Baden
«Einwände der Velofahrer wurden beim Schulhaus-Projekt nicht erhört»

Bei der Neugestaltung Schulhausplatz seien Velofahrer zu kurz gekommen: Die IG Pro Velo Region Baden kritisiert Mängel und Nachteile für Velofahrer.

Roman Huber
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So stellt sich Gabriel Kaspar den Veloviadukt aus Bruggerstrasse vor, der dann ums Bezirksgebäude führt. zvg

So stellt sich Gabriel Kaspar den Veloviadukt aus Bruggerstrasse vor, der dann ums Bezirksgebäude führt. zvg

Die Velofahrer sehen sich als die Verlierer des Schulhausplatz-Projektes. Hubert Kirrmann, Präsident der IG Pro Velo Region Baden, macht daraus keinen Hehl. Er sieht die Hauptproblematik bei den Linksabbiegern. Velofahrer, die sich beim Rotlicht nicht vor den Autos einreihen können («Velosack»), beim Linksabbiegen bis zu zwei Spuren überqueren. Die Velosäcke, die bei einigen Linksabbiegern den Fahrspuren am Rotlicht nun vorgelagert würden, dürfen laut Kirrmann nicht darüber hinwegtäuschen, dass es für den Velofahrer einige Verschlechterungen gibt.

Daniel Lötscher, Projektleiter seitens der Stadt Baden, gesteht das Problem der Linksabbieger. Er relativiert allerdings: «Mit den Velosäcken versuchen wir, dieses Problem zu lösen.» Bei der Linksabbiegespur von der Bruggerstrasse Richtung Hochbrücke gebe es zudem einen Radstreifen. Lötscher sieht dort die veränderte Situation für den Velofahrer: «Mit dem Wegfall des Velotunnels verliert er zweifellos einen hohen Komfort», sagt Lötscher. Er weist aber darauf hin, dass sich mit der neuen Langsamverkehrsebene (unterirdische Passage) auch für den Velofahrer die Sicherheit für alle Verkehrsbeziehungen wesentlich erhöhen werde.

Ersatz des Velotunnels fehlt

Kirrmanns Vorwürfe gehen weniger an die Adresse der Stadt, vielmehr an diejenige des Kantons. «Die Stadt hat uns unterstützt. Doch der federführende Kanton hatte kein Gehör für unsere Einwände.» Man habe detaillierte Vorschläge mit Zeichnungen abgeliefert, doch der Kanton habe sich von den «Amateuren» offenbar nichts sagen lassen. Vizeammann Markus Schneider, der für das Projekt seitens des Stadtrats zuständig ist, lässt durchblicken, dass man mit dem Kanton gerade beim Veloverkehr um bessere Lösungen gerungen habe, die sich dann als nicht realisierbar erwiesen hätten.

Kirrmann führt vor allem den fehlenden Ersatz für den Velotunnel ins Feld. Der Vorschlag des IG-Mitgliedes und Jungfreisinnigen Gabriel Kaspar (siehe Visualisierung) eines Veloviaduktes sei nicht einmal in Betracht gezogen worden. Der Kanton schlage dem Velofahrer als Alternative vor, über den Blinddarm und durch die Weite Gasse zu fahren. «Wenn dort Markt ist, darf der Velofahrer nicht einmal über den Kirchplatz ausweichen», kritisiert Kirrmann. «Es braucht überall durchgehende Velostreifen», so lautet die Lösung der IG Pro Velo.

Durchgehende Radstreifen

Das Zusammenspiel von Fussgängern und Velos unter dem Schulhausplatz sei bis heute noch ungeklärt, weil der Kanton keine unterirdische Velospuren wolle. «Die Fussgänger müssen in der Passage damit rechnen, dass sie angefahren werden», so Kirrmann. Der Fussgängerverband wehre sich gegen die Velorampe vor der Mellingerstrasse 1 (Neustadthof).

Auch die Situation während der Bauzeit sei für die Velofahrer unzumutbar: «Dass Velofahrende ihre Velos über 200 Meter stossen sollen, ist realitätsfremd», sagt Kirrmann. Dies wird für diejenigen Velofahrer der Fall sein, die von Wettingen in Richtung Mellingerstrasse gelangen wollen. «Wo die Planer versagt haben, wird nun die Polizei wieder eingreifen müssen», folgert Kirrmann.

«Wir sind nicht zufrieden», lautet das klare Verdikt der IG Pro Velo. Nur weil sich die Stadt wohlwollend gegenüber der Velostation gezeigt hätte, habe die IG nicht gegen den Umbau des Schulhausplatzes weiter opponiert und ihre Einsprache zurückgezogen. Darum bemängelt die IG, dass die Velostation sich weiter verzögere. Die Attacke der SVP gegen die Velostation bezeichnet Kirrmann als unfair, ebenso die Streichung der Bewachung.

«Was uns am meisten Sorgen bereitet, ist der Umstand, dass Kredite gesprochen werden und dann das meiste Geld in Sitzungen und Planungen versickert», hält Kirrmann der Stadt vor. Er spricht damit den Kredit von 700 000 Franken für die Umsetzung des Velokonzepts an. «Davon wurde nur wenig Geld in effektive Verbesserungen gesteckt.» Laut Kirrmann hätte die IG Pro Velo dieselbe Planungsarbeit wie Eruieren von Schwachstellen oder Zeichnen eines Veloroutennetzes unentgeltlich ausführen können. Aus Kirrmanns Sicht ändert das Schulhausplatz-Projekt nichts an der Situation: «Durch die Schaffung der vielen Parkplätze bleibt der hausgemachte Verkehr bestehen.»

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