Ehrendingen
Emotionale Debatte um die Lägere-Arena – wie viel darf die «einmalige Chance» kosten?

Einen Monat vor der Abstimmung zur Sporthalle trafen sich Befürworter und Gegner zum Wettkampf der Argumente.

Pirmin Kramer
Drucken
Teilen
Die Ehrendinger Bevölkerung erschien zahlreich zum Infoabend, an dem über die Lägere-Arena diskutiert wurde. Alex Spichale

Die Ehrendinger Bevölkerung erschien zahlreich zum Infoabend, an dem über die Lägere-Arena diskutiert wurde. Alex Spichale

Alex Spichale

Soll sich Ehrendingen eine neue Dreifach-Sporthalle leisten? Diese Frage dominiert die politische Debatte in der 4700-Seelen-Gemeinde schon das ganze Jahr. Die Gemeindeversammlung hatte im Juni grünes Licht für einen Projektierungskredit von 80'000 Franken gegeben, doch gegen diesen Entscheid wurde das Referendum ergriffen, sodass es im November zu einer Urnenabstimmung kommen wird.

In der Mehrzweckhalle Chilpen lieferten sich Befürworter und Gegner eine spannende, emotionale, aber immer faire Debatte. Die Ausgangslage: Der Bau einer Sporthalle ist in Ehrendingen seit Jahren ein Thema. Im Sommer 2014 präsentierte der Handballclub Ehrendingen dem Gemeinderat das Projekt Lägere-Arena beim Areal Grosswiesen, das auch von den anderen Sportvereinen im Dorf unterstützt wird.

Was die Halle kostet

80'000 Franken beträgt der Projektierungskredit für die Sporthalle Lägere-Arena, über den am 27. November an der Urne abgestimmt wird. Sagen die Stimmbürger Ja, wird das Hallenprojekt weitergeführt. Für den Bau und Landerwerb wären gemäss aktuellen Schätzungen Investitionen von 5,2 Millionen Franken nötig.

Gemäss aktueller Kostenschätzung wären für den Bau Investitionen von 5,2 Mio Franken nötig, die Vereine gehen derzeit davon aus, an die Baukosten rund 500'000 Franken durch Crowdfunding und Beiträge aus dem Swisslos-Fonds beitragen zu können. Für die Umsetzung brauchen die Initianten also die Unterstützung der Einwohnergemeinde. Der Gemeinderat befürwortet das Projekt und plädiert für ein Ja zum Projektierungskredit. Ammann Hans Hitz machte am Info-Abend aber keinen Hehl aus den finanziellen Folgen: «Ungeachtet der Entwicklung in anderen Bereichen müsste der Steuerfuss durch den Bau der Halle um 3 Prozent erhöht werden.»

Wie die Finanzkommission findet auch das Referendumskomitee, Ehrendingen könne sich die Halle nicht leisten, die Verschuldung erhöhe sich zu stark. Der Steuerfuss liege derzeit bei 110 Prozent, doch wegen der neuen Sporthalle, steigenden Sozialkosten und Pflegefinanzierung könnte er bald auf 118 Prozent erhöht werden. Ehrendingen würde dann zur Steuerhölle im Bezirk Baden, was es dringend zu verhindern gelte. Es sei nicht Aufgabe der Gemeinde, eine reine Freizeitanlage zu erstellen, argumentierte das Referendumskomitee weiter. Denn die Schule habe keinen Bedarf für eine neue Sporthalle; diese würde somit nicht den Kindern, sondern in erster Linie den Sportvereinen zu Gute kommen. Es sei ungerecht, dass die Sportvereine auf einen Schlag mit 5 Millionen Franken beschenkt würden, während beispielsweise der Männerchor von der Gemeinde mit jährlich nur 1600 Franken unterstützt werde.

So würde die Lägere-Arena aussehen

So würde die Lägere-Arena aussehen

ZVG

Mut statt Angst

Die Befürworter entgegneten, die Lägere-Arena sei eine einmalige Chance für Ehrendingen: Der Bau der Halle wäre nicht nur mit Ausgaben verbunden, sondern sei vielmehr eine Investition, die sich langfristig auch aus finanzieller Sicht ausbezahlen könnte. Denn um gute Steuerzahler anlocken und langfristig den Steuerfuss senken zu können, brauche es eine gute Infrastruktur im Dorf. Die Gemeinde habe es seit dem Zusammenschluss vor zehn Jahren verpasst, die Infrastruktur dem grossen Bevölkerungswachstum entsprechend anzupassen. Es lohne sich, nun endlich einmal Mut statt Angst zu zeigen und einen grossen Wurf zu wagen.

Ausserdem sei die Halle auch aus sozialer Sicht wichtig. Sie biete den Jugendlichen eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung. Der Bedarf sei auf jeden Fall gegeben, rund 700 Sportlerinnen und Sportler gehören dem TV Ehrendingen, dem HC Ehrendingen, den UHC Bulldogs und dem TSV Höhtal an. Die Sporthalle könnte das Dorf beleben, die Vereine wie der Handball- oder Unihockeyclub könnten endlich Heimspiele austragen, Kinder im eigenen Dorf trainieren und nicht mehr auswärts; für bewegungsbewusste Senioren würden neue Sportmöglichkeiten geschaffen. Auch Events von Nicht-Sport-Vereinen fänden in der Arena eine Heimat; beispielsweise könnten Messen durchgeführt werden, wurde an der Diskussion erwähnt, die von Martin Rupf geleitet wurde, Ressortleiter der Regionalredaktion Baden beim «Badener Tagblatt.

Etwas mehr Applaus für ihre Voten erhielten an diesem Abend die Hallen-Befürworter; doch es wäre fehl am Platz, daraus zu schliessen, dass der Kredit angenommen wird. Zur Erinnerung: An der Gemeindeversammlung im Juni machten nur gerade 13 Stimmen den Unterschied.

Aktuelle Nachrichten