Fusionspläne
Entsteht an der Reuss eine neue Regionalstadt?

FDP und CVP Mägenwil lancieren Diskussion über den Zusammenschluss mehrerer Gemeinden im Reusstal. Es geht um Mellingen, Stetten, Tägerig, Wohlenschwil und Mägenwil.

Sabina Galbiati
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So skizzieren die Initianten der Fusionsidee die regionale Stadt an der Reuss mit Mellingen, Mägenwil, Wohlenschwil, Stetten und Tägerig.

So skizzieren die Initianten der Fusionsidee die regionale Stadt an der Reuss mit Mellingen, Mägenwil, Wohlenschwil, Stetten und Tägerig.

AZ

Was an der Limmat seit Jahrzehnten immer wieder als Diskussionsthema aufflammt, sorgt nun auch an der Reuss für Gesprächsstoff: Die CVP und die FDP Mägenwil lancieren das Thema Fusionen rund um Mellingen. Als mögliches Szenario skizzierte Michael Umbricht, Präsident der FDP Mägenwil und ehemaliger Gemeinderat, einen Zusammenschluss «des historischen Städtchens Mellingen mit den umliegenden Gemeinden

«So würde eine regionale Stadt mit rund 12'000 Einwohnern entstehen, die einen attraktiven Wohn- und Wirtschaftsraum bildet», argumentiert Umbricht.

Der Mägenwiler FDP-Präsident Umbricht und CVP-Ortsparteipräsident Viktor Müller haben das Thema Fusion initiiert, weil Mägenwil in den letzten zwei Jahren mehrere Wechsel im Gemeinderatsgremium verzeichnete. «Es wird immer schwieriger, geeignete Kandidaten zu finden», sagt Viktor Müller. «Die Situation dürfte sich in den kommenden Jahren noch verschärfen», sagt der Mägenwiler CVP-Präsident und gibt zu bedenken: «Dasselbe gilt auch für Kommissionen. Kann eine Gemeinde ihre Behördenämter nicht besetzen, wird sie früher oder später vom Kanton fremdverwaltet, das wollen wir verhindern.»

Zuerst Skepsis, danach Interesse

Erste Rückmeldungen haben die Parteipräsidenten an den jeweiligen Generalversammlungen erhalten. Die beiden Parteien haben das Thema Fusion skeptisch diskutiert. Bei der CVP regte sich anfänglich Widerstand, doch gegen Ende habe die Meinung umgeschlagen, resümiert Müller. «Die Mehrheit ist der Ansicht, man muss das Thema angehen.» Ähnlich das Fazit bei der FDP: «Nach der anfänglichen Skepsis zeigten sich die Anwesenden durchaus interessiert, wollten aber vorerst die Zusammenarbeit weiter verstärken», sagt Umbricht und fügt an: Das Thema Fusion sei als längerfristige Option wichtig, darin seien sich CVP und FDP einig.

«Deshalb werden wir auf jeden Fall das Gespräch mit den Parteien unserer Nachbargemeinden wie auch den Gemeinderäten suchen – insbesondere mit Wohlenschwil und Mellingen», sagt der Mägenwiler FDP-Präsident.

Mit und rund um Mellingen arbeiten die genannten Gemeinden bereits heute zusammen, etwa in der Feuerwehr Regio Mellingen, dem Schulkreis Mellingen-Wohlenschwil oder den Gemeindewerken Mägenwil-Wohlenschwil. Dennoch oder gerade deshalb wurden Fusionsgespräche bisher nicht laut geführt. «Wir wollen erreichen, dass sich die Bevölkerung in den umliegenden Gemeinden mit dem Thema Fusion auseinandersetzt, aber ohne Zeitdruck», sagt Umbricht, denn eine Fusion liesse sich nicht einfach in zwei, drei Jahren durchbringen. «Sie muss über mehrere Jahre reifen können.»

Der Mägenwiler CVP-Gemeinderat Marin Leuthard war bei beiden Versammlungen anwesend und sagt: «Ich war etwas überrascht, dass durchaus auch eine gewisse Offenheit gegenüber dem Thema Fusion zu spüren war», das sei nicht selbstverständlich. Der Gemeinderat Mägenwil habe sich bisher mit Fusions-Szenarien noch nicht auseinandergesetzt. «Es kann aber für uns durchaus zum Thema werden.» Leuthard betont, dass durch Zusammenarbeiten, wie etwa mit dem Bauamt, vor allem Ressourcen und Fachkompetenzen und damit die Qualität der Arbeit gesteigert werden können.

Auch der Mägenwiler Gemeindeammann Daniel Pfyl (SVP) zeigt sich gegenüber der Fusions-Idee offen. «Der Gemeinderat wäre sicher bereit, dies zu prüfen, sollten andere Gemeinden auf uns zukommen oder seitens Bevölkerung der Wunsch geäussert werden, dass wir auf andere Gemeinden zugehen.» Der Gemeindeammann fügt an: «Stillstand ist Rückschritt und es gehört zu unserem Auftrag, Optionen zu prüfen, wenn dies gewünscht wird.»

Zurückhaltung in den Behörden

Verhaltener zeigen sich die Vertreter der potenziellen Fusions-Gemeinden. In Mellingen strebe man zurzeit keine Fusions-Gespräche an, teilt FDP-Gemeindeammann Bruno Gretener mit. «Die Zusammenarbeit mit unseren Nachbargemeinden ist grundsätzlich sehr positiv und soll unsererseits auch entsprechend weitergeführt und, wo es Sinn macht, ausgebaut werden», sagt Gretener.

In Wohlenschwil sagt Gemeindeammann Erika Schibli, ebenfalls eine FDPlerin: «Wir wollen uns gegenüber neuen Ideen und dem Thema Fusion nicht verschliessen, aber in Wohlenschwil drängt es sich zurzeit nicht auf.» Es gebe zwei Gründe für Fusionen: Wenn eine Gemeinde Behördenämter nicht besetzen könne und wenn die finanziellen Mittel für die Eigenständigkeit fehlten. «Beide Voraussetzungen sind in Wohlenschwil momentan nicht gegeben», sagt Schibli und fügt an: «Wir arbeiten sehr gut mit unseren Nachbargemeinden zusammen, was sich künftig noch verstärken wird.» Zwar würden mit dem neuen Finanz- und Lastenausgleich insbesondere kleine, ländliche Gemeinden unter Druck geraten.

«Doch wir sind in den kommenden Jahren finanziell gut aufgestellt und es stehen keine grossen Investitionen an, welche unsere Finanzen aus dem Gleichgewicht bringen.» Auch Mägenwil stehe finanziell gut da, sagt Viktor Müller. «Wegen der Finanzen stehen wir nicht unter Fusionsdruck.» Man wolle das Thema aber gerade in der Bevölkerung frühzeitig aufgreifen.