Ennetbaden
Die reichste Gemeinde im Bezirk Baden zahlt Negativzinsen – warum es nur ein kleiner Betrag ist

Ennetbaden hat einige Millionen Franken auf Bankkonten – und tut einiges, um möglichst wenig Negativzinsen zahlen zu müssen.

Philipp Zimmermann
Drucken
Teilen
Blick auf den Rebberg Geissberg und Ennetbaden (25. März 2021).

Blick auf den Rebberg Geissberg und Ennetbaden (25. März 2021).

Severin Bigler

Ennetbaden ist die Gemeinde mit dem grössten Vermögen im Bezirk Baden, wie eine Übersicht der AZ von Ende Juli zeigte. Ende 2020 betrug das Nettovermögen (ohne Spezialfinanzierungen) der 3500-Einwohner-Gemeinde 14,9 Millionen Franken, bei den liquiden Mitteln waren es 5,8 Millionen Franken.

Damit stellt sich auch die Frage: Musste Ennetbaden etwa Negativzinsen zahlen, so wie manche Privatpersonen mit Vermögen? Corina Schönenberger, Leiterin Finanzen, bestätigt dies. Allerdings hält sich der Betrag in Grenzen. «Im Jahr 2020 sind Negativzinsen von insgesamt 113,32 Franken angefallen», führt sie aus.

Wie ist es möglich, dass der Betrag nicht höher ausfiel? Ennetbaden erhalte von mehreren Banken Limiten, bis zu denen keine Negativzinsen anfallen, führt Corina Schönenberger aus und sagt: «Aktuell können wir somit insgesamt 6,1 Millionen Franken ohne Negativzinsen auf den Konten halten.»

«Negativzinsen lassen sich nicht ausschliessen»

Negativzins würden sich aber leider auch durch Liquiditätsplanung und -überwachung, Steuerung und Planung grösserer Zahlungen wie beim Finanzausgleich nicht zu 100 Prozent ausschliessen lassen, führt sie aus.

Ennetbaden hat zurzeit zwar ein grosses Vermögen, doch das wird sich in den nächsten Jahren ändern. Der Grund ist eine Grossinvestition: Für Schulhausbauten sprach die Gemeindeversammlung vom August 2020 einen Kredit in Höhe von 20,6 Millionen Franken. Den Löwenanteil von 15,3 Millionen Franken ist für den Neubau des Schulhauses Bachtal reserviert. Im Juli startete der Abriss des alten Schulhauses. An seiner Stelle wird der höhere Neubau erstellt, der im August 2023 eingeweiht werden soll.

Ennetbaden wird sich verschulden

Die Gemeinde hat in den vergangenen Jahren bewusst ein Vermögen für dieses Projekt angehäuft. Der Gemeinderat erwartet aber, dass dies für die Grossinvestition nicht ausreichen wird. «Gemäss aktuellem Finanzplan beträgt die Nettoverschuldung 2025 vorübergehend maximal 7,5 Millionen Franken», sagt Corina Schönenberger. Eine Erhöhung des Steuerfusses von aktuell 97 Prozent ist nicht geplant, wie der Gemeinderat mehrfach unterstrich.

«Die starken Investitionstätigkeiten in den nächsten Jahren werden zusätzlich dazu beitragen, dass im Normalfall keine Negativzinsen anfallen sollten», sagt denn auch Corina Schönenberger. Und: «Bei der Aufnahme von kurzfristigen Darlehen während der Bauphase wird die Gemeinde Ennetbaden durch ein gutes Rating auch von Negativzinsen profitieren können.»

Aktuelle Nachrichten