Der heute 42-jährige Unternehmer aus einfachen Verhältnissen hat trotz des geschäftlichen Erfolgs seine Bescheidenheit bewahrt. Ein Rundgang mit dem Firmenchef durch das Logistikzentrum in Willisau zeigt eine hohe Mitarbeiterkultur und lässt erstaunen, dass trotz dem Geschäftsgrundsatz – «heute bestellt morgen geliefert» – keine Hektik herrscht.

Die steile Karriere von Roland Brack ist einerseits hart erarbeitet, andererseits verfügt er über einen guten Riecher, denn bereits als Schüler hat er Ende der 1980er-Jahre das enorme Potenzial der Elektronik erkannt. Vom Estrich des Elternhauses in Bözen aus belieferte er Kunden mit Elektronik-Artikeln – die ersten Anfänge des Online-Shoppings. Nach der Lehre und dem Abschluss der Fachhochschule Brugg-Windisch startete er 1994, also vor genau 20 Jahren, das heutige Geschäft. Im Jubiläumsjahr erwies die lose Vereinigung der Bözer Veteranen dem jungen und wohl erfolgreichsten Bözer mit einem Besuch die Reverenz.

Roland Brack hat sich als Jugendlicher im Elektronik-Bereich eine hohe Kompetenz angeeignet, in einer Zeit, als sich noch viele sträubten, den Computer als Arbeitsmittel zu akzeptieren. Der prompte Versand von Elektronikartikeln, kombiniert mit Serviceleistungen und Beratung, legte den Grundstein zum Geschäftserfolg. Im Gewerbepark in Mägenwil stiess das Unternehmen bereits vor einigen Jahren an räumliche Grenzen. Heute sind dort 300 Mitarbeiter beschäftigt.

Mit dem Kauf des leerstehenden Lego-Produktionsgebäudes in Willisau verfügt das Unternehmen nun über die räumlichen Voraussetzungen für eine weitere Expansion. Die Schliessung des Lego-Werks 2006 und der Verlust von 300 Arbeitsplätzen war für das Entlebuch damals ein Schock. So war man allgemein erleichtert, als Roland Brack 2011 das eindrückliche Gebäude mit einer nutzbaren Fläche von 55 000 Quadratmetern erwarb und dort 2012 den Betrieb aufnahm.

Willisau ist zum Logistikzentrum der Brack-Unternehmen geworden. Dank modernster Lagerbewirtschaftung und einem hohen Automatisierungsgrad verlassen tagtäglich 5000 bis 10 000 Pakete das Haus. 100 Mitarbeiter, darunter acht Menschen mit einer Behinderung, sorgen für diesen beachtlichen Output, «denn es lässt sich nicht alles automatisieren», so Brack. Mit jährlich rund einer Million Pakete trägt Brack ein Prozent zum gesamten Paketvolumen der Schweiz bei. Im bestehenden Kleinteile-Lagersystem werden 83 000 Behälter mit einem Fassungsvermögen von 10 400 Kubikmetern von hundert Robotern bewirtschaftet.

Durch Fenster erhält man Einblick in eine gespenstische Welt kreuz und quer rasender Roboter. Im hermetisch abgeschlossenen Raum ist aus Brandschutzgründen der Sauerstoff abgesenkt. «Diese Anlage ist weltweit die erste dieser Art», erklärt Roland Brack beinahe mit einem Understatement.

Der ursprüngliche Versand von Computerteilen ist praktisch auf die gesamte Geräteproduktepalette des täglichen Lebens ausgeweitet worden. Roland Brack ist mit seinen Firmen Brack Electronics und Alltron somit nicht nur Distributor für die eigenen Produkte, sondern auch für Dutzende anderer Firmen, welche die effiziente Versanddienstleistung in Anspruch nehmen. «Wir bauen das Sortiment und unsere Dienstleistungen Schritt für Schritt aus», umschreibt Roland Brack die vorsichtige Strategie und weist auf die Raumreserve im grosszügigen, ehemaligen Lego-Gebäude hin.

Die Einrichtung eines neuen, von Robotern bewirtschafteten Lagers ist in Vorbereitung, sodass die heutige Kapazität um weitere 120 000 Artikel mehr als verdoppelt werden kann. Bei der enormen Expansionsgeschwindigkeit liegt die Frage nach einem geschäftlichen Blick über die Landesgrenze nahe. Roland Brack wiegelt lächelnd ab: «Lieber in der Schweiz stark sein, als schwach in Europa.»