Fantoche
Filmreihe aus Baden zeigt zwei Skandal-Episoden der Kultserie «South Park»

In Zusammenarbeit mit dem Animationsfilm-Festival Fantoche zeigt der Filmzyklus «royalscandalcinema» zwei Folgen der amerikanischen Kultserie «South Park», die mit Religionskritik für Empörung gesorgt hatten.

Zara Zatti
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Die Folgen von South Park sorgen immer wieder für Skandale.

Die Folgen von South Park sorgen immer wieder für Skandale.

Zvg

Skandale gehören zum Kino der Neuzeit. Diesem Aspekt des Films nimmt sich das Badener Kulturlokal «Royal» in seiner Filmreihe «royalscandalcinema» an. Gezeigt werden Filme, deren Inhalt für einen Aufschrei gesorgt hat - sei es wegen Gewaltdarstellungen, Sexszenen oder religiösen Tabuthemen.

Im Rahmen des Animationsfilm-Festivals Fantoche, das nächste Woche in Baden stattfindet, zeigt «royalscandalcinema» im Kino Trafo zwei Folgen von «South Park». Dabei soll das religionskritische Potenzial von «South Park» erkundet werden.

Bei der amerikanischen Animationsserie gehören Satire und Skandal zum Programm. Regelmässig werden in der seit 1997 laufenden Serie Reizthemen wie Rassismus, Religion, Abtreibung, Kindesmissbrauch, Drogenkonsum, Klimawandel, Geschlechterverhältnisse und politische Korrektheit zum Thema gemacht. Für Kontroversen sorgten insbesondere die religionskritischen Episoden.

Die Darstellung des Propheten Mohammed wurde zum Skandal

Am Donnerstag, 9. September, werden im Trafo-Kino die beiden Folgen «Super Best Friends» und «Trapped in the Closet» gezeigt. Beide Episoden befassen sich unter anderem mit Scientology. So handelt «Super Best Friends» davon, wie der Illusionist David Blaine den sektiererischen Kult «Blainetology» gründet. Dessen Führer betreiben Gehirnwäsche, fordern Steuerbefreiung und drohen der Regierung mit Massensuizid.

Die Folge sorgte vor allem deshalb für Entrüstung, weil darin der islamische Prophet Mohammed dargestellt wird, unzensuriert und – im Sinne eines Superheldencomics – eingeführt als «the Muslim prophet with the powers of flame». Bei der Premiere der Folge am 4. Juli 2001 wurde das ohne Empörung aufgenommen. Als 2005 der sogenannte «Karikaturenstreit» um die Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen in der dänischen Tageszeitung Jyllands-Posten zu einer transnationalen Mediendebatte führte, geriet die Folge in den Fokus. Die Macher von «South Park» erhielten sogar Todesdrohungen von einer in New York ansässigen islamistischen Gruppierung namens «Revolution Muslim».

Disput zwischen South Park und Scientology

Die Folge «Trapped in the Closet» wurde zum Skandal, weil sie in den Schöpfungsmythos von Scientology einführt. Innerhalb von Scientology gilt dieser allerdings als Geheimwissen, das erst für Eingeweihte zugänglich ist. Die Veröffentlichung dieses Geheimwissens wird von Scientologen als blasphemischer Akt wahrgenommen. Zwischen «South Park» und der Church of Scientology entbrannte ein jahrelanger Disput.

Beide Folgen werden in Baden unzensiert gezeigt. Vorher hält der Theologe Emil Bjørn Hilton Saggau ein Einführungsreferat. Er bietet Einblick in die Skandalisierungsprozesse, die mit den beiden Folgen von «South Park» verbunden sind. Saggau forscht an der Universität Lund in Schwede und beschäftigt sich mit Religionsbildern in der Populärkultur, unter anderem mit Religion und Religionskritik in South Park, Family Guy und den Simpsons.

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