Erstaunlich war der zweite Teil der Nachricht in der «Schweiz am Sonntag»: Nicht nur Baden kommt für den Gemeinderat für eine allfällige Fusion infrage – Ammann Pius Graf sprach mehrmals explizit von «Nachbargemeinden», um deren Gunst geworben werden könnte. Eine Umfrage bei den Ammännern aus Freienwil, Ehrendingen, Wettingen, Obersiggenthal und Baden zeigt nun: Das Interesse an der Braut Ennetbaden reicht von Ablehnung bis zu Flirtbereitschaft.

«Ein Zusammenschluss mit einer anderen Gemeinde ist für Freienwil zurzeit kein Thema», sagt Ammann Robert Alan Müller. Der Freienwiler Gemeinderat habe beschlossen, in dieser Legislatur keine Gespräche darüber zu führen. «Wir verfügen über einen gut geführten, gesunden Finanzhaushalt und können jedes Jahr etwas Eigenkapital bilden. Ausserdem schaffen wir es stets, Behörden und Kommissionen mit motivierten Bürgerinnen und Bürgern zu besetzen.» Zu beachten sei ausserdem, dass die Topografie eine Fusion mit Ennetbaden auch nicht begünstige.

Ehrendingens Gemeindeammann Hans Hitz sagt: «Bisher war im Gemeinderat eine Fusion mit Ennetbaden noch nie ein Thema.» Bei einer Anfrage würde das Angebot aber genau geprüft. Derzeit erachte er es als eher unwahrscheinlich, dass ein Zusammenschluss mit Ennetbaden zustande kommen könnte. Ähnlich tönt es in Obersiggenthal: «Für den Gemeinderat steht das Thema Fusionen derzeit nicht zuoberst auf der Prioritätenliste», sagt Gemeindeammann Dieter Martin.

Wie Wettingen bei einer Anfrage reagieren würde, müsste im Gemeinderat zuerst diskutiert werden, sagt Ammann Markus Dieth. «Tatsache ist, dass die Gemeinden von Baden-Regio derzeit auf das Zusammenarbeitsmodell setzen.» Bisher sei eine Fusion zwischen Wettingen und Ennetbaden nie ein Thema gewesen, und allzu viele Gemeinsamkeiten gebe es nicht zwischen diesen beiden Gemeinden, zumal die gemeinsame Grenze eher klein sei, gibt Dieth zu bedenken.

Flirtbereitschaft zeigt hingegen Baden: «Wir sind sicher offen für Zusammenschlussgespräche mit Ennetbaden», sagt Ammann Geri Müller. «Falls Ennetbadens Stimmbürger eine Fusion würden vorantreiben wollen, wäre das ganz in unserem Sinne.» Die Diskussion in Ennetbaden komme zur richtigen Zeit, denn Badens Stadtrat habe sich zum Ziel gesetzt, 2014 aktiv Zusammenarbeitsformen im Hinblick auf 2018 zu prüfen.

Annäherungsversuche zu beobachten

In den vergangenen Monaten waren bereits mehrere Annäherungsversuche zwischen den beiden Bädergemeinden zu beobachten: Ennetbaden stellte seinen Bürgern 2012 die Frage, ob sie eine Fusion mit Baden befürworten – 54 Prozent sagten Ja. Das team baden wiederum, die Partei Geri Müllers, hat seine letzte Generalversammlung in Ennetbaden durchgeführt. «Als Zentrumsgemeinde muss die Stadt Baden in Zukunft vermehrt auf die Nachbargemeinden und ihre Einwohner zugehen und ihnen die Mitsprache ermöglichen», erklärte das team. Insbesondere gelte dies für das nahe Ennetbaden, mit dem die Zusammenarbeit bereits heute sehr eng sei.

Auch die Badener Einwohnerräte zeigten sich bei einer Umfrage von Smartvote offen für Fusionen: Im letzten Sommer befürworteten 90 Prozent der Einwohnerratskandidaten die Frage, ob Zusammenschlüsse anzustreben seien. Ausser bei der SVP, bei der mehr als zwei Drittel Nein oder eher Nein sagten, fanden sich in sämtlichen Parteien Mehrheiten für Zusammenschlüsse.