Baden
Er hat eine ernste Angelegenheit filmisch gekonnt umgesetzt

Der Badener Regisseur Luka Popadic stellt an der Solothurner Filmtagen seinen Kurzfilm «Roter Schnee» vor. Der Film handelt von der deutschen Besatzung Serbiens im Zweiten Weltkrieg.

Daniel Vizentini
Merken
Drucken
Teilen
Filmemacher Luka Popadic: «Baden ist meine Heimat.»

Filmemacher Luka Popadic: «Baden ist meine Heimat.»

Serbien im Jahr 1941: Das deutsche Militär hält das osteuropäische Land besetzt, serbische Partisanen wehren sich. Bei einem Angriff wird ein deutscher Soldat getötet – durch eine Unaufmerksamkeit des deutschen Leutnants Michael Berg. Bei solchen Fällen pflegt die deutsche Wehrmacht eine grausame Praxis: Für jeden getöteten deutschen Soldaten werden als Vergeltung wahllos hundert serbische Zivilisten hingerichtet.

«Ich wollte nicht in den Krieg. Ich will nicht weitere hundert Menschen auf dem Gewissen haben», sagt Leutnant Berg im Film «Roter Schnee» des Badener Regisseurs Luka Popadic, der Ende Monat an den Solothurner Filmtagen aufgeführt wird. Im Film stellt der vorgesetzte Major den jungen Leutnant Berg vor ein Ultimatum: Falls dieser es schafft, den gefangenen Serben Petar dazu zu bringen, seine Kameraden zu verraten, werde der Major die Vergeltungspraxis von hundert serbischen Zivilisten für einen deutschen Soldaten für einmal nicht umsetzen lassen.

Berg befindet sich darauf in einer Zwickmühle. Um den Tod von hundert Unschuldigen zu verhindern, versucht er vom vermeintlich ebenfalls unschuldigen Gefangenen Informationen zu erhalten, und greift dabei gar zur Folter. «Es ist eine harte Geschichte, die auf wahren Begebenheiten beruht», so Regisseur Luka Popadic. Zweieinhalb Jahre lang lag hat er am 23 Minuten langen Kurzfilm «Roter Schnee» gearbeitet. Nach «Edmund in Knezevac» im letzten Jahr ist «Roter Schnee» der zweite Film Popadics, der an den Solothurner Filmtagen gezeigt wird.

«Roter Schnee» beeindruckt durch eine gekonnte Szenografie. Popadics Aufnahmen schaffen eine düstere und zugleich anschauliche Spielfilmatmosphäre. Die Geschichte hingegen ist ernst und entsetzlich. Regisseur Luka Popadic ist serbischen Ursprungs, in den 40er-Jahren kam sein Grossvater in Kriegsgefangenschaft und wanderte später in die USA aus. Seine Eltern hingegen kamen in den 70er-Jahren in die Schweiz. Der heute 32-jährige Luka Popadic ist in Baden geboren und in Nussbaumen aufgewachsen.

Seine Eltern sind früh gestorben, Geschwister hat er keine. Mit 21 Jahren stand Popadic alleine da. Er studierte eine Zeit lang Geschichte und Politikwissenschaften an der Universität Zürich, machte die Offiziersschule im schweizerischen Militär und arbeitete als Grafiker in Berlin. «Ich habe gewusst, dass ich etwas im kreativen Bereich machen wollte. Also habe ich alles ausprobiert, was mir Spass macht», sagt Popadic. Seine Erkundungstour führe ihn nach Chicago zum anderen Zweig seiner Familie. In den USA ist sein Onkel Dokumentarfilmemacher. Ein halbes Jahr lang durfte Popadic bei ihm als Regieassistent arbeiten. «In dieser Zeit wurde mir klar, dass ich Filmemacher werden will.» Da Popadic für eine Zeit in der Heimatstadt seiner Eltern leben wollte, meldete er sich für ein Filmstudium in Serbien an. Seit 2007 studiert er Filmregie an der Fakultät der dramatischen Künste der Universität Belgrad. «Nur einer von zehn Anwärtern wird dort aufgenommen. Wir sind nur sieben Studierende in unserer Klasse», sagt Popadic. Heute pendelt er zwischen Serbien und der Schweiz. «Baden ist meine Heimat. Ich bin in der Region aufgewachsen, meine Freunde leben hier.»

«Ich war erstaunt, wie ich in vielen Dingen anders bin als meine Mitstudenten in Serbien», sagt er. «Dort nennen sie mich den Schweizer, hier hingegen bin ich der ‹Jugo›.» Popadic wird bei seinem Filmschaffen unterstützt von Schweizer Institutionen. «Ich bin sehr dankbar dafür. Ohne finanzielle Hilfe wäre meine Arbeit nicht möglich.» Auch der Kurzspielfilm «Roter Schnee» wird breit unterstützt, unter anderem vom Aargauer Kuratorium, vom Schweizer Radio und Fernsehen, der Stadt Baden und der Gemeinde Obersiggenthal.

Roter Schnee an den Solothurner Filmtagen. 26. Januar, 12 Uhr und 30. Januar, 12.15 Uhr.

Trailer: http://vimeo.com/48065823