Wettingen
Einziger Deutschschweizer: Dieser Aargauer wills den Welschen Winzern zeigen

Am Wochenende zeigt der Winzer Christian Steimer an den Berufsmeisterschaften AgriSkills sein Können.

Stefanie Garcia Lainez
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Winzer Christian Steimer

Winzer Christian Steimer

Badener Tagblatt

Zum ersten Mal findet in Grange-Verney (VD) die «Agriskills» statt, die Schweizermeisterschaften für Landwirtschaftliche Berufe. Mit dabei: der 27-jährige Winzer Christian Steimer aus Wettingen.

Herr Steimer, wie zeigen Sie den Konkurrenten aus der Westschweiz, dass die Aargauer keine Weinbanausen sind?

Christian Steimer: Ich bringe meinen ersten eigenen Wein zum Degustieren mit, einen Pinot Noir aus Wettinger Trauben. Und zeige meinen Konkurrenten so, dass wir Aargauer etwas von Wein verstehen.

Wie kommt es, dass Sie der einzige Deutschschweizer sind?

Eigentlich hätten insgesamt vier Deutschschweizer Winzer antreten können, die an der praktischen Abschlussprüfung am besten abgeschlossen haben. Da die Berufsmeisterschaften für Landwirtschaft aber zum ersten Mal stattfinden, war alles etwas kurzfristig. Ich erfuhr beispielsweise zwar schon vor einigen Wochen mündlich, dass ich teilnehmen darf. Die schriftliche Bestätigung traf aber erst vor einer Woche ein. Ich kann mir vorstellen, dass es für die anderen drei etwas zu kurzfristig war.

Christian Steimer

Der 27-jährige Wettinger schloss seine Ausbildung zum Winzer mit der Note 5,3 ab. Nächstes Jahr übernimmt er den Betrieb seiner Eltern in Wettingen.

Wieso sind Sie Winzer geworden?

Ich bin sehr gerne in der Natur und half schon früh auf dem elterlichen Betrieb in den Reben mit. Ich fand aber nicht auf Anhieb eine geeignete Lehrstelle. Denn normalerweise bilden die Betriebe nur aus, wie man Trauben anbaut. Ich wollte aber auch wissen, wie aus Trauben der Wein entsteht. Also lehrte ich zuerst Landmaschinenmechaniker und absolvierte dann eine Zweitlehre als Winzer im Bündnerland.

An den «AgriSkills» messen Sie sich in zwölf Disziplinen, müssen Etiketten kreieren oder die Reben richtig schneiden. Auf welchen Wettkampf freuen Sie sich besonders?

Auf die Kellerarbeit. Die habe ich im Griff. Dazu gehört beispielsweise, den Wein umziehen, das heisst, von einem Tank in den anderen leeren. Dabei muss man aufpassen, dass man nicht zu viel Weinsatz, der sogenannte Trub, mitleert, der sich mit der Zeit am Boden absetzt. Je nach Weintyp muss beim Umzug zudem noch mehr oder weniger Sauerstoff zugeführt werden.

Und welche Disziplin macht Ihnen am wenigsten Spass?

Das Schweissen eines Bleistifthalters, da dies keine alltägliche Arbeit ist. Wir Winzer sind aber Allrounder und müssen Maschinen selber reparieren und somit auch schweissen können.

Die bereiten Sie sich auf den Wettkampf vor?

Seit drei, vier Wochen repetiere ich jeweils am Sonntagnachmittag, was wir in der Berufsschule gelernt haben. Beispielsweise, was für Weinfehler entstehen, wenn zu viel Sauerstoff in den Wein gelangt. Oder was mit dem Wein geschieht, wenn dieser zu wenig Schwefeldioxid enthält.

Wie hoch rechnen Sie Ihre Chancen aus?

Das ist schwierig zu beantworten. Es kann alles passieren. Wir lernen während unserer Ausbildung alle das Gleiche. Und alle wollen gewinnen. Ich werde aber auf jeden Fall der beste Deutschschweizer sein (lacht).

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