Der Einwohnerrat Wettingen schaut derzeit nicht nur dem Gemeinderat auf die Finger, wenn es um Sparpotenzial geht. Er will sich auch selber in die Pflicht nehmen. So regt zum einen die FDP an, den beantworteten Vorstössen ein Preisschild anzuhängen und damit die Räte für die verursachten Kosten und Arbeiten zu sensibilisieren (az vom 16. 9.). Zum anderen regt die SVP-Fraktion mit einem Vorstoss zum Papiersparen an. Konkret: Die Wettinger Einwohnerräte sollen künftig wählen können, ob sie die Ratsunterlagen noch in Papierform per Post zugeschickt bekommen oder ob sie die Dokumente zur Sitzung lediglich in elektronischer Form herunterladen. «Wir wollen damit nicht nur Geld für Papier, Kopien und Porto sparen», sagt Fraktionspräsident Daniel Frautschi. Es gehe auch darum, umweltfreundlich zu handeln. «Dazu muss man nicht zwingend zu den Grünen gehören», sagt er und lacht.

Die Fraktion habe schon lange darüber diskutiert, die «Papierflut» im Ratsbetrieb zu reduzieren. «Dass der Grosse Rat seit Anfang Jahr auf das meiste Papier verzichtet, hat uns bestärkt nachzuziehen», sagt Frautschi, der seit kurzem selber wieder im Grossen Rat sitzt. Den Kantonsparlamentariern werden nur noch die Anträge und Botschaften des Regierungsrats auf Papier zugestellt. Wer auch diese Unterlagen nicht mehr auf Papier haben möchte, kann sie beim Parlamentsdienst abbestellen. «Gegen 30 Grossräte haben das bisher so gewünscht», sagt Rahel Ommerli, Leiterin der Parlamentsdienst. Sie relativiert aber: «Es gibt genau so viele Räte, die lieber alle Unterlagen noch per Post zugeschickt bekommen würden.» Es sei generell eine Frage der Zeit. «Der Anteil der Ratsmitglieder, die nur noch mit elektronischen Dokumenten arbeiten, wird in den kommenden Jahren voraussichtlich zunehmen», sagt Ommerli. Diesen Eindruck hat auch Frautschi. «Ich sehe in den Sitzungen, dass gegen
80 Räte auf das meiste Papier verzichten.» In ihrem Vorstoss schreibt die SVP denn auch, der Versand der Akten in Papierform sei nicht mehr zeitgemäss.

Ein besonderes Augenmerk hat die bürgerliche Partei ausgerechnet auf den Rechenschaftsbericht der Gemeinde gelegt. Dessen Umfang habe in den letzten Jahren um 30 Prozent zugenommen, schreibt sie. «Im Vergleich zu früher sind es knapp 100 mehr», sagt Frautschi. Damit tue er sich schon lange schwer. «Der Bericht ist sehr gut ausgearbeitet, aber es ist eine Luxusvariante, die man auch schlanker gestalten könnte.» Der Bericht würde ohne farbige Bilder und mit weniger Seiten noch gleich viel aussagen, ist Frautschi überzeugt.