Ran an den Winterspeck (2)

Einmal Auspowern, bitte!

Der Crossfit-Parcours findet rings um das multifunktionale Gerät: Instruktor Kaj Schädeli demonstriert den «Rope Wave», eine von unzähligen Übungen. Elia Diehl

Der Crossfit-Parcours findet rings um das multifunktionale Gerät: Instruktor Kaj Schädeli demonstriert den «Rope Wave», eine von unzähligen Übungen. Elia Diehl

Im zweiten Teil der Badener Serie «Ran an den Winterspeck» haben wir ein Circle-Work-out im «Fitness Phoenix» in Dättwil besucht – ein knallhartes, aber überaus kurzweiliges Training, wofür man aber ein Selbstquäler sein muss.

Seit über 18 Jahren gibt es das Fitnesscenter Phoenix in Dättwil. Im Gewerbegebiet «Täfern» hatte es ausreichend Platz, um zu wachsen. Neben dem Hauptraum mit Kraft- und Ausdauergeräten verfügt es heute über einen separaten Freihantelraum für alle über 18 Jahre, drei grosse Groupfitness-Räume und einen Spinning-Raum.

Das Center beeindruckt auf über 1500 Quadratmetern mit einem vielseitigen und modernen Sportangebot. Eines ist Anfang 2015 frisch dazugekommen: der «Crossfit-Circle». Damit gehört das «Phoenix» bei den klassischen Fitnesscentern zu den Pionieren.

«Der Circle ist ein sehr funktionelles Training für den ganzen Körper», erklärt Instruktor Kaj Schädeli. «Es beinhaltet alltägliche Bewegungen wie Ziehen, Stossen, Heben oder Springen.» Entwickelt wurde das Training mit kompetitiven Elementen bereits in den 1980er-Jahren in den USA. Nach dem grossen Fitnesscenter-Boom der letzten 20 Jahre breitet es sich auch hierzulande als Gegenbewegung aus – vorwiegend mit rustikalem Hinterhof-Charakter. Im «Phoenix» hat man nun eine multifunktionale Station eingerichtet und bietet abends und auch zweimal über den Mittag halbstündige Circuit-Kurse an.

Kurz aber intensiv

Solch einen Mittagskurs besuche ich – wohlwissend, dass ich es am Nachmittag in der Redaktion bereuen werde. Denn das Work-out gehört zum Effektivsten, das es im Fitnesssport gibt. «Der Circle eignet sich für alle. Man trainiert mit sehr hoher Intensität neben Ausdauer, Kraft und Schnelligkeit auch Beweglichkeit, Balance und Koordination», sagt Kaj Schädeli, während er das Programm mit acht Übungen bzw. Posten vorstellt. «Für stark übergewichtige Menschen ist es aber nicht geeignet.»

Ich trainiere im Rundparcours und mache zwei Durchläufe. Der erste dient auch als Aufwärmprogramm: Die Übungen haben einen tieferen Schwierigkeitsgrad und müssen jeweils 30 Sekunden gemacht werden – dennoch gehe ich ans Limit, wie vom Instruktor gefordert. «Jumping Dips» (eingesprungene Barrenstütze), «Step ups» (Treppensteigen), «Kettlebell-Squats» (Kniebeugen mit Gewicht) oder die «Rope Wave», bei der ich zwei dicke Seileenden greife und mit trommelartigen Bewegungen Wellen ins Seil gebe. Bereits tropft mir der Schweiss von der Stirn. Die Rücken- und Rumpfmuskulatur trainiere ich wiederum nur mit dem Körpergewicht: Die Hände in zwei Schlingen lasse ich mich schräg nach hinten fallen und rudere – je flacher ich also «liege», desto strenger die Übung.

Nach dem ersten Durchgang kennt der Instruktor keine Gnade: «Zweite Runde, diesmal jeweils 45 Sekunden.» Auch werden die Übungen schwieriger: die «Dips» ohne Abstehen, die «Step ups» nur noch einbeinig mit Medizinball in den gestreckten Armen. Die 15 Sekunden zwischen den Übungen reichen nicht mehr, um durchzuatmen. Meine Muskeln übersäuern, ich spüre jede einzelne Faser, die 45 Sekunden werden immer länger. Aber ich beisse mich durch, quäle mich selbst. «Let’s go, die Hälfte hast du bereits», spornt mich Kaj Schädeli an, nur um zum Schluss noch mit einem 10-minütigen Cardio-Training aufzuwarten. Froschhüpfen, Bärentanz, Salamanderkrabbeln und Skipping. Beim abschliessenden «Plank» (Ellenbogenstütz) kapituliere ich nach 40 Sekunden – zitternd und klitschnass.

Nach der halbstündigen Selbstquälerei nehme ich jedoch weder Frust oder Ärger mit unter die Dusche, sondern eine lebendige Frische und körperdurchdringende Zufriedenheit. Nie habe ich zuvor in einer kurzen Mittagspause so kurzweilig, ganzheitlich und effizient trainiert.

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