Ehrendingen

Eklat an der Oberstufe: Alle Reallehrer sind weg

Die Schulanlage Lägernbreite in Ehrendingen (Archiv)

Die Schulanlage Lägernbreite in Ehrendingen (Archiv)

In Ehrendingen ist ein Streit zwischen Lehrern und Schulpflege eskaliert. Für alle vier Realschulklassen müssen jetzt Lehrer gesucht werden. Ausgeschrieben sind vier unbefristete Stellen mit insgesamt 73 Wochenlektionen.

In wenigen Wochen beginnt an der Oberstufe in Ehrendingen das neue Schuljahr. Wer die Schülerinnen und Schüler der Realschulklassen dann unterrichten wird, ist aber noch unklar: Für jede der vier Klassen braucht es neue Lehrer. Ausgeschrieben sind vier unbefristete Stellen mit insgesamt 73 Wochenlektionen.

So berichtete Tele M1 über den Eklat an der Schule Ehrendingen

So berichtete Tele M1 über den Eklat an der Schule Ehrendingen

«Die Schulpflege bedauert diese zum Teil kurzfristigen Kündigungen», heisst es in einer Mitteilung der Schulpflege. Aufgrund der jetzt fehlenden Lehrkräfte, welche sowohl an der Sekundar- als auch an der Realschule unterrichtet haben, sei die Schule Ehrendingen im Augenblick nicht in der Lage, für die Real- und Sekundarschüler die Klasseneinteilungen und die Stundenpläne für das kommende Schuljahr zu erstellen.

«Aus Datenschutzgründen kann ich keine Informationen zu den Kündigungen geben», sagt Schulpflegepräsidentin Pia Viel auf Anfrage.

Claude Schellenberg, Oberstufenschulleiter in Ehrendingen und gleichzeitig Klassenlehrer an der Real, hat sich dazu entschlossen, über die Krisensituation zu sprechen. «Damit die Schüler und Eltern wissen, was Sache ist.» Ein Realschullehrer habe gekündigt, weil grosse Ungewissheit herrsche, ob und wann die Oberstufe in den kommenden Jahren nach Baden gezügelt werden soll.

Die Kündigungen der weiteren Reallehrer seien wegen einer Krisensituation zustande gekommen, erzählt Schellenberg. Die Krise sei losgegangen, als Eltern einer Klasse die Schulleitung aufforderten, einen Elternabend einzuberufen.

«Die Eltern haben von Missständen gesprochen, die teilweise völlig unhaltbar waren, darum hat die Schulleitung beschlossen, keinen Elternabend einzuberufen.» Gesprächsbereitschaft sei aber  signalisiert und auch angeboten worden.

Vertrauensverhältnis litt

Welches die Vorwürfe der Eltern waren, möchte er nicht sagen. «Die Schulpflege hat die Missstände aber nicht überprüft und den Elternabend durchgeführt.» Die Schulpflege habe damit ihre Kompetenzen überschritten, die Trennung zwischen strategischen und operativen Aufgaben sei nicht eingehalten worden, sagt Schellenberg.

«Ein gravierender Vertrauensbruch zwischen den Lehrern und der Schulpflege war die Folge, das Vertrauensverhältnis wurde immer schlechter.»

Am 11. Juni habe eine Krisensitzung stattgefunden. «Wir haben einkomplettes Lehrerteam für das kommende Schuljahr präsentiert.» Diese Lehrer wären bereit gewesen, in Ehrendingen zu unterrichten - unter der Bedingung, dass die Schulpflege die Kompetenzen wieder zurückgibt. Ebenso hätte eine Nichtverlängerung eines befristeten Arbeitsvertrages einer Lehrkraft zurückgenommen werden sollen. «Die Schulpflege wollte das aber nicht.» Darum haben Claude Schellenberg und ein weiterer Lehrer ihre Stellen gekündigt. «Jetzt hat die Real keine Lehrer mehr», sagt Claude Schellenberg.

Die Folge werde sehr wahrscheinlich sein, dass nicht alle Stellen besetzt werden können, vermutet er. «Damit wäre auch der Sekundarschulstandort gefährdet. Denn es gibt Fachlehrer, die sowohl an der Real als auch an der Sek unterrichten», sagt Schellenberg.

Unterricht in anderen Gemeinden?

Schulpflegepräsidentin Pia Viel nimmt keine Stellung zu den Aussagen von Claude Schellenberg. Sie antwortet aber auf die Frage, wo die Jugendlichen zur Schule gehen werden, falls keine Lehrer gefunden werden könnten.

«Wir klären derzeit ab, ob es die Möglichkeit gäbe, dass die Schülerinnen und Schüler in anderen Gemeinden unterrichtet werden könnten», sagt Pia Viel. «Wir sind aber zuversichtlich, dass wir die Stellen in Ehrendingen besetzen und den Schulbetrieb im neuen Schuljahr aufrechterhalten können.»

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