Einwohnerrat Wettingen
«Unterricht kann nicht unter Bäumen stattfinden» – Parlament stimmt Kredit für Schulprovisorium nur widerwillig zu

Für 1,3 Millionen Franken wird auf dem Basketballplatz bei der Wettinger Bezirksschule für das Schuljahr 2021/22 ein doppelstöckiger Container aufgestellt. Dass kurzfristig mehr Schulraum benötigt wird, ärgert die Einwohnerratsfraktionen.

Claudia Laube
Drucken
Teilen
18 Einwohnerrätinnen und Einwohnerräte enthielten sich bei der Abstimmung zum Schulraum-Kredit ihrer Stimme.

18 Einwohnerrätinnen und Einwohnerräte enthielten sich bei der Abstimmung zum Schulraum-Kredit ihrer Stimme.

Alexander Wagner (Dezember 2019)

Wettingen rechnet auf das neue Schuljahr 2021/22 mit mehr als 630 Bezirksschülerinnen und -schülern – rund 100 mehr als im laufenden Jahr und mehr als die Schulraumplanung 2019 vorsah. Weil auch noch neue Fächer des Lehrplans 21 mehr Raum einnehmen, braucht es nach dem Sommer bei der Bezirksschule ein Provisorium. Benötigt werden acht neue Zimmer, vier Grossgruppenräume und ein Lehrervorbereitungsraum.

Der Wettinger Einwohnerrat musste deshalb am Donnerstagabend über einen Kredit von 1,3 Millionen Franken abstimmen. In diesem Betrag sind neben Installation, Miete und Ausstattung eines doppelstöckigen Containers aus Stahl auch 290 000 Franken enthalten, die ins bestehende Bezirksschulhaus gesteckt werden – das ebenfalls eine Sanierung benötigt. Um längerfristig mehr Raum zu schaffen, ist dort auf Sommer 2022 auch die Erstellung eines Erweiterungsbaus geplant. Dieser Kredit wird dem Einwohnerrat im Juni vorgelegt.

Am sportlichen Zeitplan für den Erweiterungsbau zweifeln einige der Fraktionen zwar, doch an der Einwohnerratssitzung ärgerte sich der Grossteil viel mehr über die kurze Vorlaufzeit des nun vorgelegten Kredits. SVP-Einwohnerrat Peter Lütolf liess seinem Unmut freien Lauf und deckte den Gemeinderat mit einem Fragenkatalog zu Baugesuch, Referendumsfrist und Auftragserteilung ein. Das betitelte Einwohnerratspräsident Christian Pauli (FDP) als Störaktion, weil die Fragen bereits im Vorfeld hätten gestellt werden können.

Peter Lütolf schloss seinen Beitrag mit der Bemerkung, dass sich die SVP bei der Abstimmung enthalten würde. Im Fraktionsbericht hatte die Partei erklärt, dass eine Rückweisung des «schludrig vorbereiteten Kreditantrags bedeuten würde, dass die provisorischen Schulpavillons im Sommer nicht bereitstehen würden, damit müssten unsere Bezirksschüler ab August im Freien unterrichtet werden».

Auch die GLP-Fraktion hätte die Vorlage gerne zurückgewiesen. Aufgrund der Dringlichkeit sei das aber nicht mehr möglich:

«Einmal mehr liegt ein Kreditantrag vor, welcher zeitlich so gelegt wurde, dass man ihn nicht mehr zurückweisen oder ablehnen kann.»

Nur «zähneknirschend» stimmte auch die CVP der Vorlage zu. Fraktions-Präsident Christian Wassmer erklärte, dass «der Einwohnerrat schon wieder mit einer Schulvorlage erpresst wird». Der akute Handlungsbedarf habe sich bereits im Mai 2019 mit dem letzten Update der Schulraumplanung abgezeichnet.

SP/WettiGrüen nannte es eine «Hau-Ruck-Übung» und nicht gerade ein Musterbeispiel für langfristige Planung. Einwohnerrat Alain Burger empfand den Aufschrei über erpresserische Schulvorlagen und fehlende Zeit für einen ausgewogenen Entscheid eine Folge «unserer finanzpolitischen Abenteuerpolitik». Auch seine Fraktion stimmte dem Kreditbegehren zu, «weil der Unterricht nicht unter Bäumen stattfinden kann.»

Auf dem Basketballplatz der Bezirksschule wird - vorerst für ein Jahr - ein Container-Provisorium stehen.

Auf dem Basketballplatz der Bezirksschule wird - vorerst für ein Jahr - ein Container-Provisorium stehen.

cla

Die FDP fand zwar, dass die Planung sorgfältig erfolgte und der Gemeinderat zahlreiche Alternativen abgeklärt habe, trotzdem sprach auch Fraktionspräsidentin Judith Gähler von ungenügendem Vorlauf und dass die Schulraum-Problematik trotz einer professionellen externen Firma nicht gelöst werden konnte.

Die Frage nach den Gründen für das Wachstum

Für die Fraktion EVP/Forum5430 war klar, dass zusätzliche 100 Schülerinnen und Schüler mehr Platz benötigen und die Schulraumplanung für eine Gemeinde wie Wettingen eine Herausforderung sei. «Jedoch fragen wir uns, welches die Gründe sind, weshalb der Anteil der Übertritte in die Bezirksschule in den letzten Jahren in Wettingen von 38,8 auf 47 Prozent angestiegen ist», sagte Lukas Rechsteiner. Ob es wegen des späteren Übertritts sei, ob die Qualität der Sekundarschule zurückgegangen oder der Leistungsdruck gestiegen sei? «Diese Fragen müssen dringend geklärt werden und in die Planung einbezogen», so Rechsteiner. Auch die EVP stimmte dem Kreditbegehren zu – so wie die Mehrheit, insgesamt 31 Einwohnerrätinnen und -räte. Zwar stimmte niemand Nein, 18 enthielten sich jedoch ihrer Stimme.

Aktuelle Nachrichten