In Warschau herrscht derzeit Eiszeit. Klimatisch – nicht kulturell. Das ist wichtig für Greg Zglinski (47).

Für den polnisch-schweizerischen Filmregisseur ist die Metropole im Osten zwar Heimat, doch die Verbindungen zur zweiten Heimat, der Schweiz, hat er nie abgebrochen.

Insbesondere nicht nach Baden. Hier begann seine Karriere (siehe Box).

Nicht nur, weil seine Eltern, sondern vor allem ein Mann felsenfest an ihn glaubte und noch immer glaubt: Peter Sterk, laut Zglinski «ein Kinobesitzer mit Herzblut und einem untrüglichen Sinn für Qualität».

Auch Greg Zglinski hält dieses Merkmal hoch. Er produziert keine Fliessbandarbeiten. Sein letzter polnischer Spielfilm, «Courage», datiert von 2011; sein jüngster, französisch gesprochener, «Le temps d’Anna», wurde 2015 gedreht. Zglinski nimmt sich eines urschweizerischen Themas an: die Uhrenbranche. Weshalb? «Meine Grosseltern waren Uhrmacher», erzählt er in seinem sanft östlich gefärbten Dialekt, «ich bin also mit Uhren aufgewachsen, daher habe ich für mechanische Zeitmesser sehr viel übrig».

Das Drehbuch stamme nicht von ihm, merkt Zglinski an, sondern von der Schauspielerin Noémie Kocher, die sich ihrerseits von der Geschichte ihrer Urgrosseltern habe inspirieren lassen. Kochers Urgrossvater sei Gründer der Uhrenmarke «Mido» gewesen, aber: «‹Le temps d’Anna› ist kein Film über die Uhrenindustrie, sondern eine einzigartige Liebesgeschichte.»

Rückkehr nicht ausgeschlossen

Der 47-Jährige wird im Sommer erneut einen Film in der Schweiz drehen – gemeinsam mit dem Schweizer Regisseur und Produzenten Stefan Jäger («Der Grosse Sommer» mit Mathias Gnädinger). Allzu viel will Greg Zglinski noch nicht verraten. «Es wird eine Geschichte über Liebe und Angst sein, die den Arbeitstitel ‹Tiere› trägt.» Ein leichtes Zögern, dann fügt der Filmemacher an: «Die Konstruktion des Drehbuchs ist einmalig. Ich hoffe, dass der Zuschauer, wenn er aus dem Kino geht, das Gefühl haben wird, ein Geheimnis berührt zu haben.»

Greg Zglinski pendelt zwischen Polen und der Schweiz. Empfindet er Heimatgefühle, wenn er in jenes Land zurückkehrt, in dem er aufgewachsen ist? «Oh ja», betont er, «immer, wenn ich hierher komme oder irgendwo in der Welt einen Schweizerakzent höre, wenngleich ich mich generell als Weltbürger sehe.» Eine definitive Rückkehr plant er vorläufig nicht, «doch vorstellen kann ich sie mir schon.»

Polen ist derzeit wegen seiner neuen Regierung in den Schlagzeilen. Wird die Situation für die dortigen Filmemacher deshalb schwieriger? Greg Zglinski wägt seine Worte sorgfältig ab: «Schauen Sie: Von beiden Seiten, also von den Regierenden und der Opposition, wird viel Propaganda betrieben. Deshalb ist es nicht einfach, sachliche Informationen zu bekommen. Es geht aber das Gerücht um, wonach das Polnische Filminstitut demontiert werden soll. Das wäre natürlich ganz schlecht, da es in den letzten zehn Jahren für den polnischen Film sehr viel Gutes getan. Ich hoffe, dass es bei einem Gerücht bleibt.»

«Le temps d’Anna» Der Film wird heute an den Solothurner Filmtagen gezeigt.