Wettingen
Einwohnerrätin fordert Unterstützung für das Frauenhaus Aargau-Solothurn

Aus Spargründen unterstützt die Gemeinde das Frauenhaus auch im neuen Jahr nicht. Der Gemeinderat vertritt die Ansicht, dass der Kanton eine ausreichende Finanzierung sicherzustellen habe. Einwohnerrätin Lea Schmidmeister (SP) ist damit nicht zufrieden.

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Dunya (Name geändert) wurde von ihrem Mann geschlagen, flüchtete vor ihm in die Schweiz, wurde hier von ihrem Vater geschlagen und mit dem Tod bedroht.
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Heute sagt sie: «Es ist nicht in Worte zu fassen, wie sehr ich dem Frauenhaus dankbar bin.»
Dunya im Garten.
Wo das Frauenhaus Aargau Solothurn steht, ist geheim.
Kein rachsüchtiger Mann soll seine Frau oder Ex-Frau hier finden.
Wer ins Frauenhaus aufgenommen werden will, ruft die Nummer 062 823 86 00 an. Dann steht zuerst eine telefonische Beratung an.
Nur das Personal darf ins Büro.
Im Frauenhaus haben die Frauen Zeit, gesund kochen zu lernen.
Die Küche ist hell und modern.
Eine Klientin (Bewohnerin) bereitet das Mittagessen vor.
Zu Hause sind viele Frauen zu stark unter Druck, um richtig zu kochen.
Die Betreuerinnen planen die Mahlzeiten. Die Klientinnen kaufen ein und kochen.
Die Einkaufsliste.
Im Spielzimmer kümmern sich Betreuerinnen um die Kinder.
Blick in das Spielzimmer.
Züsi Born leitet das Frauenhaus.
Zeichnung mit Fensterfarbe.
Kinderwagen, Trottinett, Schneeschaufel: Das Frauenhaus ist gut ausgerüstet.
Viele Frauen sind nach dem Austritt unendlich dankbar und schicken Dankeskarten an das Frauenhaus.
Viele Kinder schenken den Betreuerinnen zum Abschied Zeichnungen.
Ihr eigenes Handy müssen die Frauen beim Eintritt abgeben. Zu gross ist die Gefahr, geortet zu werden.
Als Ersatz erhalten die Frauen ein einfaches Handy mit neuer Nummer, aber ohne Internetzugang.
Das eigene Smartphone darf nicht benutzt werden.
An diesem Computer dürfen die Frauen nach Jobs und Wohnungen suchen oder Mails abrufen.
Soziale Medien sind hingegen tabu.
Eindrücke aus dem Frauenhaus Aargau Solothurn – mit dieser Fotoserie gewinnt Sandra Ardizzone den Medienpreis
Im Garten steht ein Töggelikasten.
Gewisse Frauen dürfen nur in den Garten, nicht aber auf die Strasse. Sie könnten auf ihren Peiniger treffen.
Die Kinder dürfen sich im Spielzimmer Spielsachen ausleihen. Mit Lego und Duplo verarbeiten sie teilweise ihre Traumata.
Bücher und Spiele helfen ebenso bei der Verarbeitung verstörender Erlebnisse. Diese Bilderbücher thematisieren häusliche Gewalt.
Blick in ein Badezimmer.
Der Eingangsbereich.
Hier geht es zum Spielzimmer.
Für ältere Kinder gibt es den Jugendraum.
Auch eine kleine Bibliothek steht zur Verfügung.
«Meine Probleme weiss ich und meine Beraterin. Sonst niemand», sagt Hana (Name geändert), eine ehemalige Bewohnerin des Frauenhauses.
Damit der Garten von aussen nicht zu sehen ist, ist das Gelände umzäunt.
Gartenstühle zum Verweilen.
Eine Klientin telefoniert im Garten.
Das Telefon ist ein wichtiger Anker für die Frauen – ihr Bezug zur Aussenwelt.
Frauen, die Opfer von häuslicher Gewalt geworden sind, finden im Frauenhaus Unterschlupf.
Aufklärungsbmaterial zu Themen wie Sexualität liegt in mehreren Sprachen vor.
Eine Klientin richtet ihr Bett.
Auch der Aufenthaltsraum und Esssaal ist bunt eingerichtet.
Eine Klientin im Aufenthaltsraum und Esssaal.
Blick in ein Zimmer.
Jede Klientin erhält ihr eigenes Zimmer.
Weitere Impressionen aus dem Frauenhaus Aargau Solothurn.

Dunya (Name geändert) wurde von ihrem Mann geschlagen, flüchtete vor ihm in die Schweiz, wurde hier von ihrem Vater geschlagen und mit dem Tod bedroht.

Sandra Ardizzone

Die finanzielle Situation in Wettingen ist angespannt. Deshalb kann die Gemeinde das Frauenhaus Aargau-Solothurn auch 2019 nicht unterstützen. Oder wie es der Gemeinderat ausdrückt: «Die finanzielle Situation lässt nicht zu, Steuergelder im Giesskannenprinzip überall dort zu verteilen, wo grundsätzlich sinnvolle Leistungen erbracht werden.»

So die Antwort auf eine Interpellation der beiden Fraktionen SP/Wetti-Grüen und EVP/Forum 5430, die von der Gemeinde wissen wollten, ob sie vorhabe, für das Frauenhaus Aargau-Solothurn einen Betrag von 10 000 Franken in das Budget 2019 aufzunehmen.

«Wir nehmen diese Antwort zur Kenntnis», sagt dazu Lea Schmidmeister, Einwohnerrätin und Co-Fraktionspräsidentin SP/Wetti Grüen. Doch: «Wir werden uns weitere Schritte überlegen.» Diese seien zwar noch nicht spruchreif, aber das Ziel beider Fraktionen sei, dass wieder ein Beitrag an das Frauenhaus ins Budget aufgenommen werde.

2015 wurde der bis dahin regelmässig ausgerichtete Betrag im Rahmen der Sparmassnahmen gestrichen. Klammheimlich, so Schmidmeister: «Wir haben das erst dieses Jahr bemerkt — und waren sehr überrascht.»

Der Gemeinderat ist in seiner Antwort der Meinung, dass der Kanton eine ausreichende Finanzierung sicherzustellen habe. Er habe Kenntnis davon, dass zwischen dem Kanton, vertreten durch den kantonalen Sozialdienst sowie die Opferhilfe, und dem Frauenhaus eine Leistungsvereinbarung bestehe. Ausserdem unterstütze die Gemeinde einige Institutionen, die auch einen Beitrag zum Schutze von Betroffenen erbringen; darunter Pro Juventute Aargau, die Mütter- und Väterberatung Baden oder den Verein Pflegekind Aargau. (cla)