Einwohnerrat Baden
Der Stadtammann soll bald Stadtpräsident heissen: Die Namensänderung sorgte im Einwohnerrat für Diskussionen

Der Einwohnerrat heisst einen Vorstoss für gendergerechtere Sprache in Baden mit deutlicher Mehrheit gut. Damit stimmt er auch der eigenen Namensänderung zu.

Zara Zatti
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Will künftig Stadtparlament heissen: Der Einwohnerrat Baden.

Will künftig Stadtparlament heissen: Der Einwohnerrat Baden.

Zara Zatti

Der Badener Stadtrat muss prüfen, wie in Zukunft gendergerechte Bezeichnungen für kommunale Funktionen verwendet werden können. Das beschloss der Einwohnerrat an der Sitzung vom Dienstagabend. Diese fand zum ersten Mal in der Mensa des Oberstufenzentrums Burghalde statt, das im August zum neuen Schuljahr eröffnet worden ist.

Mit 32:9 Stimmen wurde das Postulat von Steven Van Petegem (Grüne) deutlich überwiesen. Der Postulant sagte an der Sitzung: «Die Zeit ist reif, der Begriff Ammann stammt noch aus dem Mittelalter.» Auch der Stadtrat war bereit, den Vorstoss entgegenzunehmen. Nun muss er insbesondere prüfen, wie der Begriff Stadtammann durch Stadtpräsident oder Stadtpräsidentin, und der Einwohnerrat durch Stadtparlament ersetzt werden kann.

Der Vorstoss sorgte für viele Wortmeldungen und teils emotionale Voten im Einwohnerrat. Die SVP lehnte den Vorstoss als einzige Fraktion ab, aber auch bei anderen Parteien waren die Meinungen gespalten. Kurt Wiedemeier von der Mitte sah sowohl das Dafür als auch das Dawider für eine Namensänderung. Er störte sich am Krieg, der momentan gegen das generische Maskulinum geführt werde, sagte aber auch: «Der Kampf der Gleichstellung muss auch über die Sprache geführt werden.» Aufgrund der kontroversen Diskussionen innerhalb der Partei beschloss die Mitte schlussendlich Stimmfreigabe.

Wie wichtig ist Sprache für die Gleichstellung?

Im Einwohnerrat entbrannte eine Genderdebatte, die sich im Kern vor allem um die Frage drehte, wie wichtig die Sprache für die Erreichung der Gleichstellung zwischen Mann und Frau ist. Michael Rinderknecht von der SVP hatte diesbezüglich eine klare Meinung: «Die Gleichstellung in Baden scheint erreicht, sonst würden wichtigere Postulate zum Thema eingereicht.» Auch bemerkte er, dass es sich bei der ganzen Frage um die Bezeichnung von Funktionen, um eine sehr elitäre Debatte handle: «Soll die alleinerziehende Mutter jetzt aufjubeln, dass etwas für die Frauen an der Spitze der Gesellschaft gemacht wurde?», fragte er rhetorisch.

Bei der Haltung, dass es dringendere Probleme bei der Gleichstellung gäbe, erhielt Rinderknecht Unterstützung von Esther Frischknecht (FDP): «Wir müssen bei der Sprache wieder etwas lockerer werden.» Sie mahnte, dass die sprachlichen Anpassungen bei einer Überweisung in Grenzen gehalten werden sollen. Trotz ihres skeptischen Votums, war die FDP mehrheitlich für den Abschuss der Bezeichnung Stadtammann.

Der Begriff Ammann wird wohl bald Geschichte sein

Für Gian von Planta (GLP) stand fest: Es spielt eine Rolle, ob es Einwohnerrat oder Stadtparlament heisst: «Wer den Vorstoss als Symbolpolitik abtut, der verkennt die Wechselwirkung zwischen Sprache und Gesellschaft. Der Begriff stammt aus einer Zeit, in welcher der Mann der Chef war und die Frau am Herd stehen musste.»

Selena Rhinisperger von der SP fügte am Schluss noch ein ganz praktisches Argument an: «Wenn ich in Zürich sage, dass ich im Einwohnerrat sitze, dann meinen alle ich sei in der Exekutive, mit dem Wort Stadtparlament gäbe es dieses Missverständnis nicht mehr.»

Schlussendlich überwogen die Stimmen für eine Namensänderung. Bald muss man wohl auch in Baden im Geschichtsbuch nachschlagen, was ein Ammann überhaupt ist.

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