Gross, stark und mit unverwechselbarem Schnurrbart: Wer Louis Burgener begegnet, fasst Vertrauen. «Er wird es schon richten», geht es einem spontan durch den Kopf. Der Technische Leiter des Kurtheaters Baden zwinkert mit den Augen, bevor er den Blick in seinem Büro nach oben richtet – auf einen imaginären Bühnenhimmel.

Der Richtige befindet sich nebenan, im Theater. Dessen veraltete Bühnenzüge- und Maschinerie stellen den Walliser vor permanente Herausforderungen. Ach ja, dieses geliebte, kränkelnde Haus, das er seit acht Jahren mit Herzblut betreut. Nein, schüttelt Burgener seinen grauen Haarschopf, das Kapitel Umbau sei ein anderes.

Heute werde dieses aufgeschlagen: «Wie kommt ein Walliser zum Theater?» In Louis Burgeners Augen blitzt es amüsiert auf. «Ich bin in Visp aufgewachsen, wo es viele Vereine und eine grosse Theatertradition gibt.» Der Sohn eines ins Theater vernarrten Lehrers zeigt sich schon früh fasziniert von der Bühne.

Doch selbst auf den Brettern stehen? Das will er nicht. Aber alles, was mit Licht und Ton zu tun hat, packt den jungen Mann, der auch der Musik verfallen ist. «Ich habe während 30 Jahren Blasmusik gespielt und zwar Tuba.»

Er managte Hallenstadion-Umbau

Die Fähigkeit des ebenso raschen wie besonnenen Handelns und Improvisierens kommt dem Walliser beruflich zupass. Als Ende der Achtziger das neue Gastspieltheater La Poste in Visp spruchreif wird, fragt man ihn, ob er Lust habe, einzusteigen. Der Elektriker hat – und widmet sich von da an der Bühne, dem Ton und dem Licht.

Später kommt ein Stage beim Stadttheater Bern hinzu; eine «prägende Erfahrung». Burgener nippt an seinem Kaffee, nimmt dann vorweg, was ihn sein Gegenüber fragen wollte: das Budget. Ja, nickt er, in Visp habe er gelernt, mit knappen Mitteln umzugehen. Sein Rezept, um aus wenig viel zu machen: «Fantasie, Wille und Eigeninitiative». Diese Devise leitet Burgener auch später, als er Visp nach 13 Jahren verlässt und ans Staatstheater Darmstadt wechselt.

Ist ihm der Wegzug von der gebirgigen Heimat ins Flachland nicht schwergefallen? Ach wo. «Ich liebe die Berge. Aber irgendwann hat man sie gesehen», sagt Burgener lachend und fügt auf seinen Wohnort Brugg anspielend hinzu: «Hier unten lässt es sich sehr gut leben. Meine Frau und ich sind herzlich aufgenommen worden. Meine Frau ist Walliserin und führt in Brugg einen kleinen Wollladen.»

Zurück zu Darmstadt und damit einem Mann, der dort sowohl Bühneninspektor wie stellvertretender Technischer Direktor ist. Seinen beruflichen Rucksack hatte Louis Burgener übrigens weiter aufgefüllt – mit einer Ausbildung zum Bühnen- und Beleuchtungsmeister in Wien.

Nach einigen Jahren zieht es den Walliser zurück in die Schweiz – ins Zürcher Hallenstadion, wo er den 147 Millionen Franken teuren Umbau technisch managt. «Das war etwas völlig anderes», bringt er seine Erfahrungen auf den Punkt: «Das Hallenstadion ist eine Eventhalle, das Theater hingegen ein Dienstleister, das ein Stück so original wie möglich zeigen will.»

Wie viel Liebe zur Bühne klingt in diesen Worten an. Kein Wunder, sagt Burgener dem Hallenstadion eines Tages Adieu – zugunsten des Kurtheaters Baden, das er bestens kennt. Dort ist er mittlerweile seit acht Jahren Technischer Leiter. Und wie Rossinis Figaro ist auch Louis Burgener überall anzutreffen: auf der Bühne, wo er vielleicht gerade etwas repariert; im Foyer sowie im Zuschauerraum, wo er hinter der letzten Reihe am Tonmischpult sitzt und eines ausstrahlt: Verlässlichkeit. Diese schätzen alle: das Publikum genauso wie die Theaterpartner aus dem In- und Ausland.

Für Louis Burgener ist das Kurtheater, in dem Oper, Tanz und Schauspiel gezeigt werden, ein überschaubares Zuhause. Herausragende Aufführungen? Die Antwort fällt, ohne Erwähnung von Namen, diplomatisch aus: «Ich mag eher traditionelle Inszenierungen; richtige Kostümkisten. Und: Ich liebe Opern von Bellini, Donizetti, Rossini und Verdi.» Was ist dem Walliser nach so vielen Theaterjahren immer noch Motivation: «Wenn eine Aufführung super und unfallfrei abgelaufen ist; wenn der Vorhang aufgegangen ist und Licht-, Ton- oder Videoeinspielungen präzis erfolgt sind.»

Steht eine Vorstellung bevor, weiss er, dass die Auf- und Abbauarbeiten 12 bis 16 Stunden dauern werden. In Vereinen mitwirken oder Freunde einladen? Er winkt ab: «Das liegt nicht mehr drin. Am Theater darf man nicht über Stunden nachdenken. Für das fantastische Badener Publikum macht man die Arbeit aber gerne.»

Kommt Louis Burgener nach Hause, ist er bisweilen bis 4 Uhr morgens wach. Vieles geht ihm dann durch den Kopf: die vergangene Vorstellung, aber auch die künftige. Gibt es da noch etwas anderes als das Theater? Louis Burgener strahlt: «O ja. Habe ich Zeit, fahre ich gerne Töff. ‹Kratze› ich ‹Pässli›, kann ich richtig schön abschalten.»