Die Sonne blinzelt durch das dichte Blätterdach des Stettemer Waldes hindurch. Erdige Mannsbilder mit langen Bärten, karierten Holzfäller-Hemden und Cowboy-Hüten, Familien mit Kindern und betagte Pärchen sitzen einträchtig zusammen und lauschen der US-Band WestWend. Sängerin Wendy Crowe singt «Landslide» von Fleetwood Mac. Ihre glasklare Stimme schwebt über den Platz und hüllt die rund 500 Leute ein, die sich bereits am frühen Nachmittag zusammengefunden haben.

Das Sprichwort «Aufhören, wenn es am schönsten ist» trifft auf die 30. und letzte Ausgabe des Bluegrass Family Festivals in Stetten hundertprozentig zu. Neben der Bluegrass Family selber stehen internationale Grössen auf der mit Strohballen geschmückten Openair-Bühne: Red Wine aus Italien und Blueland aus der Slowakei sind dabei. Absolutes Highlight ist aber das amerikanische Duo Rob Ickes & Trey Hensley. Ickes wurde von der International Bluegrass Music Association zum 15. Mal zum «Dobro Player of the Year» gekürt (das Dobro klingt ähnlich wie eine Hawaiigitarre und wird waagrecht gespielt). Gitarrist Hensely trat schon mit Johnny Cash auf. In atemberaubendem Tempo wieseln die zwei Superstars auf den Saiten und peppen den traditionellen, erdigen Musik-Stil mit Blues, Rock und Soulnuancen auf. Als Zugabe gibt es Ray Charles «Leave My Woman Alone».

«Ich bin traurig, auch wenn man es mir nicht ansieht», gesteht Finn Bodenmann, Gründer der Bluegrass Family. Nach drei Dezennien Festivalorganisation blickt die 7-köpfige Formation auf Ups und Downs zurück. Bei schlechtem Wetter war das Publikumsaufkommen zu gering, um die Aufwände zu decken. «Wir berappten Defizite aus der eigenen Tasche. Meist mit den Gagen, die wir in den eigenen, darauffolgenden Konzerten einspielten», erklärt OK-Präsidentin Marlies Bonin und betont: «Musik macht die Bluegrass Familiy weiter. Nur mit dem Festival hören wir auf.» Es ist ein emotionaler Moment als sie an der Gitarre zusammen mit ihrem Mann Friedbert (Mandoline), Finn Bodenmann (Gitarre), Käthi Bodenmann (Bass), Theo Hurter (Dobro) und Christoph Kämpf (Geige) zum letzten Mal die Waldbühne betritt und «The Happy Sunny Side of Life» zum Besten gibt. Tom Bodenmann, der normalerweise am Banjo für den nötigen Drive sorgt, kann wegen einer Verletzung an der Hand nicht spielen, singt aber mit. Gäste, die dem Festival seit 30 Jahren die Treue halten, werden richtig melancholisch. Silvio Bühler - auch er ein eingefleischter Fan - übernimmt einen Teil des Equipments und veranstaltet am 19. August in Dorneckberg (BL) zum ersten Mal einen eigenen Bluegrass-Event. Die Geschichte geht weiter. Und die Bluegrass-Family krönt ihre Festival-Ära mit einem Superfinale.