Der «Swissman Xtreme Triathlon»: Die 226 Kilometer lange Strecke mit 5500 Höhenmetern führt von der Isola di Brissago im Lago Maggiore (Schwimmen) über den Gotthard, Furka und Grimsel (Rennrad) bis auf die Kleine Scheidegg (Berglauf). Was sich wie eine Qual anhört, stellt für Ciril Jenzer und Roberto Di Gregorio eine faszinierende Herausforderung dar: Am 23. Juni werden die beiden Mitglieder des Triathlon Clubs Baden an der Startlinie des Langdistanztriathlons stehen, der als einer der härtesten der Welt gilt.

«Auch wenn es viel Ausdauer und mentale Stärke braucht, freue ich mich sehr», sagt Roberto Di Gregorio. Der Wettkampf sei mit seinen Höhenmetern, der einzigartigen Landschaft und dem internationalen Teilnehmerfeld schlicht einzigartig. Für den 49-Jährigen ist es bereits die dritte Teilnahme am Extrem-Triathlon. «Ein Ironman per se bringt dich bereits an deine Grenzen. Aber der ‹Swissman› zwingt dich, weit darüber hinaus zu gehen», sagt Di Gregorio. Es sei jedes Mal eine neue Herausforderung. «Du bist extremen Wetterverhältnissen ausgesetzt. Im Tessin kann es über 30 Grad warm sein, während es auf dem Gotthard auch schon mal schneien kann», sagt der zweifache Familienvater aus Freienwil.

Vom Supporter zum Teilnehmer

In den letzen zwei Jahren wurde Di Gregorio jeweils von seinem Klubkollegen unterstützt. So fuhr Ciril Jenzer ihm auf der Radstrecke im Auto nach. Beim Laufen begleitete er ihn auf dem Bike, wobei die beiden Triathleten die letzten acht Kilometer gemeinsam ins Ziel liefen. «Roberto zu unterstützen bereitete mir viel Spass. Doch jetzt ist es an der Zeit, einmal selber teilzunehmen», sagt der 28-jährige Jenzer und schmunzelt. Er hat sich vorgenommen, das Ziel auf der Kleinen Scheidegg vor der Dämmerung zu erreichen. «Ich weiss zwar, was auf mich zukommt, auch habe ich einige Ironmans erfolgreich absolviert. Dennoch habe ich grossen Respekt vor den Höhemetern», sagt der aus Dänikon im Kanton Zürich stammende Jenzer.

Mit dem Training für den «Swissman» haben die Klubkollegen im letzten Jahr begonnen. Rund 15 Stunden pro Woche investieren sie in ihr Hobby. Neben Vorbereitungen und Wettkämpfen gehört auch das Organisieren des «Tägi-Tri» in Wettingen dazu. 2017 fand der Kurzdistanztriathlon zum 25. Mal statt, heuer fällt er wegen der Sanierung des Sport- und Kongresszentrums Tägerhard aus. «Somit bleibt uns etwas mehr Zeit für die Vorbereitungen auf den ‹Swissman», sagen die beiden OK-Mitglieder.

Zeit für gemeinsames Training – mit Ausnahme der Schwimmeinheiten in der «Pfaffechappe» in Baden mit dem Tri Club – bleibt ihnen aber nicht. Während Jenzer für den Unterhalt von Spezialfahrzeugen beim Flughafen Zürich zuständig ist und Schicht arbeitet, ist Di Gregorio als Informatiker bei einem Elektrotechnikunternehmen tätig. «Oft gehe ich mit dem Rennrad zur Arbeit und füge danach eine Extrarunde an», sagt Jenzer. Laufeinheiten absolviert er am Mittag oder am Abend auf der Sportanlage Aue in Baden.

Bei Di Gregorio kommt es nicht selten vor, dass er am Wochenende um vier Uhr morgens aufsteht, in den Schwarzwald fährt, mehrere Stunden auf dem Rennvelo sitzt und am frühen Nachmittag wieder zu Hause bei der Familie ist. «Man muss flexibel sein, um Beruf, Privatleben und Training bestmöglich unter einen Hut zu bringen», sagt Di Gregorio.

Das Rennen in Etappen aufteilen

Welchen Tipp gibt Di Gregorio seinem Kollegen und ehemaligen Supporter? «Das Wichtigste ist, den ‹Swissman› in Etappen aufzuteilen. Hast du einmal ein Zwischenziel erreicht, kommt eine gewisse Siegesfreude auf. Das verleiht Schub und Motivation.» Wichtig sei zudem die Ernährung, sagt Di Gregorio. Während eines Wettkampfs ernährt er sich mit Energie-Gels, Bouillon und isotonischen Getränken. Jenzer wird zusätzlich Energieriegel und Kornriegel mit sich führen.

Obwohl Jenzer nun auch an der Startlinie stehen wird, sehen sich die beiden nicht als Konkurrenten. «Jeder der 250 Teilnehmer wird mit sich selber beschäftigt sein. Höhenmeter, Müdigkeit und Wetter fordern einem stets heraus», sagt Roberto Di Gregorio. Ciril Jenzer fügt an: «Wir sind keine Gegner. Alles was zählt, ist, dass wir die Ziellinie überqueren können. Ich bin gespannt, was drin liegt und was alles auf mich zukommt – auch emotional.»