Es handelt sich um einen der teuersten Kredite in der Geschichte der Stadt, über den das Badener Stimmvolk am 26. November abstimmt: 98,5 Millionen Franken will der Stadtrat in den Bau eines neuen Sekundarstufenzentrums an der Burghalde investieren. Bei einem Ja an der Urne würde schon in wenigen Monaten mit dem Bau begonnen. Während der Bauzeit soll der Unterricht der Bezirksschule –  der aktuell an der Burghalde stattfindet – in ein Container-Schuldorf auf der Ländliwiese hinter dem Schulhausplatz verlegt werden. Dieser Übergangslösung stimmte der Badener Einwohnerrat im Sommer des vergangenen Jahres fast diskussionslos zu. Der Elternrat der Tagesschule Ländli jedoch kritisierte bereits im letzten Herbst den Standort – nun spitzt sich der Widerstand zu.

Weil die Antworten des Stadtrates nicht zufriedenstellend waren, formierte sich die Interessengruppe Ländliwiese. Sie wird dem Stadtrat am Freitag eine Petition überreichen, in der sie eine «grüne Ländliwiese» fordert. Die Unterzeichner verlangen also einen neuen Standort für das Schulprovisorium. Dies hauptsächlich wegen der engen Platzverhältnisse, denn in unmittelbarer Nähe zur Wiese befinden sich die Tagesschule Ländli, das Primarschulhaus Tannegg sowie die Oberstufenschulanlage Pfaffechappe.

«Wir fordern, die Ländliwiese während des Neubaus der Burghalde und der Renovation der Pfaffechappe freizuhalten, damit alle Schulkinder genügend Platz und Bewegungsraum für ihre Entwicklung haben und den Bewohnern der Innenstadt angemessene Grünräume zur Verfügung stehen», schreibt die Interessengruppe, die von Eltern von Primar- und Oberstufenschülern gegründet wurde.

«Kinder sind keine Wühlmäuse»

Ein Mitglied der IG betont auf Anfrage, die Petition richte sich nicht gegen das Burghalden-Projekt, sondern gegen den Standort der Provisorien. «Wir würden uns wünschen, dass der Stadtrat noch einmal über die Bücher geht und den Schulkindern adäquate Aussenräume zur Verfügung stellt.» Dem Einwohnerat wurden 2016 alternative Standorte vorgeschlagen, so der Schadenmühleplatz, der Rütibuck oder der Graben. Die Standort-Prüfung für das Provisorium soll nochmals gemacht werden, fordert die Gruppierung.

Benjamin Steiner, Einwohnerrat beim Team Baden, kritisiert die Stadtregierung: «Schon im vergangenen Jahr, als der Einwohnerrat die Provisorien auf der Ländliwiese bewilligte, baten wir den Stadtrat darum, Lösungen für den knappen Aussenraum zu suchen und diese frühzeitig zu kommunizieren. Der Stadtrat hat es bis heute versäumt, solche Lösungen zu finden oder sie zu kommunizieren.» Die Verunsicherung seitens der Eltern, aber auch seitens der Schulleiter sei gross, sagt Steiner. Für viele Eltern sei beispielsweise nicht nachvollziehbar, warum der Schadenmühleplatz als Standort verworfen wurde. «Der Stadtrat argumentierte mit der Nähe zur Hauptstrasse, möglichen Nutzungskonflikten mit dem Werkhof, dem Verlust von Parkplätzen und vorhandenen Altlasten auf dem Areal. Tatsache ist doch, dass sich auch die Ländliwiese nahe an der Hauptstrasse befindet», sagt Steiner. Und auch dort könne es zu Nutzungskonflikten kommen – unter anderem mit anderen Schulen und der Polizei. «Und es handelt sich um Schulkinder, nicht um Wühlmäuse. Die Altlasten bleiben im Boden», so Steiner.

Ist der Stadtrat bereit, bei der Standortfrage noch einmal über die Bücher zu gehen? Die Antwort des Bauvorstehers Markus Schneider (CVP) wird bei den Petitionären keine Zuversicht verbreiten: «Die Standortfrage wurde sorgfältig getroffen und erläutert, auch Alternativen wurden geprüft. Dabei überwiegen die Vorteile des Standortes Ländliwiese gegenüber den Einschränkungen, welche der Standort mit sich bringt.» Unter anderem müssten auf der Wiese keine Provisorien für Fachräume wie etwa Werkzimmer erstellt werden, weil solche Fachräume in unmittelbarer Nähe im Pfaffechappe-Schulhaus zur Verfügung stehen. Die Hälfte der Provisorien beispielsweise im Graben aufzustellen, lohne sich aus finanzieller Sicht nicht, weil die Installationen teuer wären, sagt Schneider. Dass der Aussenraum um die Schulanlagen Ländli, Tannegg und Pfaffechappe eingeschränkt werde, sei dem Stadtrat bewusst; daher habe er eine Arbeitsgruppe gebildet, die sich mit der Nutzung und Gestaltung des Aussenraums beschäftige, so Schneider. Diese Gruppe habe ihre Arbeit nach den Sommerferien 2017 aufgenommen und erste Vorschläge erarbeitet.

Kritik an mangelhafter Kommunikation des Stadtrates lässt der Stadtammann-Kandidat nicht gelten: «Lehrkräfte und Schulleitungen wurden in den Sommerferien direkt informiert und ihre Anliegen wurden direkt aufgenommen. Bei zwei von drei Veranstaltungen war ich selber dabei und weiss daher, wie umfassend und offen informiert wurde», sagt Schneider. Schulvorsteherin Ruth Müri (Team) habe persönlich an einer Sitzung des Elternrates der Tagesschule Rede und Antwort gestanden.

Anfang dieser Woche wurden auch noch die Eltern von Bezschülerinnen und -schülern informiert, in einem Brief von der Volksschule Baden. «Das Provisorium ermöglicht einen Unterricht, wie wir ihn von einem ‹ganz normalen› Schulhaus gewohnt sind», heisst es darin.