Wettingen
Eltern sollen für den Mittagstisch tiefer in die Tasche greifen

Ein Platz am Mittagstisch könnte bald gegen 30 Franken pro Kind kosten - zumindest für gut verdienende Eltern. Die Familien-Partei CVP fordert höhere Elternbeiträge für die Kinderbetreuung. Der Gemeinderat hält dagegen.

Sabina Galbiati
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In Wettingen sollen gut verdienende Eltern bald deutlich mehr für die Kinderbetreuung über Mittag zahlen.

In Wettingen sollen gut verdienende Eltern bald deutlich mehr für die Kinderbetreuung über Mittag zahlen.

EMANUEL PER FREUDIGER

Eltern sollen ab dem kommenden Schuljahr tiefer in die Tasche greifen, wenn es um die Mittagsbetreuung ihrer schulpflichtigen Kinder geht. In diesem Punkt sind sich die CVP Wettingen und der Gemeinderat einig. Doch an der Höhe der Beiträge scheiden sich die Geister.

Momentan zahlen Eltern für die Mittagsbetreuung pro Kind einen Beitrag zwischen 6.50 und 15 Franken, je nach Einkommen. Die CVP fordert, dass die Spannweite neu zwischen 6.50 und dem Vollkostenbeitrag von 31. 35 Franken liegt. Dass die Forderung ausgerechnet von der familienfreundlichen CVP kommt, erstaunt. Doch CVP-Einwohnerrat Christian Wassmer erklärt: «Die CVP unterstützt Tagesstrukturen als eine der Betreuungsformen. Die Kosten sollen jedoch vom Verursacher getragen werden und die Gemeinde unterstützt wo notwendig.» Es sei nicht einzusehen, weshalb die Gemeinde jemanden mit 120 000 Franken steuerbarem Einkommen den Mittagstisch subventionieren solle, sagt er und ergänzt: «Die Betreuung über Mittag soll eine Ausweichmöglichkeit darstellen für diejenigen, die nicht die Möglichkeit haben, ihre Kinder persönlich zu betreuen und zu verpflegen.» Die CVP ist der Meinung, dass die Betreuung zu Hause immer noch die Beste ist. Zudem sollen die Eltern auch andere Möglichkeiten in Betracht ziehen. «Zum Beispiel könnten sie sich untereinander organisieren und mehrere Kinder abwechslungsweise im eigenen Heim bekochen und betreuen» schlägt Wassmer vor.

Gemeinderat befürchtet Attraktivitätsverlust

So weit wie die CVP will der Gemeinderat nicht gehen und schlägt vor, die Elternbeiträge für Mittagsbetreuung zwischen 6.50 und 18 Franken anzusetzen.

SP-Gemeinderätin und Sozialvorsteherin Yvonne Feri nennt gleich mehrere Gründe, weshalb auch gut verdienende Eltern von den Subventionen profitieren sollen. «Erfahrungen aus anderen Gemeinden zeigen, dass Eltern sehr rasch reagieren, wenn die Tarife erhöht werden und das Angebot nicht mehr nutzen», sagt Feri. Sie befürchtet, Eltern die mehr als 20 Franken bezahlen müssten, ihre Kinder dann lieber zum Take Away oder in die Migros zum Essen schicken.

Weiter sei die soziale Durchmischung für die Kinder eine Möglichkeit, wichtige soziale Kompetenzen zu erlernen. «Wenn Kinder der besser verdienenden Eltern nicht mehr zum Mittagstisch kommen, ist das auch ein Verlust für deren sozialen Lerneffekt», sagt sie.

Der Gemeinderat will auch für gut verdienende Eltern als Wohnort attraktiv bleiben. «Wenn eine Familie mit zwei Kindern und einem Einkommen von 120 000 Franken für die Mittagsbetreuung beider Kinder 60 Franken bezahlen muss, ist Wettingen als Wohnort kaum attraktiv», argumentiert die SP-Frau.

Schliesslich nennt sie ein weiteres Argument. «Die Schulwege sind heute länger und die Kinder haben teilweise kompliziertere Heimwege, deshalb sollten wir sicher stellen, dass eine Betreuung über Mittag nicht an zu hohen Beiträgen scheitert.»

Die 18 Franken, die der Gemeinderat als Maximalbeitrag vorschlägt, gehen der CVP zuwenig weit. «Wir werden an der kommenden Einwohnerratssitzung aber Hand bieten für eine gute Kompromisslösung», sagt Wassmer. Der CVP-Vorstoss wird ander Einwohnerratssitzung Ende Januar diskutiert.

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