Wie soll das Dorf oder die Stadt in 15 Jahren aussehen? Diese Frage muss sich jede Gemeinde im Kanton Aargau alle 15 Jahre stellen und eine neue Bau- und Nutzungsordnung (BNO) erlassen. Im Kanton Zürich gibt es mit der Bau- und Zonenordnung (BZO) ein Äquivalent.

Bei der Gemeinde Bergdietikon ist das höchste Zeit. Die alte BNO stammt von 1997. Damit die Neue möglichst breit abgestützt ist, rief der Gemeinderat interessierte Einwohner Mitte März auf, sich zu melden. Sie sollten in Arbeitsgruppen die neue BNO ausarbeiten.

Nur: «Der Rücklauf war nicht sehr gross. Man hätte mehr erwartet», sagt Gemeindeschreiber Patrick Geissmann auf Anfrage. Wie wenige Personen sich genau gemeldet haben, will er nicht sagen. Der Gemeinderat startet jetzt aber einen erneuten Aufruf. Geissmann sagt: «Der Gemeinderat will das Projekt zur Revision der Bau- und Nutzungsordnung breit abstützen. Deshalb geht er nochmals auf die Bevölkerung zu.» Man wolle, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen vertreten sind. Das heisse zum Beispiel Junge und Alte, Ausländer und Schweizer, Landwirte und Wirtschaftsleute.

Grundlage für die Entwicklung der Gemeinde

«Die BNO-Revision ist sehr wichtig, weil sie die Grundlagen für die Entwicklung einer Gemeinde bildet», sagt Geissmann. Mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit würden aber die Siedlungsgrenzen nicht verschoben, weil Kantons- und Bundesgesetze das verhindern.

Den ursprünglichen Aufruf publizierte die Gemeinde auf ihrer Website und versandte ihn mit dem Gemeinde-Newsletter sowie der «Bergdietiker Ziitig». Die Verwaltung sucht jetzt nach Wegen, mehr Menschen zu finden, die mitmachen wollen. «Der Text in der ‹Bergdietiker Ziitig› war ein wenig zu abstrakt und theoretisch», sagt Geissmann. Man wolle ihn beim zweiten Versuch attraktiver gestalten. Ausserdem werde man diesmal jeden Einwohner per Brief anschreiben.

3200 Franken Sitzungsgeld

Zu besetzen sind die Spezialkommision Nutzungsplanung, die Resonanzgruppe und zwei Arbeitsgruppen. Die Spezialkommission ist übergeordnet und koordiniert das Ganze. Die Resonanzgruppe berät und gibt Feedback an die Spezialkommission. Und die beiden Arbeitsgruppen Verkehr sowie Landwirtschaft, Natur und Landschaft arbeiten Vorschläge zu ihren Themen aus. Für die Mitarbeit in den Gremien gibt es Geld. Die Spezialkommission wird innert drei bis vier Jahren zwischen 30 und 40 Sitzungen haben. Pro Sitzung gibt es 80 Franken. Also insgesamt bis zu 3200 Franken. Die Arbeitsgruppen tagen total jeweils sieben Mal, entsprechend gibt es insgesamt 560 Franken Sitzungsgeld pro Mitglied.

Eigentlich hätte der Gemeinderat die Auswahl schon am 3. April treffen wollen. Der neue Aufruf verlängert die Frist jetzt. Der Gemeinderat hofft laut Geissmann, dass Ende Juni die erste Startsitzung stattfinden kann.

Wenn der Entwurf durch die Vernehmlassung ist, wird er der Gemeindeversammlung zur Abstimmung vorgelegt. Das ist für das Jahr 2021 vorgesehen. «Aber nur, wenn wirklich alles nach Plan läuft», sagt Gemeindeschreiber Geissmann. Danach muss der Grosse Rat des Kantons Aargau die BNO bestätigen, was Formsache ist. Im besten Fall kann sie 2022 in Kraft treten.