Baden
Einzigartiges Ambiente macht beschränkten Komfort wett

Das kleine, aber feine Freiluftkino auf dem Parkhausdach zieht viel Publikum an. Die 10. Saison ist efolgreich gestartet und hält noch einige cineastische Perlen bereit.

Ursula Burgherr
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Freiluftkino Baden - Spannung vor Filmbeginn in den vollgepackten Zuschauerrängen. UB

Freiluftkino Baden - Spannung vor Filmbeginn in den vollgepackten Zuschauerrängen. UB

Die Sonne versinkt und für einen kurzen Moment wirkt alles wie in Gold getaucht. Auf dem Dach des Parkhauses an der Gartenstrasse herrscht schon um 20 Uhr reger Betrieb, obwohl der angesagte Film erst eineinhalb Stunden später über die Leinwand flimmert. Das Freiluftkino Baden ist über die 10 Jahre seines Bestehens zu einer richtigen Institution in der Region geworden.

Man trifft sich an der Bar zu einem Drink oder gönnt sich Flammenkuchen, die seit diesem Jahr zu 100 Prozent «Bio» sind. Schon der Rundblick über den grünen Martinsberg, die Ruine Stein, die Stadt mit dem Lägernhang und den Ennetbadener Rebbergen im Hintergrund ist filmreif.

Dieses einzigartige Ambiente und die Auswahl an Studiofilmen, die man in Baden sonst nur kurze Zeit oder gar nicht zu sehen bekommt, machen die Attraktion des Open-Air aus. Dafür platziert man sich gerne auf einem der 250 harten Sitzplätze in den eng gestuhlten Reihen, stört sich nicht an der im Verhältnis zu anderen Freiluftkinos eher kleinen Leinwand und nimmt auch einen längeren Gang zum Toilettenhäuschen unten an der Gartenstrasse in Kauf. Die Organisatoren haben aus dem beschränkten Platz auf jeden Fall das Optimum herausgeholt.

Familiär und herzlich

Daniel Leuthold zeigt sich glücklich über den gelungenen Start Mitte letzter Woche: «Es war zwar anfangs noch regnerisch, aber dank unserer teilweise gedeckten Sitzplätze wurden die Zuschauer trotzdem nicht nass», sagt der Präsident des Vereins Freiluftkino Baden. Finanziell kommt das Nonprofit-Unternehmen immer einigermassen über die Runden. Ein Open-Air-Kino ist kostenintensiv. Gut ein Drittel des Umsatzes geht an die Filmverleiher. «Mit den 19 Franken Eintritt pro Ticket könnten wir unsere Aufwände nicht decken. Deshalb sind die Umsätze an der Bar und die Einnahmen aus der Kinowerbung überlebenswichtig», meint Leuthold.

George Häusermann aus Dättwil ist Stammgast der ersten Stunde und schwärmt: «Die Atmosphäre ist familiär und herzlich. Vor allem aber schätze ich das Filmangebot, für das ich sonst nach Zürich muss. In Baden werden leider immer weniger Studiofilme gezeigt.» Der Film am Samstagabend, die belgische Komödie «Le tout nouveau testament», sprengt religiöse Konventionen, ist aber trotz des schrägen Humors eine liebevolle Ode an die Mitmenschlichkeit. Im Publikum wird nonstop gelacht.

Weitere cineastische Perlen aus der ganzen Welt stehen auch diese Woche auf dem Programm. So Pedro Almodóvars neustes Werk «Julieta» (Montag), das Drama «Mustang» über fünf türkische Mädchen, die in gefängnisähnlichen Zuständen leben (Mittwoch) oder der kolumbianische Streifen «El Abrazo de la Serpiente», in dem zwei westliche Forscher mit einem Schamanen im Amazonasdschungel nach einer Pflanze mit Wunderkräften suchen.

Jedes Jahr wird im Freiluftkino Baden auf dem Parkhaus an der Gartenstrasse auch ein Oldie gezeigt. Kommenden Dienstag ist das Jean-Luc Godards «Le Mépris» (1963) mit Brigitte Bardot in der Hauptrolle.

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