Wettingen
Er ist Bindeglied zwischen Künstlern, Bevölkerung und Gemeinde

Der Wettinger Hansueli Trüb ist Künstler und Administrator. Er ist auch Figurenspieler und Kultursekretär.

Elisabeth Feller
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Kultursekretär Hansueli Trüb im Rathaus Wettingen vor einer Skulptur, die Katrin Zuzakova 2006 geschaffen hat. Die Künstlerin hat ihr den Namen «Vogeltempel» gegeben.

Kultursekretär Hansueli Trüb im Rathaus Wettingen vor einer Skulptur, die Katrin Zuzakova 2006 geschaffen hat. Die Künstlerin hat ihr den Namen «Vogeltempel» gegeben.

Sandra Ardizznone

«Hast du Hansueli gesehen?» – «Nein, aber er ist da.» – «Wo denn?» – «Hier.» Da steht er, einige Schritte entfernt vom Gewusel und dennoch mittendrin: Hansueli Trüb. Egal, ob es sich um eine Theater- oder Tanzpremiere, ein Konzert oder eine Vernissage handelt: Wettingens Kultursekretär ist dabei – und verfolgt das Geschehen stets mit feinem Lächeln.

Menschen, die ihn gut oder auch weniger gut kennen, sagen: «Spreche ich mit ihm, merke ich, dass er sich wirklich für mich interessiert. Und: Er hört mir zu.» Dass Hansueli Trüb ein guter Zuhörer ist, hat wohl mit seinen Berufen zu tun. Die Mehrzahl ist kein Verschreiber; Trüb ist nicht nur Kultursekretär, sondern auch oder ganz besonders ein Figurenspieler (siehe Box).

Hansueli Trüb

Hansueli Trüb (1951) wuchs in St. Gallen auf. Ausbildung zum Sekundarlehrer; danach Oberstufenlehrer an einem Erziehungsheim mit Lernbehinderten und Milieugeschädigten. Seit 1993 lebt er im Kanton Aargau, wo er seit 1999 Künstlerischer Leiter des Fabrikpalasts Aarau – Haus für innovatives Figurentheater ist; seit 2004 ist er Kultursekretär der Gemeinde Wettingen sowie beratendes Mitglied der Kulturkommission. Hansueli Trüb hat überdies Lehraufträge an verschiedenen Hochschulen für Musik und Darstellende Kunst im In- und Ausland. (az)

«Schon als Jugendlicher habe ich mich für Figurentheater interessiert», sagt er, «aber als Profi bin ich Autodidakt». Die hellen Vokale seines Ostschweizer Dialekts klingen noch heller, wenn er von seinen Anfängen als Lehrer und politisch engagierter Mensch in St. Gallen («Ich war dort während sechs Jahren im Kantonsrat») und seinem Beruf, Figurenspieler, erzählt.

Das Theaterrüstzeug hat sich Trüb durch Besuche unzähliger Vorstellungen und Festivals erworben; erprobt hat er das Handwerk – unter anderem als Lichtdesigner – vorerst in St. Gallen und danach im Aargau. Er sei 1993 «der Liebe wegen» in den Kulturkanton gezogen, merkt er an. «Sehr viel gewusst über ihn habe ich damals nicht, aber ich habe seine Vorteile sehr schnell schätzen gelernt.» Zum Beispiel? «Seine zentrale Lage.»

Diese ist für einen wie Hansueli Trüb, der mit seinen eigenen Stücken oft unterwegs ist, ganz wichtig. Seit 1980 ist der St. Galler selbstständiger Figurenspieler; seit 1999 Künstlerischer Leiter des weit über die Kantonsgrenzen hinaus bekannten Fabrikpalasts Aarau («Wir waren Vorreiter für innovatives Figurentheater») und seit 2004 teilzeitlicher Kultursekretär in Wettingen. Zudem ist er Dozent an verschiedenen Hochschulen für Darstellende Kunst und immer wieder auch Regieassistent – etwa bei den Klosterspielen Wettingen.

Dies alles läuft neben-, oder besser: miteinander. Das Eine befruchtet das Andere. So weiss der Fabrikpalast-Leiter aus eigener Erfahrung («Wir hatten in den ersten fünf Jahren weder städtische noch kantonale Subventionen»), wie ein Produktionsgesuch zu verfassen ist; so weiss wiederum der Kultursekretär, was Kunstschaffende brauchen – zum Beispiel einen Probenraum. Die Unterschiede zwischen «dem künstlerischen und dem administrativen Job sind nicht sehr gross», betont Trüb und bringt seine Arbeit so auf den Punkt: «Ich bin Bindeglied zwischen Künstlern, Bevölkerung und Gemeinde.»

Als solches Bindeglied hat er mannigfache Aufgaben zu bewältigen. «Wir behandeln Gesuche, führen Vermittlungsgespräche, erstellen das Kulturbudget für die Gemeinde, beraten die Exekutive; beraten aber auch bei Neubauten, etwa Schulhäusern.» Moment, was heisst das? «Wir machen Vorschläge, welche der Bilder, die im Besitz der Gemeinde sind, dort aufgehängt werden könnten.» Wettingen besitzt eine reichhaltige Sammlung von Bildern – und von Fotos, die die Gemeinde aber nur bis etwa 1950 dokumentieren. Das Online-Fotoarchiv müsse dringend ausgeweitet werden, unterstreicht der Kultursekretär und spielt damit auf jene vielen, in Privathäusern und dem Gemeindearchiv schlummernden Fotos an.

Schöne Aufgabe, keine Pflicht

Spricht Trüb von seiner Arbeit in Wettingen, merkt man: Diese ist für ihn kein Job und schon gar keine Pflicht, «sondern eine rundum schöne Aufgabe. Ich habe mit Theater, Musik, Literatur und bildender Kunst zu tun. Und als beratendes Mitglied der Kulturkommission kann ich sogar Fördergeld verteilen.»

Wie sehr ihn gerade das freut, ist Trüb anzusehen: Er strahlt. Selbst dann, als das Gespräch auf seine bevorstehende Pensionierung im Sommer dieses Jahres kommt. Das werde wohl nicht stimmen, will ihn das Gegenüber sachte aus dem Busch klopfen. Aber der Kultursekretär sagt trocken: «Doch, doch, das ist so.» Dass sein Abschied Ruhestand bedeutet, lässt Hansueli Trüb noch breiter lächeln als eh schon. «Auf gar keinen Fall. Ich habe schon jetzt viele Anfragen.» Also wird man an Kulturanlässen auch künftig nach ihm Ausschau halten und fragen können: «Hast du Hansueli gesehen?» «Nein, aber er ist da.»