Ennetbaden
50 Meter breit, 20 Meter hoch: Reichen Anwohner Beschwerde gegen Schulhaus-Neubau ein?

Für den Bau des fünfstöckigen Schulhauses Bachtal muss sich Ennetbaden verschulden – Anwohner überlegen sich eine Beschwerde.

Philipp Zimmermann
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Visualisierung: Das neue Schulhaus (rechts) soll 20 Meter hoch und 50 Meter breit werden.

Visualisierung: Das neue Schulhaus (rechts) soll 20 Meter hoch und 50 Meter breit werden.

Bild: zvg

Es war der höchste Kredit, über den Ennetbaden je abgestimmt hat: Die Gemeindeversammlung vom 27. August genehmigte die Investition von 20,6 Millionen Franken in Schulhausbauten, bei 163 Ja- zu 25 Nein-Stimmen. Den Löwenanteil von 15,3 Millionen ist für den Bau des neuen Schulhauses Bachtal vorgesehen. 1,9 Millionen sind für die Sanierung des Schulhauses Posttal veranschlagt. Rund eine Million für Provisorien auf dem Schulhausplatz während der Bauzeit. Im August 2023 soll das neue Schulhaus eingeweiht werden.

Allein im Jahr 2021 sieht der Investitionsplan 5,5 Millionen Franken für das Projekt vor. Doch ob diese auch wirklich ausgegeben werden, steht noch nicht fest. Zwar liegt die Baubewilligung – mit zahlreichen Auflagen – vor, doch es gibt Widerstand. Es gab vier Einwendungen gegen das Baugesuch, wie Gemeindeammann Pius Graf ausführt. Sie stammten von Anwohnerinnen und Anwohnern, die sich teilweise zusammen taten. Zwei Punkte sind ihnen ein Dorn im Auge: der Lärm rund ums Schulhaus und dessen Grösse. Heute besuchen 300 Kinder die Primarschule und Kindergarten in Ennetbaden. «Eine Aussenrutschbahn haben wir als Entgegenkommen gestrichen», sagt Pius Graf zum Streitpunkt Lärm. «Aufgrund eines Lärmgutachtens sind wir optimistisch, dass keine Beschwerden gegen die Baubewilligung an den Regierungsrat eingereicht werden», sagt der Gemeindeammann.

Die Grösse des Gebäudes steht in der Kritik

Der zweite Streitpunkt betrifft die Grösse des neuen Schulhauses Bachtal. Auch hier kam es keiner Einigung mit den Gegnern, die als Anwohner einspracheberechtigt sind. An der Gemeindeversammlung waren mehrere kritische Voten zu hören. Das neue Schulhaus wird 50 Meter lang, 12 Meter breit und vom Parkhaus her gesehen 20 Meter hoch sein.

Neubau Schulhaus Bachtal in Ennetbaden - Durchgang und Treppenturm - Visualisierung

Neubau Schulhaus Bachtal in Ennetbaden - Durchgang und Treppenturm - Visualisierung

Zvg / Badener Tagblatt

«Ein solches Projekt passt nicht in die Umgebung», sagte ein Gegner an der Gemeindeversammlung vom August. Das Schulhaus wird mit fünf Stöcken einen mehr aufweisen als das jetzige Schulhaus von 1964. Es sei unbestritten, dass Ennetbaden ein neues Schulhaus brauche, sagte er weiter. Jedoch: «Der Neubau ist überdimensioniert. Es werden Räume auf Vorrat gebaut.» Er forderte ein Schulhaus mit einem Stockwerk weniger.

Ein anderer Bürger kritisierte, dass Ennetbaden «mit der grossen Kelle» anrichte, weil die Finanzen das erlauben würden. Der Steuerfuss liegt bei 97 Prozent. Das Vermögen liegt bei rund zwölf Millionen Franken. Der Gemeinderat rechnet für 2024 mit einer Verschuldung von 9,3 Millionen Franken. Ennetbaden könne die Verschuldung aber tragen.

Der Neubau sieht acht Klassenzimmer und Gruppenräume für Primarschule und Kindergarten, dazu eine Bibliothek, eine Eingangshalle und einen Schutzraum sowie Technik- und Nebenräume. Der Gemeinderat rechnet aufgrund der kantonalen Bevölkerungsprognose damit, dass sich die Zahl der Einwohner von 3510 (Ende 2019) in den nächsten 15 Jahren auf 3800 bis 4000 erhöhen wird. Womit auch die Schülerzahlen steigen dürften. Zurzeit werden in Ennetbaden sämtliche Klassen doppelt geführt. «Es wäre ausserordentlich, wenn wir bei einem Jahrgang drei Klassen führen müssten.» Spielraum hat die Gemeinde bei der Klassengrösse. «Wir bauen nicht auf Vorrat», entgegnet Pius Graf auf die Kritik. Auch ein neues Projekt würde zwingend ein Geschoss mehr aufweisen. Aufgrund der Bau- und Nutzungsordnung sei das zulässig.

Neubau Schulhaus Bachtal in Ennetbaden - Kindergarten - Visualisierung

Neubau Schulhaus Bachtal in Ennetbaden - Kindergarten - Visualisierung

Zvg / Badener Tagblatt

Die Beschwerdefrist zur Baubewilligung läuft bis zum 16. November. Ob Einsprachen eingereicht werden, ist noch unklar. Gemäss Recherchen der AZ sieht ein Teil der Schulhausgegner davon ab, andere möchten sich zurzeit nicht dazu äussern. Es geht um viel Geld: Die Gemeinde müsste bei einer Niederlage 1,5 Millionen Franken Planungskosten abschreiben und die bereits laufende Ausschreibung für die Provisorien abbrechen. «Dann wären wir zurück auf Feld eins», sagt Graf. Beschwerdeführer müssen mit Gerichts- und Anwaltskosten in fünfstelliger Höhe rechnen. Würde der Regierungsrat eine Beschwerde abweisen und ein Schulhausgegner diese bis zum Verwaltungs- oder gar Bundesgericht weiterziehen, dürfte noch viel Zeit verstreichen. «Wir rechnen für diesen Fall mit bis zu drei Jahren Verzögerung», sagt Pius Graf.

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