugg mit historischer Wasserstandsanzeigen
Reuss bei Melligen
Reuss bei Melligen
Bei Brugg

Trockenheit im Aargau: Immer weniger Wasser in den Flüssen

Emanuel Freudiger

Damit die Quellen nicht noch stärker versiegen, muss es noch mindestens 2 bis 3 Wochen Regen. Die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung wird immer aufwändiger. Weil es mehrere Monate nicht mehr geregnet hatte, sind die Quellen am Versiegen und die Grundwasserströme stark gesunken. Die Gemeinde Würenlos musste die Schöpfleistung des Pumpwerks Bettlen auf die Hälfte reduzieren (az vom 28. November). Zum Ausgleich bezieht sie Trinkwasser aus Wettingen. Deren Pumpwerke liegen tiefer im Grundwasserstrom.

Die Statistik des Elektrizitäts- und Wasserwerks (EWW) zeigt, wie der Grundwasserspiegel seit September 2010 gesunken ist. Wettingen bezieht Grundwasser über die beiden Pumpwerke Bettlen im Zentrum sowie Tägerhard beim Sportzentrum. Aus demselben Grundwasserstrom bezieht die Stadt Baden Trinkwasser über das Pumpwerk Aue.

Noch 2 Meter Reserve

Im langjährigen Durchschnitt liegt der Grundwasserspiegel bei Niederrohrdorf auf 388 Meter über Meer (m.ü.M), zurzeit aber nur bei 387,26 m.ü.M. «Damit haben wir noch zirka 2 Meter Reserve», sagt Thomas Meier, Brunnenmeister von Niederohrdorf. Nimmt das Grundwasser weiter ab, werde es zur automatischen Abschaltung kommen.

Noch schlimmer sieht es bei den Quellen aus. «Normalerweise bringen sie uns 72 Liter pro Minute (l/min), momentan sind es noch 16 l/min», sagt Thomas Meier. Weil die Grundwasserversorgung von Niederrohrdorf aber über 3 Pumpen verfügt, spielt das Quellwasser nur eine untergeordnete Rolle.

Immer weniger Quellwasser

Die höher am Rohrdorferberg liegenden Gemeinden spüren die Trockenheit seit Längerem. Ihre Trinkwasserversorgung basiert weitgehend auf Quellen. Weil diese zu versiegen drohen, müssen sie Wasser einkaufen. «Wir importieren momentan rund 80 Prozent unseres Trinkwasser von Spreitenbach», sagt Martin Locher, Brunnenmeister von Oberrohrdorf. Die Verbindungsleitung über den Heitersberg hatten die Gemeinden im Jahre 2003 gebaut.

Die Quellen der Wasserversorgung liefern nur noch rund 280 Kubikmeter Wasser pro Tag (m3/d). «Das ist der absolute Tiefstpunkt, seit wir vor zirka 20 Jahren begonnen haben, die Quellenerträge zu messen», sagt Locher. Im Durchschnitt bringen die Quellen 650 m3/d, zu Spitzenzeiten, also, nachdem es länger stark geregnet hat, sind es bis zu 1000 m3/d. «Ist dies der Fall, können wir Wasser nach Niederrohrdorf liefern und damit kann der Grundwasserstrom geschont werden.» In Oberrohrdorf werden rund 700 m3/d pro Tag konsumiert.

1,6 Millionen für die Versorgungssicherheit

In den letzten Tagen sind am Rohrdorferberg rund 50 Millimeter (mm) Regen gefallen. Wenn der Regen anhält, erwartet Locher in den nächsten 2 bis 3 Wochen beim Quelleertrag eine Tendenzwelle. Um den Mangel der letzten Zeit auszugleichen, brauche es aber mindestens 200 mm. «Weil die Bäume momentan kleine Blätter haben, kann das Wasser direkt in den Oberboden eindringen, das ist ein Vorteil für die Wasserversorgung», sagt Locher.

An einem weiteren Wasserverbund, der die Versorgung der Bevölkerung sichern soll, hat sich Bellikon angeschlossen. Heute Freitag wird die Verbindungsleitung zum Regionalen Wasserverband Mutschellen eingeweiht. 1,6 Millionen Franken lassen sich die Einwohner von Bellikon diese Versorgungssicherheit kosten.

Importwasser kostet mehr

Die anhaltende Trockenperiode wird ihre Spuren in den Wasserrechnungen der Gemeinden hinterlassen. Es ist wesentlich teurer, Wasser einzukaufen, als es aus den eigenen Pumpwerken und Quellen zu gewinnen. Die Preisdifferenz dürfte bis zu einem Drittel betragen. Falls der Mehraufwand nicht anders ausgeglichen werden kann, werden die Gemeinden gezwungen sein, den Wasserpreis anzuheben.

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