Baden
Energiekonzept: 2000-Watt-Gesellschaft bis im Jahr 2100

Das Energiekonzept 2017 bis 2026 nimmt auch die Mobilität ins Visier. 6,2 Tonnen CO2 pro Person und Jahr ist der Zielwert des Ausstosses für die Stadt Baden im Jahr 2026.

Roman Huber
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Zusätzliche Arbeitsplätze und Wohnungen sollen nicht zwangsläufig zu Mehrverkehr auf der Strasse führen. Archiv/ASP

Zusätzliche Arbeitsplätze und Wohnungen sollen nicht zwangsläufig zu Mehrverkehr auf der Strasse führen. Archiv/ASP

Alex Spichale

An seiner Januarsitzung wird der Einwohnerrat über die Energiepolitik der Stadt diskutieren. Der Stadtrat legt dazu ein neues Energiekonzept vor, das sich auf den Grundlagenbericht der bisher erreichten Resultate stützt. Es ist zudem in ein Leitbild mit breitem Massnahmenkatalog und in einen behördenverbindlichen Energierichtplan gegliedert. Die Entwicklung bis ins Jahr 2026 wird als eine Etappe auf dem Weg zur 2000-Watt-Gesellschaft definiert, deren Ziele schweizweit bis ins Jahr 2100 erreicht werden sollen.

Für die Periode 2017 bis 2026 visiert die Stadt Baden, die mit 33 weiteren Schweizer Städten die Auszeichnung des «European Energy Award Gold» trägt, als erstes Ziel die Reduktion von Treibhausgasen an: Der jährliche Ausstoss von Treibhausgasen sinkt bis 2026 um mindestens 30 Prozent auf 6,2 Tonnen CO2-Äquivalente pro Person gegenüber 2013 (7,6); das entspricht dem Gesamtwert der Treibhausgase (inklusive Methan, Lachgas etc.) und all ihrer Produzenten (Private, Firmen und deren Verkehr) geteilt durch die Einwohnerzahl. Zum Vergleich: Der gesamtschweizerische Wert liegt heute bei 4,63 Tonnen, derjenige der USA ist vier Mal höher, weltweit Spitzenreiter ist Katar (zehn Mal höher).

Als zweites Ziel soll der Verbrauch an Primärenergie in derselben Zeitspanne um 15 Prozent auf durchschnittlich 5600 Watt pro Person sinken. Als drittes Ziel sollen Produkte und Dienstleistungen, die mit erneuerbaren Energiequellen oder auf treibhausgasarmen Prozessen bereitgestellt werden, besonders beachtet und von der Stadtverwaltung gefördert werden.

Handeln, wo es möglich ist

Baden war im Jahr 1993 eine der ersten Schweizer Städte, die ein Energieleitbild verfasste. Die Bemühungen wurden im Jahre 2006 mit dem Label «European Energy Award» in Gold gekrönt. Im selben Jahr legte der Stadtrat einen Zwischenbericht vor, und der Einwohnerrat sprach einen zusätzlichen Rahmenkredit von 1,5 Millionen Franken für die weitere Umsetzung. Weil sich die Erarbeitung eines neuen Energieleitbildes verzögerte, bedurfte es im Jahr 2013 eines Nachtragskredits von 1,5 Mio. Franken, den der Einwohnerrat mit Zweidrittelmehrheit genehmigte.

Mit der neuen Vorlage unterbreitet der Stadtrat dem Einwohnerrat nicht nur ein Leitbild wie bis anhin, sondern ein Energiekonzept. Nebst dem Grundlagenbericht über das bislang Erreichte, Grund- und Leitsätze enthält es Unterziele und einen breiten Massnahmenkatalog.

Jährlich sollen 280 000 Franken für die Umsetzung eingesetzt werden. Das ist wesentlich weniger, als in den letzten Jahren. In den nächsten drei bis vier Jahren kann der Betrag dem bestehenden Rahmenkredit belastet werden. Die Bandbreite der Massnahmen reicht von der Installation von Photovoltaikanlagen auf hierfür geeigneten städtischen Bauten, effizienteren gebäudetechnischen Anlagen, Sanierungen, Elektroautos für den Fahrzeugpark über ökologisch vorbildliches Verhalten der städtischen Verwaltung bis zur Beratung und Förderung desselben bei Privaten. Gegliedert ist das gesamte Paket in Massnahmen bei der Infrastruktur, für ein verändertes Verhalten und das Sicherstellen von Prozessen, Beratung und Information.

«Wir wollen keinen Zwang ausüben», erklärt Stadtammann Geri Müller. «Mit dem neuen Energiekonzept haben wir nicht nur das Ziel definiert, sondern auch den Weg aufgezeigt, auf dem wir dorthin gelangen wollen.» Mit den Massnahmen werden in erster Linie Anreize geschaffen, die zu einem veränderten Verhalten motivieren.

Bei der Mobilität enthält das Konzept ein Bündel von Massnahmen wie Wettbewerbe und Anreize, die zu einem anderen Verkehrsverhalten hinführen. Das sei unabdingbar, wenn die Mobilität in und um Baden gewährleistet werden soll, sagt Müller. Die Stadtverwaltung selber will verstärkt auf Verhaltungsänderung hinwirken, indem sie beispielsweise Bauherren auf den ökologischen Weg und zum Beispiel Geothermie oder Alternativen anbietet.