Die Eltern sind beide berufstätig und das Kind wird in eine Kinderkrippe geschickt. Das ist schon lange keine Seltenheit mehr. Was aber, wenn das Kind krank ist und zu Hause bleiben sollte? In vielen Fällen die Lösung: das altbewährte Zäpfchen und die Welt ist bald wieder in Ordnung.

«Viele Eltern können es sich nicht leisten, auf der Arbeit zu fehlen», sagt eine Betreuerin der Kinderkrippe Kolibri in Baden. Die Eltern stünden unter grossem Druck, denn leider seien nicht alle Arbeitgeber kinderfreundlich. «Für uns ist das nachvollziehbar. Dass andere Kinder dadurch leicht angesteckt werden können, ist vielen Eltern nicht bewusst», so die Betreuerin. Gerade während des Winters spüren die Mitarbeiter vieler Krippen, dass Kinder häufiger krank sind und bereits krank in die Krippen gebracht werden. Dies scheint nicht nur in Zürich der Fall zu sein, wie der «Tages-Anzeiger» vor zwei Wochen berichtete.

Klare Regeln: nur gesunde Kinder

«Dass Eltern nicht auf Abruf ihre Kinder abholen können, wenn diese im Verlaufe des Tages erkranken, ist klar», sagt Rahel Bürli, die Hortleiterin des Kinderhorts Cheschtenebaum in Bad Zurzach. Der Kinderhort versuche aber mit den Eltern bilateral eine Lösung zu finden, damit sich diese in Ruhe organisieren können. Sie sagt: «Zum Schutze der anderen Kinder, dürfen die kranken Kinder während der Ansteckungszeit den Hort nicht besuchen.»

Im Chinderhuus Spatzenäscht in Wettingen sieht das ähnlich aus. «Kinder, die nur leicht kränkeln, werden aufgenommen», so Leiterin Patricia Frei. Nur bei ansteckenden Krankheiten wie Magen-Darm-Grippen und ab 38 Grad Fieber müssten die Kinder zu Hause bleiben. So könne verhindert werden, dass andere Kinder angesteckt werden. «Ein Reglement und ein Dossier halten fest, wann Kinder in die Krippe gebracht werden dürfen und wann sie eine Ansteckungsgefahr für andere darstellen können», erklärt die Leiterin. Momentan würden sich die Krankheitsfälle in Grenzen halten. Grippewellen hätten sie meist im Dezember um Weihnachten. Nicht verhindert werden könnten die Fälle, in denen den Kindern am Morgen ein Zäpfchen gegeben werde. «Es gibt wohl keine Krippe, die das nicht kennt», sagt die Leiterin.

Fehlendes soziales Netzwerk

Das sieht Krippenleiterin Daniela Treyer aus der Kita Tatzelwurm in Brugg auch so: «Das Zäpfchenphänomen ist weit verbreitet.» Die Kinder müssten bei ihnen gesund sein. Da sie den Eltern aber nicht vorschreiben, sie zu impfen, sei das nicht immer der Fall.

Besonders Kinder, die neu in die Krippe kommen, seien anfälliger auf Krankheiten. Das Hauptproblem sieht Treyer im fehlenden sozialen Netzwerk. Familien, die aus dem Ausland in die Schweiz ziehen und neu sind, könnten oft ihre Kinder in Krankheitsfällen nicht zu Verwandten bringen. «Sie arbeiten viel, haben Angst ihren Job zu verlieren und ihnen fehlt das Netzwerk. Deshalb bringen sie ihre Kinder in die Krippe – auch wenn diese krank sind.»

Das führe an manchen Orten zum regelrechten Dominoeffekt. Krankheiten, wie Magen-Darm-Grippen könnten von Kindern verschleppt und weitergegeben werden. Treyer erinnert sich: «Wir hatten einmal drei Monate lang mit einem Virus zu kämpfen. Es wurden immer wieder neue Kinder angesteckt.» Das sei nicht nur für die Kinder sehr mühsam, sondern gehe auch den Mitarbeitern extrem an die Substanz und verursache viel zusätzliche Arbeit. In der Kinderkrippe Kolibri ist man sich aber sicher: «Gegenseitig anstecken werden sich Kinder immer und Krippen sind Orte, wo sich Bakterien sehr schnell verbreiten können.» Um das Immunsystem der Kinder in ihrer Krippe zu stärken, gebe es bei ihnen eine Waldspielgruppe, so eine Betreuerin. Sie ist überzeugt, dass Kinder im Kontakt mit der Natur Abwehrkräfte produzieren und deshalb seltener krank werden.

Krippenleiterin Treyer der Kinderkrippe Tatzelwurm: «Eigentlich sollte es eine Kinderkrippe für nur kranke Kinder geben.» Dort könnten sie sich gemeinsam aufhalten. «Gegenseitig anstecken geht ja nicht, wenn sie alle bereits krank sind. Das wäre eine echte Marktlücke», sagt sie und lacht.