Wettingen
Elektroauto kostet dreimal so viel wie sein Benzin-Vorgänger

Geschäftsführer Peter Wiederkehr vom Elektrizitäts- und Wasserwerk Wettingen (EWW) war erstaunt, als er die Rechnung von der Motorfahrzeugabgabe sah: Das neue Elektroauto mit 64 PS kostet so viel wie ein Offroader mit 5200 Kubikzentimeter Hubraum.

Lukas Bertschi
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Wurde vor drei Monaten angeschafft. Das neue EWW-Elektroauto – hier gerade beim Aufladen. lukas bertschi

Wurde vor drei Monaten angeschafft. Das neue EWW-Elektroauto – hier gerade beim Aufladen. lukas bertschi

Peter Wiederkehr vom Elektrizitäts- und Wasserwerk Wettingen (EWW) war erstaunt, als er die Rechnung von der Motorfahrzeugabgabe sah: Das neue Elektroauto mit 64 PS kostet so viel wie ein Offroader mit 5200 Kubikzentimeter Hubraum.

«Das Problem ist, dass man etwas Gutes tut und dann noch mehr bezahlen muss», sagt Wiederkehr. Als die erste Rechnung eingetroffen sei, sei man erschrocken. Das Elektroauto kostet die Firma jährlich 684 Franken, der ausgemusterte VW Polo kostete lediglich 228 Franken im Jahr. Die Problematik tritt nicht zum ersten Mal in Erscheinung, sie ist aber immer noch nicht gelöst.

Gesetz aus den 70er-Jahren

Die hohen Gebühren für Elektroautos wären im Kanton Aargau kein Thema mehr, wenn das Gesetz über die Motorfahrzeugabgaben 2010 im Grossen Rat nicht abgelehnt worden wäre. Nun gilt aber immer noch das Dekret aus den 70er-Jahren. «Damals gab es keine so leistungsstarken Elektroautos», erklärt Hans-Martin Plüss vom Departement Bau, Verkehr und Umwelt.

Während der Beitrag für normale Autos mithilfe des Hubraumes ermittelt wird, berechnet sich der Preis bei den Elektroautos anhand der «garantierten Leistung an der Motorwelle». Die heutigen Elektroautos werden nach dieser Berechnungsvariante unverhältnismässig hoch besteuert.

«Eine Privatperson verliert da gleich die Lust, wenn nach dem teuren Autokauf auch noch die Verkehrssteuerrechnung viel höher ausfällt», so Wiederkehr. Das EWW hätte wahrscheinlich aber selbst dann nicht auf das Elektroauto verzichtet, wenn die Höhe der Abgabe bekannt gewesen wäre. «Wir wollen Erfahrungen mit der Technologie sammeln», sagt Wiederkehr. Es gehe auch darum, Pionierarbeit zu übernehmen.
In seinem Newsletter rechnet das EWW vor, dass jährlich 360 Millionen Liter Treibstoff und somit rund 830000 Tonnen CO2 eingespart werden könnten, wenn nur 10 Prozent der 4 Millionen Fahrzeuge in der Schweiz durch Elektroautos ersetzt würden. Diese würden 1,5 Prozent des in der Schweiz produzierten Stroms benötigen.

In Zürich und Solothurn gratis

Dass die Abgaben für Elektroautos zurzeit zu hoch sind, ist praktisch unbestritten. «Es gibt keinen Grund für eine Strafsteuer», sagt auch Plüss. In anderen Kantonen wie in Solothurn oder Zürich sind Elektroautos von der Abgabe befreit oder es wird grosszügig Rabatt gewährt wie im Kanton Basel-Land.

Es bleibt zu hoffen, dass sich auch im Aargau bald eine Lösung finden lässt. Sei dies im Rahmen eines neuen Gesetzes für die Motorfahrzeugabgaben oder mit einem gezielten Rabatt für Elektroautos.