Der Einwohnerrat will keine Fördergutscheine für finanzschwache Familien, die ihre Kinder selber betreuen. Dass der Vorstoss umstritten ist, zeigte sich in der Debatte an der Einwohnerratssitzung und in der Abstimmung.

27 Einwohnerräte lehnten die Förderung durch Gutscheine ab und bestätigten damit den Antrag des Gemeinderates. 19 Einwohnerräte sagten Ja zum Vorstoss der Initianten.

Mitverantwortlich am Scheitern dürften die schwachen Gemeindefinanzen sein. So sagte Tobias Mittner (SVP): «Die Finanzen erlauben es nicht, ein solches Experiment durchzuführen.»

Yvonne Vogel (FDP) betonte, die Finanzierung solcher Angebote könne nicht Aufgabe der öffentlichen Hand sein, denn «solche Aufgaben belasten die Gemeinde und damit letztlich wieder die Steuerzahler, zu denen die Familien auch gehören».

Die Schüler der Musikschule spielen ein Konzert für den Einwohnerrat und die Besucher auf der Tribüne.

Die Schüler der Musikschule spielen ein Konzert für den Einwohnerrat und die Besucher auf der Tribüne.

Zweifel am Nutzen von Gutscheinen

Dass finanzschwache Familien unterstützt werden sollen, darin waren sich alle Parteien einig.

Jedoch zweifelten einige Einwohnerräte am Nutzen des Gutscheinsystems. Hanna Läng (EVP) brachte diese Zweifel auf den Punkt, als sie sagte: «So ein System muss noch besser durchdacht werden. Fraglich ist der geringe Nutzen der Gutscheine im Gegensatz zum hohen Aufwand, der auf die Gemeinde zukommen würde.»

Gemeinderätin und Sozialvorsteherin Yvonne Feri (SP) wies ebenfalls darauf hin, dass der Nutzen solcher Gutscheine gering sei. «Von diesem Angebot würden lediglich 27 Prozent der Wettinger Familien profitieren.»

Uneinigkeit Seitens SP und WettiGrüen

Die linken Parteien SP und WettiGrüen taten sich mit ihrem Entscheid für oder gegen die Gutscheine schwer. «Wettingen könnte noch einige Schwerpunkte setzten in der Familienpolitik», sagte Kirsten Ernst (SP). Letztlich dürften aber auch bei den Linken Politikern die Kosten und der Aufwand im Vergleich zum Ertrag ein Argument gegen die Gutscheine gewesen sein.

Enttäuschte Initianten

Beim Gutscheinsystem ging es den Initianten nicht zuletzt um die Gleichstellung der Familienmodelle. Sie halten es für falsch, dass Familien, die ihre Kinder in die Krippe bringen und Mutter und Vater arbeiten, unterstützt werden. Dagegen jene Familien, die ihre Kinder selber betreuen und nur ein Elternteil arbeitet, nichts erhalten.

Feri betonte jedoch, dass alle finanzschwachen Familien bereits heute schon teilweise von Vergünstigungen profitieren würden und nannte unter anderem die Musikschule oder vergünstigte Lagerbeiträge bei Jugendvereinen als Beispiele.

Entsprechend enttäuscht zeigten sich die Initianten. «Alle sprechen sich für die Stärkung der Familien aus, aber wenn ein konkreter Vorschlag auf dem Tisch liegt, macht niemand mit», sagte Mitinitiant Leo Scherer (WettiGrüen).

Thomas Meier (CVP): «Wir hätten mit einem solchen Gutschein-System ein Zeichen setzen können, dass alle Familienmodelle unterstützt werden.»

Paul Koller (CVP) gab zu bedenken, dass die Gleichstellung der Familienmodelle in den Köpfen passieren muss. «Wir dürfen das Modell, das als 'zurück an den Herd' verteufelt wird nicht schlecht reden. Es verdient denselben Respekt wie das Familienmodell mit Fremdbetreuung.»