Es sei ihm ein grosses Anliegen, Lösungen für die Sozialhilfe zu suchen, begründet Merkli (BDP) den Vorstoss. Das Ziel der Motion: die Situation der Sozialhilfebezüger verbessern und Kosten einsparen. Als Vorbild für die Motion diente Merkli und Bürgler Bremgarten. Die Stadt konnte mit einem ähnlichen Projekt innerhalb zweier Jahre von 42 betreuten Sozialhilfeempfängern 18 wieder in den Arbeitsmarkt integrieren.

«Heute vermitteln die Sozialen Dienste nur die Menschen an Sozialunternehmungen weiter, bei denen die Chance gross ist, dass sie sich innerhalb kürzester Zeit wieder im Berufsleben zurechtfinden können», sagt Merkli. Personen, deren Chancen schlechter stünden, würden dabei auf der Strecke bleiben. Merkli und Bürgler wollen dies nun mit einem gemeindeinternen Arbeitsprogramm ändern: Jeder Sozialhilfeempfänger, der arbeitsfähig ist, soll anpacken – wer die Arbeit verweigert, erhält keine Sozialhilfe mehr.

Die Gemeinde soll dabei aktiv mithelfen. Sie könnte als Arbeitgeber auftreten und mit den Sozialhilfeempfängern einen Arbeitsvertrag abschliessen, inklusive Lohnabzüge zugunsten der Sozialversicherungen. Es sei auch denkbar, Teilzeit zu arbeiten, sagt Merkli. Ein Projektleiter würde die Arbeitseinsätze überprüfen und die «neuen Angestellten» begleiten.

Ideen für mögliche Einsatzorte seien laut Merkli vorhanden. Die Sozialhilfeempfänger könnten beispielsweise Wanderwege reinigen, öffentliche Abfalleimer zusätzlich leeren oder bei einer Velostation eingesetzt werden, wie sie ein Postulat fordert (az von gestern). Das Projekt dürfe die bestehenden Arbeitsplätze der gemeindeeigenen oder privaten Betriebe aber nicht gefährden oder konkurrenzieren. «Die Sozialhilfeempfänger würden dort eingesetzt werden, wo es sich nicht lohnt, neue Arbeitsplätze zu schaffen oder wo kurzfristig Arbeitsbedarf besteht.»

Das Beschäftigungsprogramm soll sich sowohl für die Sozialhilfeempfänger als auch für die Gemeinde auszahlen. «Die Sozialhilfeempfänger erhalten eine Tagesstruktur. Dies wirkt sich positiv auf die Psyche aus und ermöglicht eine schnellere Reintegration in die Arbeitswelt», sagt Merkli. Er ist überzeugt, das Gefühl, gebraucht zu werden, steigere das Selbstwertgefühl. «Anstelle von Sozialhilfe erhalten die Bedürftigen einen Lohn und fühlen sich somit weniger abhängig.» Die reguläre Sozialhilfe teilen sich Kanton und Gemeinde je zur Hälfte. Da ein Lohn aber nicht mehr der klassischen Sozialhilfe entspräche, fielen die Kantonsbeiträge weg. Aber: «Da durch das Programm mehr Bezüger von Sozialhilfe in die Arbeitswelt reintegriert würden, können die Kosten langfristig gesenkt werden.»