Ennetbaden
Ennetbadenerin ist die oberste Pfaderin der Schweiz

Ennetbaden ist das Zentrum der Pfadi-Welt. Dort wohnt mit Corinna Hauri bereits die höchste Pfaderin Europas. Und jüngst wurde Barabara Blanc zur höchsten Pfaderin der Schweiz gewählt. Dabei hat Ennetbaden nicht einmal eine eigene Pfadi.

Manuel Bühlmann
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Die Krawatte in den Landesfarben sitzt: Barbara Blanc. Alex Spichale

Die Krawatte in den Landesfarben sitzt: Barbara Blanc. Alex Spichale

«Höchste Pfaderin des Landes», den Titel hört die frisch gewählte Präsidentin der Pfadibewegung Schweiz (PBS) nicht besonders gern. «Die Leiterinnen und Leiter sollen für die Kinder die wichtigsten Personen sein, nicht ich.» Aufgabe der nationalen Ebene der PBS sei nicht die Arbeit an der Basis, sagt die 42-Jährige. Stattdessen möchte sie in ihrer Amtszeit zu möglichst optimalen Bedingungen für lokale und kantonale Pfadis beitragen – etwa bei den Lagerplätzen.

2000 Aargauer Pfadis

Über 42 500 Mitglieder zählt die Pfadi schweizweit, rund 2000 davon im Aargau. Die Bewegung entstand 1907 in Grossbritannien. Erste Abteilungen wurden hierzulande 1913 gegründet, heute sind es insgesamt 600. Innerhalb der letzten zehn Jahre ist die Zahl der Mitglieder in der Schweiz um knapp 4000 gesunken. (Mbü)

Barbara Blanc ist sich gewohnt, unter schwierigen Bedingungen ein Lager zu organisieren. An einem Weltpfaditreffen etwa musste sie für eine 120-köpfige Delegation einen Lagerplatz finden – mitten in der Millionenstadt Mexico City. Fündig wurde sie damals in der Schweizer Schule. Weil gerade Ferien waren, kam ihre Gruppe dort unter. Später kehrte die heutige Mitarbeiterin an der Pädagogischen Hochschule Zürich dorthin zurück, um an der Schule zu unterrichten. Auch der Kontakt nach Burkina Faso, wo sie ein Jahr als Lehrerin arbeitete, entstand durch Pfadi-Bekanntschaften.

In dieser Zeit lernte Blanc die lokale Pfadi-Szene und damit auch die Unterschiede zur Schweiz kennen. «Anstelle von Spielen steht der Dienst an der Gesellschaft im Vordergrund.» Sie helfen beim Aufbau von Schulen, bei der Aufforstung von Wäldern, bei der Betreuung von älteren oder kranken Menschen. «Die Pfadis leisten das, was der Staat nicht kann.» Entsprechend treten die Leute auf: «In Mexiko und Burkina Faso tragen sie die Uniform mit grossem Stolz.» In der Deutschschweiz sei dies häufig anders. Hemd, Abzeichen und Krawatte seien ihr phasenweise etwas fremd erschienen.

Seit ihren Auslandaufenthalten zeige sie aber gerne, dass sie zur Pfadi-Bewegung gehöre. Für den Fototermin im nahen Wald zieht sie denn auch ihr dunkelgrünes Hemd an. Dazu wählt sie die rot-weisse Krawatte: Die Landesfarben stehen für den nationalen Pfadiverband. Stolz zeigt sie auch ihre beiden anderen Exemplare: Die grün-weisse der Pfadi St. Gallen-Appenzell, die blau-weisse ihrer Abteilung. «Fiffan» ist darauf gestickt. Ihr Pfadiname. «Woher er kommt, weiss niemand.» Sie erhielt ihn als 8-Jährige und freute sich so sehr darüber, dass sie bei der Erklärung der Namenswahl nicht aufpasste.

Ihre lange Pfadi-Karriere startete die Ostschweizerin bei einer Abteilung, die es inzwischen gar nicht mehr gibt. «Sie ist einer St. Galler Autobahn zum Opfer gefallen, die mitten durch das Pfadi-Gebiet gebaut wurde», sagt Blanc. Der Weg wurde für viele Kinder zu gefährlich, die Auflösung folgte.

Das Pfadi-Fieber hat Barbara Blanc bis heute nicht losgelassen. Jeweils im Herbst macht sie gemeinsam mit Töchtern, Mann und befreundeten Pfadi-Familien Zeltferien – auch schon mal an ehemaligen Lagerplätzen. «Pfadi light», nennt sie das. Draussen spielen, Holz sammeln, Feuer machen. Das gefällt auch ihren Kindern und ihrem Mann, der nie in der Pfadi war.

Ob die Töchter Anna-Sofia und Emma dem mütterlichen oder dem väterlichen Beispiel folgen, sei ihnen überlassen, sagt Blanc. «Die Motivation für die Pfadi muss von ihnen kommen.» Für die ältere Tochter war der Fall früh klar: Bei der ersten Gelegenheit ist sie der Pfadi beigetreten. Offen ist, ob die jüngere Schwester ihrem Beispiel folgen wird: Mit ihren vier Jahren ist Emma im Moment noch ein wenig zu jung.