Stetten
Einwohner baut einen Kindergarten - auf eigene Kosten

Die Gemeinde Stetten geht einen aussergewöhnlichen Weg, um eine dritte Kindergartenabteilung zu betreiben.

Carla Stampfli
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Die Profile zeigen, wie die Liegenschaft nach dem Um- und Ausbau ausschaut.
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Das Elternhaus von Heribert Huber an der Unterdorfstrasse in Stetten soll so aus- und umgebaut werden, dass es die Anforderungen eines Kindergartens erfüllt.
Bernhard Leutenegger (l.), Architekt bei Bele Architekten, Bauherr Heribert Huber (Mitte) und Gemeinderat Stephan Schibli freue sich, dass eine Lösung für die dritte Kindergartenabteilung gefunden werden konnte.
Kindergarten Stetten
So sieht die Süd-ost-Fassade aus
So sieht die Nord-Ost-Fassade aus
So sieht die Nord-West-Fassade aus

Die Profile zeigen, wie die Liegenschaft nach dem Um- und Ausbau ausschaut.

zvg

Es ist schon eher speziell, dass eine Gemeinde angesichts steigender Schülerzahlen mithilfe eines Einwohners eine Lösung findet. Doch genau das ist in Stetten geschehen: Heribert Huber baut sein Elternhaus an der Unterdorfstrasse auf eigene Kosten so aus und um, dass die Liegenschaft die Anforderungen eines Kindergartens erfüllt. Neben Gruppenräumen, Nasszellen und Garderobe ist auch eine Spielwiese vorgesehen. In den oberen Stockwerken des Hauses sind zudem zwei Wohnungen geplant. Das Baugesuch wurde in diesen Tagen eingereicht.

Doch von vorn: Letzten Sommer hat die Gemeinde anhand der in Auftrag gegebenen Studie «Aktualisierung Schüler- und Abteilungsprognose» festgestellt, dass sie ab dem Schuljahr 2016/17 eine dritte Kindergartenabteilung führen muss. Weil die Zeit drängte und im bestehenden Doppelkindergarten am Bachweg nicht genügend Platz vorhanden ist, entschied man, die Abteilung vorübergehend im Primarschulhaus unterzubringen. In der Folge wurde nach einer langfristigen Lösung gesucht. «Gemeinsam mit der Schulpflege fragten wir uns, wie wir die steigenden Schülerzahlen am besten abfedern können», sagt Stephan Schibli, Gemeinderat und Ressortvorsteher Schulbauten. Einerseits wurde in Erwägung gezogen, beim Doppelkindergarten Container aufzustellen, andererseits hielt man Ausschau nach geeigneten Liegenschaften im Dorf. Dabei erhielt der Gemeinderat auch zwei Mietangebote von Stetter Immobilienbesitzern – darunter Hubers.

Container-Lösung war teurer

«Wir verglichen die Kosten sämtlicher Optionen», sagt Schibli. Es zeigte sich, dass eine Container-Lösung teurer zu stehen kommt. Nach Abwägung sämtlicher Kriterien gab man schliesslich dem Angebot von Huber den Vorzug. «Die Liegenschaft liegt zentral und von Verkehr geschützt», so Schibli. Zudem befinde sich das Gebäude in unmittelbarer Nähe des neuen Spielplatzes am Kirchrain (siehe Box unten).

«Zeit, den Stall neu zu nutzen»

In den Um- und Ausbau seines Elternhauses investiert Heribert Huber rund 1,4 Millionen Franken. Ausgeführt werden die Arbeiten durch Bernhard Leutenegger vom Niederrohrdorfer Büro Bele Architekten. Zu den Beweggründen sagt der Inhaber der Bodenbelags-Center Huber AG: «Mein Elternhaus war und ist für mich etwas Besonderes.» Seit 210 Jahren ist die Liegenschaft im Familienbesitz; sein Grossvater und seine Mutter wuchsen im Haus auf, sein Vater führte darin nebst dem Bauernbetrieb eine Drescherei und handelte mit Heu und Stroh. Später benutzte sein Bruder den Stall als Werkstatt. Zuletzt lagerte Huber Teppiche in den Räumen. «Jetzt ist es Zeit, den Stall und die Scheune neu zu nutzen», sagt Huber.

Es sei zwar ein aussergewöhnlicher Weg, den Stetten gegangen sei, um eine neue Kindergartenabteilung zu betreiben, sagt Gemeinderat Schibli. «Wir sind aber dankbar, diesen Weg gefunden zu haben.» Auch, weil diese Lösung kein Loch in der Kasse hinterlässt: Für die Räumlichkeiten wird die Gemeinde rund 3100 Franken pro Monat bezahlen müssen. Läuft alles nach Plan, werden per Schuljahr 2017/18 rund 22 Kinder den neuen Kindergarten an der Unterdorfstrasse besuchen, das Provisorium im Primarschulhaus wird aufgelöst.

Baubewilligung erteilt: Der Weg für Spielplatz am Kirchrain ist frei

Seit Kurzem liegt die Baubewilligung für das Areal am Kirchrain vor: Nur wenige Meter vom geplanten Kindergarten wird der Spielplatz neu errichtet. Dieser musste 2015 aufgrund des Regenbecken-Neubaus demontiert werden.

Auf dem rund 900 Quadratmeter grossen Platz sollen eine Biberburg mit Rutsche und Wasserkanal, ein Kletterparcours, eine Nestschaukel und weitere Spielgeräte aufgestellt werden. Der Verpflichtungskredit von rund 100 000 Franken hiess die Gmeind im November 2015 gut.

Mit dem Bau verfügt Stetten nun über ein zweites Areal, auf dem sich Kinder vergnügen können: Der Spielplatz Dörndler am Meisenweg wurde bereits 2013 saniert und mit neuen Geräten ausgestattet. Wann die Bauarbeiten am Kirchrain beginnen, steht noch nicht fest. (ces)