Epilepsie

Epilepsie-Patientin: «Die Krankheit darf nicht das Leben beherrschen»

Katrin Brunner und ihre Familie haben gelernt, auch mit der Diagnose Epilepsie ein normales Leben zu führen. Annika Bütschi

Katrin Brunner und ihre Familie haben gelernt, auch mit der Diagnose Epilepsie ein normales Leben zu führen. Annika Bütschi

«Ich merke nichts und falle einfach um» – Katrin Brunner (43) aus Würenlos berichtet von ihrem Leben mit der Krankheit Epilepsie – von der Ehrlichkeit bei Vorstellungsgesprächen und dem ersten Anfall vor ihren Kindern.

«Es sieht ja eigentlich wirklich nicht schön aus», sagt Katrin Brunner. Damit meint sie den Anblick eines Menschen, der einen epileptischen Anfall erleidet. Vor 16 Jahren wurde bei Katrin Brunner die Krankheit Epilepsie diagnostiziert. Eigentlich war sich Katrin Brunner schon vor dieser Diagnose ziemlich sicher, dass sie an dieser Krankheit litt – musste allerdings noch eine Reihe von Untersuchen über sich ergehen lassen: «Nach meinem ersten Anfall dachte ich mir schon, dass es Epilepsie sein könnte. Ich kam dann auch ins Spital und zu einem Neurologen. Der hat mir dann aber gesagt, mir sei wohl einfach schwindlig geworden», blickt Katrin Brunner zurück. «Deshalb habe ich lange nicht gewagt, über meinen Verdacht zu sprechen. Ich habe mich schlaugemacht, so gut es damals – noch ohne Internet – eben ging. So war ich mir schon ziemlich bald sehr sicher, dass ich Epilepsie habe.»

«Es war angsteinflössend»

Der Wechsel zu einer neuen Ärztin brachte Licht ins Dunkel und endlich die richtige Diagnose: «Das war zuerst schon etwas angsteinflössend. Durch das Schweizerische Epilepsie-Zentrum und den Schweizerischen Verein für Epilepsie Epi-Suisse bekam ich dann Hilfe und Unterstützung sowie viele nützliche Informationsbroschüren.» Ein Geheimnis hat die Hausfrau und gelernte Steuerfachfrau nie aus ihrer Krankheit gemacht – im Gegenteil: «Ich gehe sehr offen damit um, sage beispielsweise auch bei Vorstellungsgesprächen, dass ich diese Krankheit habe. Allerdings habe ich grosses Glück und nur sehr selten Anfälle – zirka alle zwei Jahre.»

Das Gefährliche bei Brunners Anfällen sind die Stürze, denn die Anfälle kündigen sich nicht an – durch Schwindel etwa oder Übelkeit. «Ich habe mir schon blaue Flecken zugezogen, oder war zur Überwachung eine Nacht im Spital, wenn ich mir den Kopf bei einem Sturz gestossen habe. So ist es eben bei mir, ich merke nichts und falle einfach um. Dafür stehe ich nach den paar Minuten, die der Anfall dauert, meistens einfach wieder auf und kann ganz normal weitermachen.»

Ein Gewitter im Hirn

Ihre beiden Töchter, 9 und 11 Jahre alt, hat Katrin Brunner schon früh auf mögliche Anfälle vorbereitet: «Ich habe ihnen die Krankheit so erklärt, dass sich in meinem Hirn eine Art Gewitter abspiele und ich einfach umfalle; dass ich davon aber nichts spüre und danach auch wieder aufstehen könne», sagt Katrin Brunner. «Die Mädchen wissen, dass sie einfach wegschauen und bei mir bleiben oder jemanden zu Hilfe rufen sollen. Aber auf keinen Fall sollen sie wegrennen.» Zum ersten Anfall vor ihren Kindern kam es in einem Warenhaus-Restaurant. Geistesgegenwärtig nahm die Ältere die kleine Schwester an die Hand und holte Hilfe. «Sie ging einfach zum Personal und sagte ganz ruhig: ‹Mein Mami hat einen epileptischen Anfall, bitte holen Sie Hilfe!› Das hat mich wahnsinnig stolz gemacht.» Im Freundeskreis und in der Familie hatte die 43-Jährige immer Unterstützung: «Das war nie für jemand ein Problem, auch nicht für meinen Mann. Wenn sich jemand aufgrund meiner Krankheit von mir abwenden würde, dann wäre das sowieso kein richtiger Freund gewesen.» Katrin Brunner lebt mit ihrer Familie in einer grosszügigen hellen Wohnung und wirkt glücklich und ausgeglichen. «Man darf die Krankheit nicht so stark werden lassen, dass sie das eigene Leben kontrolliert. Und ich habe solches Glück, habe tolle Kinder, einen lieben Mann und gute Freunde. Warum sollte ich unglücklich sein?» Und der Blick in Katrins wache Augen bestätigt: Ja, warum sollte sie?

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