Baden
Einsprachen zum «Cachet»-Haus: Neubau mit Bushaltestelle ist blockiert

Der Neubau des «Cachet»-Hauses hat sich wegen mehreren Einwendungen verzögert. Das kann sich auf den Fahrplan des Verkehrsprojektes Schulhausplatz auswirken, denn im Erdgeschoss ist die neue Busstation geplant.

Sabina Galbiati
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Das Baugespann am «Cachet-Haus» verrät: Da kommt noch was.

Das Baugespann am «Cachet-Haus» verrät: Da kommt noch was.

Sabina Galbiati

Das «Cachet-Haus» an der Bahnhofstrasse sollte bereits ein Schutthaufen sein. Der Abbruchstart war auf Mai geplant. Doch das Haus am Schlossberg steht immer noch unberührt auf der «Blinddarm»-Unterführung.

Das Haus soll durch ein Wohn- und Geschäftshaus mit Busstation im Erdgeschoss ersetzt werden. Denn die Busachse zwischen Bahnhof und Schulhausplatz sollte künftig durch die Tunnelgarage führen und Schlossbergplatz wie auch Weite Gasse vom Busverkehr befreien. «Sollte», denn während der Einsprachefrist hatte es zahlreiche Einwendungen von insgesamt fünf Einsprechern gegeben. Der Stadtrat hat nun in seinem Entscheid, der dem «Badener Tagblatt» vorliegt, fast alle abgewiesen.

«Wir werden in den nächsten Tagen Bescheid vom Kanton betreffend die Beschwerden bekommen», sagt Kurt Baumann, Vertreter der «Miteigentümerschaft des Wohn- und Geschäftshauses Schlossberg». Der stadträtliche Entscheid ist noch nicht rechtskräftig. Theoretisch könnten die Beschwerden an das kantonale Verwaltungsgericht weitergezogen werden. Bei dieser exponierten Lage habe man mit Einsprachen rechnen müssen, sagt Baumann. «Es wird eine zweijährige, relativ grosse Baustelle mit den drei Beteiligten Stadt, Kanton und der Miteigentümergemeinschaft.»

Einer der Einwender ist Bernd Reichert. Stellvertretend für die Hauseigentümer am Hahnrainweg auf der gegenüberliegenden Seite der Bruggerstrasse führt er mehrere Einsprachepunkte ins Feld. Selber besitzt er fünf Häuser im sogenannten «Kriesi-Areal». «Das neue Haus wird höher gebaut. Dadurch wird die Besonnung unserer Liegenschaften beeinträchtigt, und das Areal ist von der Sonne ohnehin nicht verwöhnt», sagt Reichert. «Heute sehen die Bewohner bis zum Schartenfels in Wettingen.»

Mit dem Neubau gehe diese Aussicht verloren und es werde auch weniger Licht ins «Kriesi-Areal» fallen. Weiter kritisiert er, dass durch den höheren Neubau eine «Wand» entstehe, die den Schall von der Bruggerstrasse direkt ins Areal auf der gegenüberliegenden Strassenseite reflektieren werde. «Die Belastung durch noch mehr Lärm und der Verlust der Aussicht wird die Lebensqualität im Quartier beeinträchtigen, dabei hatten wir sie erst durch Renovationen aufgewertet», sagt Reichert. Er bemängelt auch, dass die Wohnungen im dritten und vierten Stock des Neubaus, nicht den Bestimmungen des Lärmschutzgesetzes entsprechen würden.

Berechtigung infrage gestellt

Die Bauherrschaft bestreitet, dass Reichert einspracheberechtigt ist. In seinem Entscheid schreibt der Stadtrat allerdings: «Im Zweifel ist einem Einwender die Legitimation eher zu- als abzusprechen.» Diese Frage könne letztlich aber offenbleiben, heisst es weiter, da Reicherts Einwendepunkte abgewiesen werden müssten. Der Stadtrat argumentiert, dass bezüglich der Höhe der Gestaltungsplan und die Sondernutzungsvorschriften eingehalten würden. Was den reflektierten Lärm betrifft, so stamme der «mutmasslich von der Aufstockung reflektierte (Mehr)-Lärm» nicht vom Gebäude, sondern von der kantonalen Bruggerstrasse und vom SBB-Trassee.

Stadtrat und Bauvorsteher Markus Schneider, kann die Anliegen der Einwender nachvollziehen, «aber letztlich hat ein neues Gebäude immer Konsequenzen». Brisant: Der Neubau ist ein Teil des kantonalen Projekts Baden-Zentrum. Die Stadt ist mit der geplanten Bushaltestelle im Erdgeschoss des «Cachet-Hauses» beteiligt. Schneider: «Die Stadt hat zwar ein öffentliches Interesse am Bau des Gebäudes, das hat sie aber bei jedem Neubau. Letztlich muss der Entscheid des Stadtrates rechtlich wasserdicht sein.»

Weil der Entscheid des Stadtrats für Reichert negativ ausfällt, wird er die verschiedenen rechtlichen Möglichkeiten prüfen. Er versteht zwar das öffentliche Interesse an der Bushaltestelle. «Es gibt aber kein öffentliches Interesse an einem zusätzlichen Stockwerk mit Wohnungen an einem solch lärmigen Standort» Die Stadt hätte das Ganze vernetzt über die Bruggerstrasse hinaus betrachten müssen, sagt Reichert. «Aber jetzt haben wir bei der ganzen Bauerei nur Nachteile.»

Gewerbe befürchten Verluste

Die Inhaber der Crêperie Petit Blue, Werner Eglin und Stefan Wetzel, hatten Einsprache gegen das Bauvorhaben und das Provisorium direkt vor der «Blinddarm»-Unterführung gemacht. «Wir müssen während den zwei Baujahren unseren Aussenraum belebt halten», sagt Eglin. Denn das Bistro habe innen nur wenige Plätze. «Uns ging es um die Bauplatzinstallationen», sagt Eglin.

«Wir wollten vermeiden, dass unsere Crêperie als Installationsplatz genutzt wird.» Die Stadt habe die Einsprache zwar abgelehnt, aber man sei im Gespräch, um eine Lösung für das Bistro gegenüber dem Manor zu finden, erklärt Eglin. Was das Provisorium betrifft, so habe man der Stadt Lösungsvorschläge unterbreitet, «aber bisher haben wir noch keine Rückmeldung erhalten». Eglin ist zuversichtlich, dass es eine einvernehmliche Lösung geben werde und fügt hinzu: «Das Projekt ist für die Stadt wichtig, daher wollen wir auch Hand bieten für eine gute Lösung.»